"Türk-Milch" der NÖM erhitzt Gemüter

  • "Süt" und Milch: Wirbel um NÖM-Packungen für türkische Geschäfte.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    "Süt" und Milch: Wirbel um NÖM-Packungen für türkische Geschäfte.

NÖM liefert Milchpackerl für tür­kische Geschäfte mit zwei­sprachi­gen Etiketten und stößt mancher­orts auf erbitterten Protest

Baden - "Süt" statt Milch: Türkisch beschriftete Milchpackungen der NÖM AG sorgten laut "Kurier" und "Kronenzeitung" für Aufregung: In der Zentrale der niederösterreichischen Molkerei in Baden bei Wien seien zahlreiche Protest-Mails und -Anrufe eingegangen und im Internet werde bereits zum Boykott aller NÖM-Produkte aufgerufen. NÖM-Sprecherin Maria Kitzler will die Sache im Gespräch mit derStandard.at ins rechte Licht gerückt wissen: "Die Beschriftung ist auf zwei Seiten türkisch auf zwei Seiten deutsch."

Die "Türk-Milch" wird seit etwa drei Wochen an türkische Supermärkte ausgeliefert. "Rund 300 sind es", sagt Kitzler. Da die türkische Community große Mengen Milchprodukte kaufe und vor allem sehr markenbewusst sei, wolle das Unternehmen deren Sympathien gewinnen. "Die Milch wird dort sowieso gekauft. Wir wollten damit die ausländische Konkurrenz verhindern. Es ist doch besser, wenn dort gute niederösterreichische Milch angeboten wird", sagt Kitzler, "das ist auch für heimische Arbeitsplätze gut. In österreichischen Supermärkten würde dieses Nischenprodukt ohnehin nicht angeboten werden.

Proteststurm

Was in türkischsprachigen Zeitungen seit Tagen Thema ist, hat sich jedenfalls in dieser Woche über eine einschlägige, angebliche "Patriotenseite" zu einem Proteststurm ausgewachsen. Auch in der NÖM-Zentrale in Baden seien jedenfalls die Konsumentenanfragen gestiegen, bestätigt Kitzler. Hier versteht man aber die ganze Aufregung nicht, "Haribo, Nestlé, Ottakringer stehen in den türkischen Supermärkten ebenfalls in den Regalen." Im Gegenzug gibt es aber auch schon Sympathiebekundungen für die Aktion.

In der "Kronenzeitung" sagt NÖM-Vorstand Alfred Berger zu den negativen Reaktionen in E-Mails: "Wir machten uns die Mühe einige Absender anzurufen. Sie stammen aus einer bestimmten Ecke." Gegenüber der Austria Presseagentur ergänzt Berger, dass man die zweisprachige Aufschrift auch als Serviceleistung verstehe, dass auch die ausführliche Information über österreichische Produkte mit heimischem Rohstoff für türkische Kunden gut zu lesen sei. Es gehe darum, die eigene Marke zu verkaufen. In den türkischen Supermärkten niederösterreichische Qualität anzubieten, auf türkisch zu informieren und damit ausländische Milch zu verhindern sei "Marketing für und nicht gegen Österreich". (rb, derStandard.at, 25.8.2010)

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