Schweden berichten von "Hölle auf Erden"

25. August 2010, 12:45
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Nachrichtenagentur wirft Armee-Pressedienst Verharmlosung von schweren Gefechten vor

Shebergan/Stockholm - Die Kämpfe, in die schwedische Soldaten im Lauf des Sommers in Afghanistan involviert wurden, waren offenbar wesentlich heftiger als bisher bekannt. "Die Angaben der Armee über Kampfhandlungen unter schwedischer Beteiligung in Afghanistan verbargen eine wesentlich brutalere Wirklichkeit" heißt es in einer Ende Juli recherchierten und jetzt veröffentlichten Reportage der Nachrichtenagentur TT.

"Wir setzten alles ein, was wir hatten. Die Kugeln schlugen überall rund um uns ein. Sie schossen mit Handgranaten, Raketen, Maschinengewehren und natürlich automatischen Waffen auf uns. Wir hatten keine Zeit nachzudenken. Ich verlor total die Zeitwahrnehmung." Die Feinde seien überall gewesen. "Es war die Hölle auf Erden", zitierte TT einen schwedischen Offizier. Ein anderer Soldat beschrieb die Gefechte als "Kampf auf Leben und Tod"

"Sechs-Tage-Krieg"

Die beschriebenen Kämpfe in Nordafghanistan hätten von 19. bis 24. Juli gedauert und teilweise nachts stattgefunden. Die Soldaten - allesamt sogenannte OMLT-Offiziere, die als in afghanische Verbände "eingebettete" Ausbildner nach Afghanistan geschickt wurden, bezeichneten die Gefechte untereinander als "Sechs-Tage-Krieg".

Laut TT wurden bei den sechstägigen Kämpfen weder schwedische noch reguläre afghanische Soldaten verletzt. Über gegnerische Verluste ist nichts bekannt. Einige Tage später seien allerdings zwei afghanische Soldaten beim Rückzug in die Basis Shebergan gefallen und vier weitere verwundet worden.

Schweden hat im Norden Afghanistans derzeit rund 500 Soldaten stationiert. Die Frage einer Verlängerung des schwedischen Einsatzes ist derzeit auch Thema im schwedischen Wahlkampf. Die linke Opposition will einen Abzug der Soldaten - die Sozialdemokraten bis 2014, die Linkspartei schon im kommenden Jahr. (APA)

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