Nachholbedarf bei Kundenfreundlichkeit

25. August 2010, 12:27
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Wenig auskunftsfreudig sind die heimischen Versicherer beim Thema Kundenfreundlichkeit

Wien - Wenig auskunftsfreudig sind Österreichs Versicherungen beim Thema Kundenfreundlichkeit: Nur vier Unternehmen (HDI, Wüstenrot, Zürich und Tiroler Versicherung) von 28 kontaktierten Versicherungen wollten sich gegenüber dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) dazu äußern, heißt es in einem Bericht in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Konsument". Die Kundenfreundlichkeit erscheine im Großen und Ganzen ausbaufähig, so der VKI in einer Pressemitteilung.

Zu den Kriterien zählten unter anderem Unterjährigkeitszuschläge, Zahlscheingebühren, Dauerrabatte und Treueboni sowie der Umgang mit Kundenbeschwerden (Angebot an Ombuds- und Kontaktstellen). Eine Erhebung unter fast 100 Maklern habe ergeben, dass einige Versicherer im mehreren Sparten vorne liegen. Keine Rolle spielt die Größe der Versicherungen, große schnitten nicht grundsätzlich besser ab als kleinere.

Wer vorne liegt

In mehreren Sparten vorne liegen laut "Konsument"-Erhebung die zum Vienna-Insurance-Konzern gehörende Donau Versicherung, Generali, HDI und Zürich. Unterschieden wurde bei der Makler-Befragung auch noch nach einzelnen Sparten: Beispielsweise werden bei der Schadensabwicklung in der Haushalts- und Eigenheimversicherung Donau, Generali und HDI positiv bewertet. Sehr negativ beurteilt worden seien in dieser Sparte BAWAG Versicherung, Bank Austria Versicherung und s Versicherung. In der Kfz-Haftpflicht punkten konnten Donau, Generali, Grazer Wechselseitige, Helvetia, VAV, Zürich und insbesondere HDI, so der VKI. Nicht ganz so zufrieden seien die Makler in diesem Bereich mit Allianz, UNIQA, der Wiener Städtischen, aber auch Wüstenrot und Niederösterreichischer Versicherung. Erhoben wurde auch die Zufriedenheit mit der Schadensabwicklung in der Kfz-Kaskoversicherung sowie in den Sparten Unfall, Rechtsschutz und in der Krankenversicherung.

Unterjährigkeitszuschläge als Zubrot

Ein "schönes Zubrot" für die Versicherer bedeuteten die "Unterjährigkeitszuschläge". Diese werden verrechnet, wenn die Prämie nicht - wie eigentlich vorgesehen - jährlich bezahlt wird. Je kürzer der Einzahlungsrhytmus desto teurer werde die Prämie in der Regel, bei monatlicher Zahlung könnten es bis zu 6 Prozent werden. Wie Untersuchungen des VKI immer wieder zeigten, verweise nicht jede Versicherung die Einsparungsmöglichkeiten durch jährliche Zahlung hingewiesen.

Die Zahlscheingebühren lägen zwischen 0,58 und 2,50 Euro. Bei monatlicher Zahlung ergebe sich dadurch unterm Strich ein "ansehnliches Körberlgeld", so VKI-Projektleiter Walter Hager in der heutigen Pressemitteilung. Ein Ende der Zahlscheingebühren scheine allerdings in "greifbarer Nähe", erwarten die Konsumentenschützer. Bis aber ein "Machtwort des Höchstgerichts" gesprochen sei, wird geraten, die Zahlscheingebühr zwar noch zu bezahlen, dem Versicherer mittels eingeschriebenen Brief aber mitzuteilen, dass weitere Zahlungen "kein Anerkenntnis darstellten, sondern vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung" bezahlt würden. "Wenn dann eine höchstgerichtliche Entscheidung vorliegt, werden diese Unternehmen die kassierten Entgelte den Kunden zurückzuzahlen haben", so VKI-Juristin Julia Jungwirth.

Ein weiteres Indiz für die Kundenfreundlichkeit sei der Umgang mit Dauerrabatten und Treueboni. Hier verweist der VKI auf ein OGH-Urteil, demzufolge es gesetzwidrig sei, wenn bei einer vorzeitigen Auflösung einer Versicherung der nachzuzahlende Betrag bei längerer tatsächlicher Vertragsdauer steigt statt sinkt. Sollte in den vergangenen 30 Jahren Jahren aufgrund einer solchen Klausel Rabattnachforderungen gezahlt worden sein, könnten die Kunden diese nun vom Versicherer zurückfordern. (APA)

 

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