Drogenkrieg in Mexiko

Leichen von 58 Männern und 14 Frauen endeckt

25. August 2010, 22:54

Soldaten fanden Tote nach Schießerei mit Mitgliedern eines Drogenkartells im Norden Mexikos

Mexiko-Stadt - Massenmord im Norden Mexikos: Das Militär hat auf einer Ranch 72 Leichen gefunden. Bei den Toten handelt es sich vermutlich um Migranten aus Mittelamerika, Ecuador und Brasilien, wie der Sicherheitssprecher der mexikanischen Regierung, Alejandro Poiré, am Mittwoch mitteilte. Sie waren wohl auf dem Weg in die USA. Es ist nach Angaben lokaler Medien der bisher größte Leichenfund in dem nordamerikanischen Land, das von einem Kampf der Drogenkartelle erschüttert wird.

Unter den Toten in der Nähe der Ortschaft San Fernando im nördlichen Bundesstaat Tamaulipas sind 58 Männer und 14 Frauen. Das Schleusen von Migranten durch Mexiko in Richtung Norden gilt als ein lukratives Geschäft der organisierten Kriminalität, bei dem auch die Drogenkartelle mitmischen.

Nach den Worten von Poiré nehmen die Drogenkartelle die Migranten zunehmend als Geiseln, um deren Familien zu erpressen. Oder sie versuchten, die meist jungen Männer und Frauen dazu zu bringen, für sie zu arbeiten.    

Die Streitkräfte waren auf die Ranch aufmerksam geworden, als ein Verletzter zu einem Kontrollposten gekommen sei und über einen Angriff auf die nahe Farm berichtet habe, hieß es in den Berichten. Darauf sei die Marine-Infanterie mit Unterstützung aus der Luft zu der Ranch vorgerückt.

Kriminelle hätten von dort das Feuer eröffnet. Dabei seien ein Soldat und drei der Schützen getötet worden. Neben den Leichen seien auf der Ranch zahlreiche Waffen, Uniformen und Fahrzeuge gefunden worden.

Jedes Jahr durchqueren Schätzungen zufolge eine halbe Million illegale Einwanderer Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Alleine in den sechs Monaten zwischen September 2008 und Februar 2009 seien dabei 10.000 Menschen von Drogenbanden entführt worden, berichtete die mexikanische Menschenrechtskommission.

Die meisten Überlebenden machten demnach die "Zetas" für die Entführungen verantwortlich - eine Abspaltung des in Tamaulipas dominierenden Golf-Kartells, die ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die Schmuggelrouten für Drogen streitig machen.

In Tamaulipas wie in anderen an die USA grenzenden mexikanischen Bundesstaaten tobt ein mörderischer Kampf zwischen rivalisierenden Drogenkartellen sowie zwischen der Armee und den Banden. Seit dem Amtsantritt von Präsident Felipe Calderon 2006 wurden rund 28.000 Menschen getötet. (APA)

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12 Postings
Charles Duchemin
00
26.8.2010, 14:58
Gibts eigentlich irgendwo Hintergrundliteratur zu dem Thema?

-) Wieso sehen viele Mexikaner offenbar ihre einzige Chance in kriminellen Organisationen?
-) Kann das mit dem sinkenden durchschnittlichen Einkommen seit dem Freihandel mit der USA zu tun haben?

In den Medien hört man ja immer nur von Toten und Drogen, aber niemals Hintergründe

Georg Schütt
00
27.8.2010, 20:14
Laut wiki hat Mexiko von der Freihandelszone profitiert:

"Viele Wirtschaftsstudien betonen allgemein, dass die NAFTA weniger zu einem größeren Handelsvolumen geführt hat, als zu einer Verlagerung des Handels, bei dem die NAFTA-Mitglieder nun mehr Güter aus NAFTA-Ländern importieren statt wie vorher aus Ländern weltweit. Während die USA von den NAFTA-Verträgen vor allem dank billiger Standorte und Löhne, die einen Anreiz für US-Unternehmensansiedlungen darstellen, profitieren, konnte Mexiko seine Exporte in seinen wichtigsten Absatzmarkt USA vervielfachen, zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und signifikante Steigerungen in seiner Wettbewerbsfähigkeit verzeichnen."

Um 73 Menschen so brutal zu ermorden, braucht es schon ein ungewöhnlich hohes Maß an Verrohung.

En Sabah Nur - Apocalypse
00
27.8.2010, 11:55

Neoliberalismus bringt nur Gewinne zwischen 2 ähnlichen gut ausgestatteten Nationen, aber eigentlich ist das dann nur Ricardo.
Die schnellen Strukturänderungen führten zu diesen Katastrophen, heute Job morgen arbeitslos. Ohne Sozialsystem beginnen viele üble Machenschaften und dies noch viel eher wenn nicht einmal Schul und Ethik vorherrscht. Mexiko kommt unter die Räder des NAFTA und geht Richtung failed state.

Georg Schütt
00
27.8.2010, 20:11
"heute Job morgen arbeitslos"

Das reicht wohl kaum, um einen solchen Massenmord zu erklären: Meinen Sie, auch nur ein einziger der Mörder hat je auf einer Farm gewerkelt und ist dann noch brav mit der Familie sonntags in die Kirche gegangen?

Karl Labruni
00
31.8.2010, 09:52
Jemand der heute auf einer Farm in Mexiko

werkelt verdient nix, ist dafür i.d.R. morgen auch nicht arbeitslos.

JvS-105
 
00
25.8.2010, 14:50

frag mich nur, was die mit den ganzen Drogen machen, wenn sie sich demnächst allesamt niedergenullt haben..

Das fünfte Element
05
25.8.2010, 15:41
was fragen sie sich da?

es geht ja in erster linie um den export, die konsumenten werden hier nicht "niedergenullt" sondern die konkurrenz.

am ende werden die drogen weiter verkauft und wer übrig bleibt hat den höchsten profit - doppelt sogar, sein leben und die verkaufseinnahmen (bis der nächste konkurrent auftaucht)

rough_rider
00
26.8.2010, 15:24

wir irre muss man sein um mit solchen leuten geschäfte zu machen...

wen das thema interessiert: die doku ist kein schmarrn. teilweise sehr hart, nichts für kinderaugen.

http://www.youtube.com/watch?v=7ogPJat_jWo

Retro
00
25.8.2010, 13:14

Irak is nix dagegen :(

Lady Gaga
130
25.8.2010, 12:47

28.000 Drogendealer weniger.

pike bishop
00
26.8.2010, 02:22

wenn es so einfach wäre...

Die Zetas rücken z.B. auf einen Dorffussballplatz ein, wo ein Halbwüchsiger sich gerade vergnügt, der sich mit Ihrem Jefe angelegt hat. Da sie nicht sicher sind, wer der Gesuchte ist, erledigen sie eben gleich alle. D.h. ein Dealer weniger, und ein paar andere auch weniger.

Das ist das eine, das andere ist, dass z.B. die jetzt gefundenen keine Dealer waren, dass Polizisten und Soldaten sterben (die zwar oft aber eben nicht alle korruot sind).

Gerald H
14
25.8.2010, 13:46

vox populi oder einfach nur gaga?

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