Air Berlin mit hohem Quartalsverlust

26. August 2010, 14:33
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Die deutsche Fluggesellschaft schreibt im Quartal ein Minus von knapp 57 Millionen Euro, Schuld war einmal mehr die Vulkanasche

Berlin/Wien - Die Billig-Fluggesellschaft Air Berlin hält trotz höherer Verluste im ersten Halbjahr 2010 an ihrer Prognose fest, im Gesamtjahr 2010 ein höheres Betriebsergebnis (EBIT) einzufliegen als im letzten Jahr. Die Vulkanschewolke vom April hat die Airline heuer im Frühjahr mit 40 Mio. Euro belastet. Beim Umsatz musste die Gesellschaft wegen der asche-bedingten Flugverbote 60 Millionen in den Wind schreiben. Diese Sonderbelastung soll durch Einmalerträge in den nächsten Monaten ausgeglichen werden. Darunter die Einbeziehung der österreichischen Hälfte-Tochter Niki ("Flyniki").

Seit 5. Juli hält Air Berlin 49,9 Prozent an Niki. Damals hat die deutsche Airline bei Niki Laudas Airline um 25,9 Prozent auf fast die Hälfte aufgestockt. Wegen eines Darlehens an Laudas Privatstiftung hat sich Air Berlin eine Option auf eine Totalübernahme der österreichischen Airline gesichert, sollte Lauda in drei Jahren den Kredit nicht zurückzahlen. Air Berlin hat bereits im Februar bei Vertragsunterzeichnung angekündigt, die Beteiligung in Österreich künftig in der eigenen Bilanz voll zu konsolidieren.

Heute, Donnerstag, prognostizierte die Air Berlin Gruppe, dass sowohl von der eigenen Gesellschaft als auch von "Niki" im zweiten Halbjahr ein Umsatzanstieg erwartet wird. Air Berlin ist die zweitgrößte deutsche Airline.

Und weiter: "Durch Flugzeugverkäufe und die Erstkonsolidierung Niki sollen die Sonderbelastungen Winter und Vulkan ausgeglichen werden." Auf dem Heimmarkt Deutschland setzt der Vorstand Hoffnungen in eine Erholung des privaten Konsums.

Harter Winter belastet

Der harte Winter brachte einen Mehraufwand durch verzögerte Abfertigungen, Enteisungen und längere Wartezeiten, was bei Air Berlin mit 28 Mio. Euro zu Buche schlug. Insgesamt musste die Airline im Halbjahr Sonderbelastungen von fast 69 Mio. Euro verkraften.

Im zweiten Quartal ist der Konzernumsatz der Air Berlin plc wegen der Belastungen durch die tagelange Luftraumsperrung in Folge des Vulkanausbruchs in Island auf 877 Mio. Euro gesunken. Im Vergleichszeitraum 2009 betrug er in der pro forma-Betrachtung - also einschließlich der übernommenen Strecken des TUIfly City Carrier Geschäfts - rund 935 Mio. Euro. Also ein Rückgang um 6,2 Prozent. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Leasingaufwand (EBITDAR) belief sich auf 124,3 Mio. Euro (pro forma-Vergleich: 160,1 Mio. Euro), ein Rückgang um 22,4 Prozent. Das EBIT war wegen der Vulkanasche-Belastungen im zweiten Quartal 2010 mit 28,2 Mio. Euro negativ. Der Nettoverlust im 2. Quartal lag bei 56,9 Mio. Euro.

Die Zahl der Fluggäste ging im zweiten Quartal dieses Jahres um 3,1 Prozent auf 7,99 Millionen zurück.

Im Halbjahr sank der Umsatz von Air Berlin um 4,8 Prozent auf 1,567 Mrd. Euro. Das EBITDAR sank um 11 Prozent auf 168,3 Mio. Euro. Das Ergebnis nach Leasingaufwendungen (EBITDA) lag stärker im roten Bereich, bei minus 78,5 Mio. Euro nach minus 39 Millionen Euro, das Betriebsergebnis EBIT belief sich Ende Juni auf minus 126,9 Mio. Euro nach einem vorjährigen Verlust von 92,3 Mio. Euro nach pro forma-Rechnung.

Vom belastenden Einfluss des kalten Winters und des schwachen Jahresauftakts und dann den Flugausfällen nach dem Vulkanausbruch in Island zeugten auch die Passagierzahlen: Nach einer verbesserten Entwicklung im Februar und März brachen die Passagierzahlen im April um 16,5 Prozent ein. Die Ungewissheit über das weitere Verhalten des isländischen Vulkans führte dann nur zu einer sehr schwachen Erholung des Passagieraufkommen. Für den Sechsmonatszeitraum wurde somit ein Rückgang der Passagierzahlen um 0,8 Prozent auf 14,23 Millionen gemeldet. Der Sitzladefaktor (Auslastung) ging um 2,18 Prozentpunkte auf 72,59 Prozent zurück. (APA)

  • Vor einem Jahr verzeichnete Air Berlin noch einen Gewinn von 7,1 Millionen Euro, jetzt liegen die Verluste bei 56,9 Millionen Euro.
    foto: air berlin

    Vor einem Jahr verzeichnete Air Berlin noch einen Gewinn von 7,1 Millionen Euro, jetzt liegen die Verluste bei 56,9 Millionen Euro.

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