BHP Billiton baut Gewinn aus

25. August 2010, 20:08
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Der australische Bergbaukonzern untermauert mit einem deutlichen Gewinnanstieg seine Schlagkraft im Milliarden-Poker um Potash

Melbourne - Im Kampf um die Übernahme des kanadischen Düngemittelhersteller Potash hat der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton Hoffnungen auf eine deutliche Verbesserung seines Gebots gedämpft. Trotz eines kräftigen Gewinnsprungs im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 30.6.) und praktisch kaum noch vorhandener Schulden werde sein Unternehmen nicht um jeden Preis den weltgrößten Kaliproduzenten kaufen, sagte BHP-Vorstandschef Marius Kloppers am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Er hatte in der vergangenen Woche ein feindliches Übernahmeangebot unterbreitet, nachdem er zuvor beim Potash-Management mit seinem Gesuch abgeblitzt war.

BHP Billiton bietet derzeit 130 US-Dollar je Aktie für Potash - das entspricht einem Gesamtpreis von 39 Mrd. Dollar (30,9 Mrd. Euro). Der Potash-Verwaltungsrat wies das Gebot harsch zurück und rief seine Aktionäre auf, nicht auf das BHP-Angebot einzugehen. Potash selbst bemüht sich nun um einen "Weißen Ritter" - einen anderen Investor, mit dessen Hilfe das Unternehmen die Übernahme durch BHP abwehren oder zumindest den Preis deutlich nach oben treiben könnte. Spekuliert wird darüber, dass chinesische Staatsfonds und Rohstoffkonzerne ein Interesse haben könnten. Gemunkelt wird auch über ein Gegenangebot des BHP-Rivalen Rio Tinto. Der brasilianische Rohstoffförderer Vale hat dagegen ein Interesse dementiert.

Um Zeit zu gewinnen, hat Potash einen Aktionärsplan angekündigt. Demnach könnte das Unternehmen sein Grundkapital verdoppeln, wenn ein neuer Aktionär 20 Prozent der Aktien hält. Die neuen Papiere würden den Altaktionären mit einem kräftigen Abschlag angeboten. 90 Tage soll diese Möglichkeit bestehen. Mit diesem Schritt würde sich der Wert der Aktien des neuen Anteileigners deutlich verwässern. BHP fordert Kreisen zufolge inzwischen die kanadische Regierung auf, gegen diese sogenannte Giftpille vorzugehen.

Analysten erwarten, dass BHP sein Angebot deutlich aufstocken muss, um zum Zuge zu kommen. Die Potash-Aktie notierte am Vorabend bei gut 149 Dollar - 15 Prozent über dem BHP-Offert. Dass der britisch-australische Bergbaukonzern es sich leisten könnte, tiefer in die Tasche zu greifen, gilt unter Experten als unstrittig. Für die Übernahme stehen Kreditlinien von 45 Mrd. Dollar bereit. Zudem gilt BHP mit einem Mittelzufluss von fast 18 Mrd. Dollar im vergangenen Geschäftsjahr 2009/10 und einer um 41 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar gedrückten Verschuldung als glänzend aufgestellt. Analysten gehen daher davon aus, dass der Konzern locker 155, 160 oder sogar knapp 180 Dollar je Potash-Aktie zahlen könnte.

Mit der Potash-Übernahme will BHP Billiton sein Geschäft weiter verbreitern. Als weltweit erster Bergbaukonzern ist das Unternehmen etwa bereits in das Ölfördergeschäft eingestiegen. Seit kurzem ist der Konzern auch mit einem eigenen Projekt im Kaliabbau tätig und würde nun mit dem Zukauf auf einen Schlag zum Weltmarktführer. Die Nachfrage nach Düngemitteln weltweit dürfte angesichts des Bevölkerungswachstums in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Im vergangenen Geschäftsjahr profitierte BHP Billiton kräftig von der Erholung der globalen Konjunktur. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn stieg um 16,3 Prozent auf 12,47 Mrd. US-Dollar. Allein im zweiten Halbjahr von Januar bis Juni legte der Gewinn um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, der von der weltweiten Wirtschaftskrise geprägt war. Der Jahresumsatz erhöhte sich um 5,2 Prozent auf 52,8 Mrd. Dollar.

Vorsichtig äußerte sich Konzernchef Kloppers zur weiteren Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten. So dürfte sich das rasante Wirtschaftswachstum in China, dem größten BHP-Kunden, abschwächen. In den Industrieländern rechnet Kloppers nicht mit einer schnellen Rückkehr zu alten Nachfragerekorden. Langfristig werde der Bedarf an Rohstoffen aber wachsen.

Pessimistischer als zuletzt äußerte sich Kloppers zur geplanten Zusammenlegung der Eisenerzaktivitäten in Westaustralien mit denen des Konkurrenten Rio Tinto. Zehn Mrd. Dollar wollen die Konzerne durch das Gemeinschaftsunternehmen sparen. Zahlreiche Kartellämter prüfen das Vorhaben, gegen das die Stahlbranche weltweit Sturm läuft. Sie befürchten, dass sich die Marktmacht der Erzproduzenten dadurch noch weiter erhöht. "Es geht langsamer voran, als wir erwartet haben", sagte Kloppers. Beide Unternehmen müssten überlegen, wie es weiter geht, wenn Ende des Jahres ihre Vereinbarung zum Zusammenschluss auslaufe und dann noch keine Zustimmung der Wettbewerbsbehörden vorliege. (APA/dpa-AFX)

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