800.000 Menschen von Hilfe vollkommen abgeschnitten

25. August 2010, 18:11
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Flutopfer sind nur über den Luftweg zu erreichen - Mindestens 40 Schwerlast-Hubschrauber werden noch dringend benötigt

Iskamabad/Sukkur - Tauda war die Mutter von vier Kindern. Wie rund sechs Millionen andere Pakistani musste auch sie wegen der Flutkatastrophe ihr Haus aufgeben und in einem Lager Zuflucht suchen. Dort bekam sie plötzlich Magenkrämpfe und Durchfall. 14 Stunden später war sie tot. "Wir glauben, es lag am Wasser", sagt Mohammad Hashim, ihr Bruder.

Magen-und-Darm-Erkrankungen das größte Problem

Dem Lagerarzt Ihsan zufolge sind Magen-und-Darm-Erkrankungen das größte Problem. Einen bestätigten Fall von Cholera habe es noch nicht gegeben, sagt der Mediziner. Dabei hatte Tauda eigentlich Glück gehabt. Sie kam in eines der besseren Lager, die rund um die Stadt Sukkur in der Provinz Sindh entstanden waren. In dem von der Armee geführte Camp leben etwa 4000 Menschen. Zweimal am Tag werden Lebensmittel ausgegeben. Auch Wasser wird verteilt.

Allerdings warnten die Behörden in der Region Sindh am Mittwoch vor erneuten schweren Überschwemmungen durch den Indus-Fluss. Die Stadt Hyderabad und die umliegenden Bezirke seien auch weiterhin stark gefährdet, sagte der Minister für Bewässerung in Sindh, Jam Saifullah Dharejo. "Wir stecken derzeit mitten im Krieg gegen diese außergewöhnlichen Fluten." Zehntausende Menschen wurden bereits aus den gefährdeten Gebieten gebracht, tausende Helfer versuchten den Indus mit Barrieren in Schach zu halten.

Flutopfer sind nur über den Luftweg zu erreichen

Etwa 800.000 Menschen warten nach Angaben der Uno hingegen noch auf Hilfe. Sie befänden sich in Gegenden, die nur über den Luftweg zu erreichen seien, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe. Mindestens 40 Schwerlasthubschrauber seien nötig, um die wachsende Zahl Hilfsbedürftiger versorgen zu können.

Pakistan kämpft seit rund einem Monat gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. "Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal", sagte der Österreicher Thomas Preindl von der Caritas.

Mindestens 1500 Menschen starben, bis zu 20 Millionen dürften laut UN von den Fluten betroffen sein. Die internationale Gemeinschaft spendete bisher mehr als 700 Mio. Dollar. (APA)

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    Viele Gebiete sind am Landweg nicht zu erreichen. Für die Versorgung von 800.000 Flutopfer werden weitere Schwerlast-Hubschrauber verwendet

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    Ältere Männer sitzen vor ihrem Zelt in einer Zeltstadt in Sukkur, Provinz Sindh. Behörden befürchten weitere Überflutungen in der Region

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