Alpbach

Experte: Status Quo an Unis nicht aufrechtzuerhalten

25. August 2010, 10:09

Lösung für Zusammenspiel aus öffentlicher Finanzierung, freiem Hochschulzugang und Studiengebühren nötig

Wien/Alpbach - Österreich muss beim Thema Hochschul-Finanzierung mittelfristig eine Lösung für das Zusammenspiel von öffentlicher Finanzierung, freiem Hochschulzugang und Studiengebühren finden. "Es wird in den nächsten zehn Jahren nicht möglich sein, den Status Quo beizubehalten", betonte der Chef der Abteilung "Governance, Autonomy and Funding" der European University Association (EUA), Thomas Estermann, im Gespräch mit der APA. Eine Lösung sei umso nötiger als für die nächsten Jahre bereits Budgetkürzungen angekündigt seien.

"An welchem der drei Räder man dabei dreht, ist eine politische Frage", betonte der Österreicher Estermann, der heute, Mittwoch, beim Europäischen Forum Alpbach zu Gast ist. "Alle drei gleich zu lassen wird aber nicht gehen, wenn man im internationalen Bereich mitspielen will." Weiters empfiehlt Estermann Weiterbildung und Professionalisierung im Hochschul-Management. Derzeit kommen oft verdiente Forscher in akademische Leitungspositionen, ohne auf diese entsprechend vorbereitet zu sein. "Wenn ich aber etwa erfolgreich Drittmittel einwerben möchte, sind andere Skills nötig." Derzeit werde ein entsprechendes Leadership-Development aber nur in Großbritannien konsequent angeboten. In Irland hätte dies etwa bereits auch zur Erschließung neuer Einnahmequellen geführt.

"Das perfekte System gibt es nicht"

Die Frage nach der idealen Hochschulstruktur ist für Estermann nicht zu beantworten: "Das perfekte System gibt es nicht." Aus der Sicht des europäischen Uni-Dachverbands sei aber Autonomie ein wesentlicher Punkt. Auch zwei kürzlich veröffentlichte Studien hätten etwa gezeigt, dass der Output autonomer Unis höher ist - wobei natürlich auch die Messung der Kernleistungen einer Uni schwierig sei. Bei den verschiedenen Forschungs-Indikatoren wie z.B. der Zahl der Veröffentlichungen und eingebrachten Drittmittel gebe es natürlich Vor- und Nachteile.

Der Grad der Autonomie der österreichischen Unis ist laut Estermann je nach Kategorie unterschiedlich ausgestaltet. Im Bereich der akademischen Autonomie gebe es natürlich Einschränkungen durch die fehlende Möglichkeit der Unis, ihre Studenten auszuwählen, bei der finanziellen Autonomie durch die mangelnde Möglichkeit der Einhebung von Studiengebühren. In anderen Bereichen wie etwa der Überweisung von Globalbudgets oder der Möglichkeit, Überschüsse ins nächste Jahr mitzunehmen, liege Österreich dafür wieder im vorderen Drittel der europäischen Staaten.

Wirtschaftskrise bedroht Universitäten

Ohne entsprechende Finanzierung der Hochschulen sind für Estermann aber auch die besten Strukturen nicht ausreichend. Die Wirtschaftskrise hat hier die österreichischen Unis im europäischen Vergleich noch weitgehend verschont, wie eine EUA-Studie zeigt. Am höchsten seien die Kürzungen in Lettland mit einem Minus von rund 50 Prozent für den Hochschulbereich ausgefallen, so Estermann. "Da geht es de facto nur ums Überleben." In Irland, England, Estland und Litauen habe es ein Minus von zehn Prozent gegeben. Ein Minus von fünf Prozent mussten die Hochschulen etwa in Tschechien, Polen, Kroatien und Serbien hinnehmen.

Österreich falle mit Spanien, Ungarn und Belgien in eine Gruppe von Staaten, die zwar keine direkte Kürzungen durchgeführt, allerdings ihre zuvor getroffenen Bekenntnisse zur Erhöhung der Hochschulfinanzierung über Bord geworfen haben. Keine Kürzungen hat es bei der öffentlichen Hochschulfinanzierung dagegen in den skandinavischen Staaten gegeben, sogar angehoben wird sie in Deutschland, Frankreich und - mit Einschränkungen aufgrund vorhergegangener starker Kürzungen - in Portugal. (APA)

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10 Postings
Kronenzeitungsleser
00
...und ein

überbesetztes VWL Institut. Auch dort könnte man richtig sparen!

DerErfinderDesRSA
00
26.8.2010, 16:09
@domina

Zunächst gratuliere zum Update. Für Reinigungsarbeiten holt man sich eine Reinigungsfirma uind stockt nicht das Personal auf - im wirklichen Leben.

Die Öffungszeiten sind nach wie vor eingeschränkt. Bei einem entsprechenden Angebot wäre nach einer gewissen Anlaufzeit auch die Nachfrage da.

Die Herrschaften sollten sich aufs Arbeiten konzentrieren!

Ansonsten keine Kritik.

DerErfinderDesRSA
00
25.8.2010, 16:53
Universität Klagenfurt - exemplarisch für andere

Mitte August, Bibliothek:
Drei(!) Schalter sind besetzt bei mäßig bis zäh tröpfelndem Publikumsverkehr. Im dritten Stock stolpern die MitarbeiterInnen übereinander. anwesend sind sicher an die 15-20 Leute. Aushilfen(!) arbeiten diskret im Keller. Gleichzeitig SAC(Self Access Center): Keine einzige StudentIn während des ganzen Sommers gesichtet. Sonst ist die Funktion auch unklar. Sprachlabor ist es keines. Mindestens zwei fixe MitarbeiterInnen! CD-Verleih findet auch in der Bibliothek statt. Beides ließen sich mühelos zusammenlegen. Manche Institute haben nur eine HalbtagssekretärIn oder gar keine und sind Ein-Frau-Betriebe!
Die Unis sind unterfinanziert und leisten sich noch immer den Luxus "geschützter Werkstätten" und "Gleicheren".

DerErfinderDesRSA
00
25.8.2010, 17:10
Ergänzend:

Öffnungszeit im August dafür: 9:30 - 12:00, man hat ja soviel zu tun gehabt. Ansonsten: 9:30 - 19:00.
Das man studentische Hilfskräfte bis 22:00 einsetzen könnte oder eine andere Lösung findet, wird nicht einmal diskutiert. LV z.B. "Angewandte Musikwissenschaft". Man fragt, sich was das ist.
"Angewandte Limnologie" wäre Angeln. "Angewandte Forstwirtschaft" vulgo "Holzschnitzen"?

Degegen: Die Uni hat keinen eigenen Lernsaal.

Man fragt sich, was hier der Masterplan ist.

smea_gol
01
25.8.2010, 17:27

Am Beginn gebe ich Ihnen recht, das Problem ist halt, dass die Unis sich recht schwer tun, pragmatisierte Bundes-Artefakte vor der Pensionierung los zu werden.

Ad Ihre LVA-Bekritelung gebe ich Ihnen nicht recht.
Sogar auf Wikipedia finden Sie, was angewandte Limnologie ist...

DerErfinderDesRSA
00
26.8.2010, 10:51
Zugegeben,

ich wollte da nur polemisch werden.

es sind nicht immer Artefakte, sondern in diesem Fall Neuzugänge und eine Aufrechterhaltung des Status Quo, deswegen halte ich es für erwähnenswert und exemplarisch. Die Details sind etwas komplexer im Land der "Haberer" und "Kumpalan".

Aber es haben Institue tatsächlich keine oder nur eine halbe SekräterIn, während andere offensichtlich mit dem Personal nicht wissen, was tun.

smea_gol
03
25.8.2010, 12:33

vielleicht sollte man dem finanzminister zumindestens einmal lesen beibringen, wobei dann noch nicht garantiert wäre, dass er auch versteht, was hier steht...

bionic
01
25.8.2010, 10:46
Zeit etwas zu unternehmen...

...aber wie ich unsere Politiker kenne, nehmen sie die Ergebnisse von Alpbach zwar zur Kenntnis, jedoch werden sie dennoch die Budgets der Unis und Forschungsetare kuerzen. ; (

DerErfinderDesRSA
21
25.8.2010, 17:12
Das finde ich richtig,

solange die Universitäten so mit ihren knappen Ressourcen umgehen.

kleiner Schelm
10
26.8.2010, 08:34

Das finden wir doch in ALLEN staatlichen Einrichtungen. Wenn eine zentrale Einrichtung (z.B. Werkstätte) bleibt sie auf ewig, zumindest bis zur Pensionierung aller Mitarbeiter der Einrichtung.

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