Kinderheime

Wien entschädigt Missbrauchsopfer

24. August 2010, 19:46

84 Betroffene haben sich bisher gemeldet - Häupl entschuldigt sich öffentlich

Wien - 84 Menschen haben sich seit März bei der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft gemeldet. Sie alle waren als Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch in Heimen der Wiener Jugendwohlfahrt geworden. Die Stadt wird den Opfern nun Entschädigungszahlungen leisten, weiters werden die Kosten für Therapien und Beratungen übernommen.

Bürgermeister Michael Häupl (SP) entschuldigte sich am Dienstag in seiner wöchentlichen Pressekonferenz bei den Betroffenen. "Wir sind uns unserer Verantwortung für die schrecklichen Ereignisse, die einigen Menschen widerfahren sind, bewusst." Das Leid sei nicht mehr gut zu machen, man werde aber alles unternehmen, um diesen Personen zu helfen und ihnen Gehör zu verschaffen, so Häupl.

Ältester Fall aus 1944

47 Opfer waren in städtischen Heimen untergebracht, 37 in privaten Einrichtungen, die unter der Aufsicht der Wiener Jugendwohlfahrt standen. 33 Betroffene haben zugestimmt, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Die meisten der bisher bekannten Gewalttaten ereigneten sich laut Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) in den 1960er- und 70er-Jahren, der jüngste Fall stammt aus 1997, der älteste aus 1944. Ein Großteil der Heime, in denen es zu Übergriffen gekommen ist, existieren mittlerweile nicht mehr. Die sechs noch bestehenden Einrichtungen - darunter das August Aichhorn Haus, das Europahaus des Kindes und das Haus Döbling - seien umstrukturiert worden, betonte Oxonitsch.

Eine Historikerkommission, soll ab Herbst die Geschichte der Heimerziehung aufarbeiten. Die Archive stehen künftig allen offen, die in der Obsorge des Jugendamtes waren. "Jeder hat das Recht auf seine persönliche Geschichte", sagte Oxonitsch.

Mindestens 5000 Euro 

Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft bleibt Anlaufstelle für die Opfer. Die Geldzahlungen und die Therapien werden vom Opferschutzverband "Weißer Ring" koordiniert. "Den Betroffenen ist besonders wichtig, dass man ihnen glaubt und dass es eine vorbehaltlose Anlaufstelle gibt", sagte Udo Jesionek, Präsident des Weißen Ringes und Mitglied der Klasnic-Kommission. An der Opferschutzkommission der Bischofskonferenz werde man sich auch bei der Höhe der Entschädigungen orientieren, so Jesionek. Die Untergrenze liegt bei 5000 Euro, bei schweren Delikten kann die Summe 25.000 Euro oder mehr betragen. Die Stadt verlangt von den Opfern keine Verzichtserklärung. Das heißt auch nach einer Entschädigungszahlung können sie noch vor Gericht gehen.

Wien ist nach Tirol das zweite Bundesland, wo Gewaltopfer in Kinder- und Jugendheimen des Landes Entschädigungszahlungen erhalten. (fern, DER STANDARD Printausgabe, 25.8.2010)

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Rosa Stahl
01
27.8.2010, 13:47

Faktum ist: auch heute wird Kindern, wenn sie sich über übergriffe beschweren, nicht geglaubt. Dass müssen gar keine sexuellen Übergriffe sein. "Normales" Mobbing reicht völlig. Hatte erst gerade so einen Fall in der Schule, wo ein Bub von anderen drangsaliert wurde (körperlich und psychisch). Klassenvorstand und Leiter haben immer nur was gefaselt von: "hab ich nicht gesehen, glaub ich nicht, war nicht dabei, gehe davon aus, dass das nicht so gewesen ist...." Als die Sache dann durch Erwachsenen-bescherden in den Stadtschulrat ging, ist der Schulleiter total ausgezuckt. Das Kind allein ohne erwachsene Hilfe ausserhalb der Insitution wäre total übergeblieben und mit Medikamenten vollgestopft worden.

Das Wort
21
26.8.2010, 15:02
Häupl nimmt unser Geld und.......... meint, Wien könnte brennen, wenn seine Habschies abgewählt werden!

So berichten Medien wie die Presse. Nero ist da nicht weit von Sinnen?

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
00
26.8.2010, 18:22

Bitte lies das Interview.

bluebeard's 8th wife.
00
26.8.2010, 08:46
mich würde interessieren, ob die betroffenen damit einverstanden und vor allem zufrieden sind.

R Prinesdomu
 
00
26.8.2010, 10:38
keine verjährungsfrist

Eines wäre mir persönlich sehr wichtig das es für solche Straftaten keine verjährungsfrist gibt ansonsten haben wir nichts erreicht und es bleibt alles so wie es ist und war!

rene prassee
00
25.8.2010, 20:50
hmmm ... niederösterreich ?

ich habe öfters ohrfeigen 1961-1963 im kinderheim erhalten ... an mehr kann ich mich nicht erinnern .. es war aber sicher mehr ...
zwar weniger als in der der familie .. aber da war doch was ..

wo muss ich meine entschädigung einfordern?

W.Hammerl
30
26.8.2010, 13:52

In erster Linie natürlich bei Ihrem Vater - falls die Familie-Ohrfeigen von ihm stammen. Sie können es aber auch am Salzamt versuchen.

Saskijan
13
25.8.2010, 08:22
traurig daran ist...

...dass die Kinder ja unschuldig in diesen Erziehungsgefängnissen waren, da die Eltern versagten!Ich war in kirchlichem und weltlichem Erziehungsgefängnissen Baumgartenberg und Schwaz i.Tiol, weil ich von den Pflegeltern sexuelle & körperliche Gewalt erlebt hatte und so den gleichaltrigen Kindern "sexuell2 vorauswar, so die dreckige Phantasie der Fürsorgerinnen und Leitern!
Der Staat Österreich war mein Vormund und die Fürsorge für mich verantwortlich. Sie haben zu verantworten, dass ich 17 1/2 Jahre meines Lebens verloren habe unter deren Aufsicht!
INFORMATION & AUFKLÄRUNG
www.gegensexuellegewalt.at

Quasis Herr Karl
05
25.8.2010, 11:42
Zur Traurigkeit kommt dazu,dass man sich

für diese Verbrecher auch oft noch "entschuldigen" muss. Sich rechtfertigen "warum" man im "Heim" gewesen ist.

Saskijan
11
25.8.2010, 08:15
Schäbig...

Der Weiße Ring Wien bestimmt was Ex-Kindopfer von weltlichen Heimen, als Entschädigungszahlungen bekommen sollen? 5000.-Euro bis oben offen? Was heißt das für die betroffenen Menschen, von sexueller sowie körperlicher Gewalt?
Tirol geht hier mit den betroffenen Menschen respektvoller um! Hier spricht man von 15.000 bis 25.000.-Euro darunter wäre unangebracht.
Seelische Dauerschädigung sollte doch den unschuldig in Haft gesessenen mutmaßlichen Sexualstraftätern angeglichen werden, meinen Sie nicht auch?
Die zuletzt abgegoltene Summe betrifft: 190.50€ im Tag das sind im Monat 5.714,28€ und in 21 Monaten 120.000.- Euro!

Aber Sie wollen ja daraus auch Ihren Vereinsnutzen ziehen, verständlicher Weise, oder? Wenn die Opfer weniger bekommen

Gerhard Müller
33
25.8.2010, 07:41
Ich kenne das Vorfeld nicht genau

seitdem diese Sache hochgekommen ist. Und damit meine ich die Mißbrauchs- und Gewaltopfer in den Wiener Heimen.

Aber mir scheint, dass die Gemeinde Wien hier völlig anders an die Sache herangegangen ist als die katholische Kirche.

Auf der einen Seite Vertuschung bis zu Verleumdungsklagsandrohungen und dann ein Gezerre um Entschädigung. Ein peinliches Szenario, wie es peinlicher und - wie ich finde - kaum gemeiner für die Opfer nicht hätte sein können. Opfer wurden zu Tätern gemacht. Täter wurden von höchster Seite gedeckt. Das zur Kirchenseite.

Offenbar hat hier die Gemeinde Wien die Sache völlig anders beurteilt. Vorrangig opferbezogen. Sie scheinen das richtig gemacht zu haben.

Meine Anerkennung!

Rosa Stahl
00
27.8.2010, 13:39

Dass es Missbräuche in Kinderheimen gegeben hat ist eine Tatsache und bekannt. Interessanter Weise interessiert es aber kaum. Und daher kommt das nicht, wie bei längst verjährten kirchlichen Fällen, auf die Titelseiten.

Es ist mehr als offensichtlich, dass es bei diesen Berichterstattungen nicht um die Opfer, sondern ums Kirchenbashing geht.

I.Ü. hat sich Häupl monatelang Zeit gelassen. Die angeblich so schwerfällige Kirche hat dagegen wesentlich schneller reagiert.

Ahenobarbus
02
25.8.2010, 14:38

Es hängt wohl eher mit der Art der Berichterstattung zusammen, dass sie diesen Eindruck haben. Über Missbrauchsfälle in Ö die in weltlichen Institutionen begannen wurden, wird um einiges sachlicher berichtet. Auch das Ausmaß der Berichterstattung ist deutlich reduzierter. Der Standard ist das beste Beispiel: Dieser Bericht ist mehr oder weniger eine Fußnote.

Quasis Herr Karl
02
25.8.2010, 11:14
Eine "Alternative" wäre gewesen, so lange zuzuwarten,

bis das letzte ehemalige Opfer verstorben ist. In D wird seit vier Jahren im höchsten und in höchsten Kreisen herumgeschwafelt ohne,dass sich etwas für die Opfer bewegt. Runde Tische im Bundestag, Kommissionen en mas.... .Tirol und Wien haben gezeigt wie man, so man noch einen Funken Anstand hat, mi diesem tragischen Teil der Geschichte umzugehen hat.

Quasis Herr Karl
00
25.8.2010, 17:39
Nur so zum Beispiel

Quasi druckfrisch

http://www.salzburg.com/online/ti... xt=&mode=&

OÖN, TT, SN berichten, weshalb hier nicht???

er t
02
25.8.2010, 10:26
Und?

Wo sind die Konsequenzen? 5000EUR pro Fall, keine Diskussion über die Strukturen die das zugelassen haben und fertig? Die Kirche hat wenigstens darüber diskutiert wie die Strukturen verbessert werden können. Ganz abgesehen von der drastisch kleineren Fallzahl...

Quasis Herr Karl
01
25.8.2010, 11:18
Diskutieren. Im Septemer wird eine Kommission

ihre Arbeit antreten um aufzuarbeiten wie es möglich war was geschehen ist, und wie man solches in Zukunft verhindern kann. Das ist das eine.
Das andere ist, dass man "Heime" von heute z.B. nicht mehr mit jenen Kindergulags vergleichen kann in denen ich und abertausend andere eingesperrt und in jeder Form missbraucht wurden. Traurig genug bleibt es so oder so für jene Kinder,die nicht in einer funktionierenden Familie aufwachsen.

super cat
00
25.8.2010, 10:34

Das stimmt nicht.
Inzwischen ist in den Heimen die noch existieren umstrukturiert worden und eine Historikerkommission arbeitet auf.
Steht alles im Text...

PETER METHER
321
25.8.2010, 07:36

In Kinderheimen der Gemeinde Wien sind ungefähr so viele Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden, wie sie der gesamtösterreichischen(!) Missbrauchskommission der katholischen Kirche gemeldet worden sind. Und wie berichtet etwa der ORF darüber? Täusche ich mich total oder wurde den gemeindeeigenen Missbrauchsfällen nicht einmal ein Bruchteil jener Sendezeit gewidmet, mit der die kirchlichen Fälle dramatisch aufbereitet worden sind?
(c) Unterberger

triturus trit
01
25.8.2010, 13:20
...der Gemeinde Wien sind ungefähr so viele Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden, wie sie der gesamtösterreichischen Missbrauchskommission der katholischen Kirche...

Bruchteil von Sendezeit ist wohl richtig.
Allerdings täuschst Dich in der Zahl. Die Zahl der Mißbrauchsopfer durch die Kirche ist weit höher, als Du Dir vorstellen kannst. Trotzdem schweigen die meisten.
Über das "warum" Ich könnte Dir einige Stunden vortragen, erkären und erzählen, denn die Gründe sind vielfältig.
Empfehlung: Nicht den Bettel "Entschädigung" akzeptieren, sondern hinsetzen, nachdenken, aufschreiben. Geschehnisse möglichst genau datieren. Namentlich zuordnen, denn man vergißt und verdrängt - wenn möglich - zu schnell.
Und irgendwann (ev. gemeinsam mit anderen Opfern) in Buchform herausgeben. DAS tut den Tätern weh.

Auch ich war in einem r.k. Internat und ich sammle schon lange. Reicht langsam für einige Bände.

Quasis Herr Karl
00
25.8.2010, 17:43
Dann schreiben Sie Ihr Buch bald.

Opfer und Täter werden immer älter.

Chocoholic
13
25.8.2010, 09:29
Dafür hat sich Herr Häupl SOFORT öffentlich dafüer entschuldigt.

Quasis Herr Karl
05
25.8.2010, 08:32
Sie täuschen sich keineswegs.

Saskijan
03
25.8.2010, 08:26
Das hat System...

@Peter Mether

Denn es könnten sich ja noch mehr Opfer melden und dass will der Staat nicht! Fehler eingestehen ist nicht des Staates Handwerk! Sie haben heute noch Fürsorgegesetze von 1955 d. h. 1 Mal im Jahr werden die Heime kontrolliert! Nur wenn Beschwerden durch Erwachsene gemeldet werden geht man dem nach und schützt den Ruf der Einrichtung! Kinder lügen ist nach wie vor noch aktuell bei Fürsorge und allen Vereinen die "Kinderschutz" auf ihren Fahnen haben!
Schäbig der Umgang mit Opfern von weltlichen Heimen!
INFORMATION & AUFKLÄRRUNG
www.gegensexuellegewalt.at

Gerhard Müller
51
25.8.2010, 07:47
Was möchtest Du damit sagen?

Wenn man noch die Mißbrauchsfälle der Katholischen Kirche wegleugnet und weiterhin deren Aufklärung der Klasnic überlässt, dann wird sich herausstellen, dass eigentlich die Katholen nur mehr die Guten sind?

Ja, das kennen wir schon sehr lange von der katholischen Kirche. Verleugnen, verleumden und dann die Opfer zu Täter machen.

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