Ozon macht den Roggen reizend

24. August 2010, 19:36
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Forscher der Med-Uni Wien und des AIT zeigen Zusammenhang von Umweltbelastung und Zunahme von Allergien

In höheren Luftschichten schützt uns Ozon vor schädlicher UV-Strahlung. Am Boden, wo es durch andere Luftschadstoffe und Sonnenlicht entsteht, ist es weniger gesund: An Sommertagen kann es bei höheren Ozonkonzentrationen zu Beeinträchtigungen der Lungenfunktion sowie möglicherweise zu vorzeitigen Todesfällen kommen. Auch bei Pflanzen führen höhere Ozonkonzentrationen zu Schädigungen.

Nun konnten österreichische Forscher noch eine weitere negative Folge der sommerlichen Ozonbelastung zeigen: Wie das Team um den Immunologen Rudolf Valenta in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journal of Allergy and Clinical Immunology berichtet, kann mehr Ozon auch den Gehalt an Allergenen in Pollen steigern. Damit deutet sich ein Zusammenhang zwischen aktuellen Umweltproblemen und der Zunahme von Allergien an.

Erhöhte Ozonwerte ...

Die Forscher der Medizinischen Universität Wien und des Austrian Institute of Technology (AIT) ließen für die Untersuchungen zwei verschiedene Sorten von Roggenpflanzen unter kontrollierten Umweltbedingungen wachsen. Dabei wurde für eine Gruppe der Pflanzen die Ozonkonzentration der Luft zeitweise auf 79 parts per billion (ppb) erhöht. Dieser Wert liegt mehr als das Dreifache höher als die normale Ozonkonzentration in Bodennähe und entspricht damit den Spitzenwerten, die an heißen Tagen in Wien auftreten.

Nach der Ernte der Pollen zeigte sich in dieser vom FWF unterstützten Studie ein eindeutiges Ergebnis: "In den Pollen beider Roggensorten konnten wir zunächst zeigen, dass die Ozonbelastung einen deutlichen Anstieg des Proteingehalts zur Folge hatte", so Valenta. "Weitere Analysen zeigten, dass zu diesem Anstieg gerade auch Allergene der sogenannten Klassen 1, 5 und 6 sowie von Profilin beitragen. Und auch in der zweiten Roggensorte war bei Pollenreifung unter erhöhter Ozonkonzentration die Menge der Gruppe-1-Allergene und von Profilin stark angestiegen."

Mehr Allergen bedeutet allerdings nicht notwendigerweise mehr Allergien: Potenzielle Allergene werden vom Immunsystem nicht immer also solche erkannt und damit dann auch keine Allergie-Auslöser.

Doch ein weiteres Experiment brachte auch in diesem Punkt Gewissheit: Proteinextrakte der beiden Roggenpflanzen wurden mit IgE-Antikörpern von allergischen Patienten inkubiert. Dabei zeigte sich rasch, dass die Proteinextrakte der ozongestressten Pflanzen stärker mit den - für die Entstehung von Allergien relevanten - IgE-Antikörpern reagieren als die der Kontrollpflanzen und somit allergener sind.

... führen zu mehr Allergenen

Da die im Roggen untersuchten Hauptallergene strukturell ganz ähnlich den Allergenen in anderen Gräsern und Getreiden sind, könne man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Beobachtungen für Roggen für alle Gräser und Getreide Allgemeingültigkeit haben werden, so Valenta.

Und das wiederum bedeutet, dass Umweltproblematiken wie der steigende Ozongehalt der Bodenluft mitverantwortlich sein können für die in den letzten Jahren immer weiter steigende Zahl an Allergieerkrankungen in unserer Gesellschaft. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25.08.2010)

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    Steigt die Ozonbelastung, reagiert auch der Roggen: Er produziert mehr Allergene. Diese Reaktion dürfte auch für die meisten anderen Getreidesorten und Gräser gelten.

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