Staatliche Steuerungsschwierigkeiten

24. August 2010, 19:20
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Ein neuer Sammelband analysiert Fallbeispiele österreichischer Forschungspolitik

Überschriften und Titel mit einem Fragezeichen am Ende sind nach einem ungeschriebenen Gesetz der Publizistik nach Möglichkeit zu vermeiden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, und so eine Ausnahme liegt auch im Fall des Sammelbands Steuerung von Wissenschaft? vor, der dieser Tage am Europäischen Forum Alpbach vorgestellt wird.

Eigentlich hätte bei den Technologiegesprächen im Tiroler Bergdorf die nationale Forschungsstrategie präsentiert werden sollen. Doch die ist im Zuge der Budgetverzögerungen erst einmal verschoben worden. Und so erhält das Fragezeichen am Cover dieser Aufsatzsammlung über die "Governance des österreichischen Innovationssystems" sogar noch eine aktuell-ironische Note.

Dass in den letzten Jahren die staatliche Lenkbarkeit von Wissenschaft eher ab- als zugenommen hat, ist im Übrigen nicht nur ein Spezifikum dieses speziellen Politikfelds. Quasi als Reaktion auf die neuen Steuerungsschwierigkeiten des Staates hat sich in der Politikwissenschaft der Begriff "Governance" etabliert, mit dem ganz allgemein und eher unscharf politische Lenkungsformen bezeichnet werden.

Heterogene Fallstudien 

Die Beiträge des Sammelbands sind Fallstudien zu allen möglichen Spezialbereichen der heimischen Wissenschaft und ihrer versuchten politischen Lenkung. So umfasst die etwas heterogen geratene Kompilation eine Geschichte der Selbststeuerung des Wissenschaftsfonds FWF (Christof Aicher) ebenso wie eine Analyse der hiesigen Regulierung biomedizinischer Forschung (Erich Grießler).

Ein besonderer Schwerpunkt des vom IHS-Forscher Peter Biegelbauer herausgegebenen Bands liegt auf den Sozialwissenschaften, mit je einem Beitrag über die Geschichte der Politikwissenschaft (Thomas König) und der Soziologie. In Letzterem räumt Christian Fleck übrigens en passant mit einem nationalen Alpbach-Mythos auf: Ohne die damalige Unterstützung der Rockefeller-Stiftung würde es das Forum heute wohl nicht mehr geben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25.08.2010)

  • Peter Biegelbauer (Hg.), "Steuerung von Wissenschaft?" Studien-Verlag, 336 S., € 38,90.

    Peter Biegelbauer (Hg.), "Steuerung von Wissenschaft?" Studien-Verlag, 336 S., € 38,90.

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