Ölrausch im wilden Norden

24. August 2010, 18:28
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Grönland könnte eine Art frostiges Ölemirat des 21. Jahrhunderts werden - von Alexander Fanta

Einst konnte ein einzelner Glückssucher mit nichts als Hoffnung im Bauch und einem Pickel im Gepäck nach Kalifornien oder Alaska ziehen, um dort nach Gold zu graben. Im wilden Norden spielt's das nicht: Wer künftig in der ölreichen Arktis mitspielen will, braucht gehörige Ressourcen und Know-how für den schwierigen Abbau unter dem Eis. Langfristig profitieren werden vor allem Großkonzerne und die Staaten, unter deren Packeis-Ländereien Öl und Gas gefunden werden.

Für die Arktis-Anrainer, allen voran die Großmacht USA, könnten die Rohstoffe in Zukunft eine strategische Absicherung vor etwaigen politischen Turbulenzen in großen Ölförderländern wie Irak und Venezuela bedeuten.

Die stark rohstofflastige russische Wirtschaft kann zudem jede neue Ressourcenquelle gebrauchen. Grönland, das sich ohnehin schon lange die Unabhängigkeit von der Quasi-Kolonialmacht Dänemark wünscht, könnte eine Art frostiges Ölemirat des 21. Jahrhunderts werden.

Die Frage nach dem Schutz der sensiblen Ökosphäre der Polarregion und etwaigen Bedenken wegen des Klimawandels braucht man sich nun gar nicht mehr zu stellen. "Drill, baby, drill" , lautete das Motto der Republikaner im letzten US-Wahlkampf. Es könnte das Leitmotiv für die Erschließung des arktischen Öls werden. Trotz aller Reden über die Gefahren der globalen Erwärmung ist die Zeit der fossilen Brennstoffe noch längst nicht vorbei. (Alexander Fanta /DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2010)

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