Rettung erst zu Weihnachten - Arbeiter wissen noch nichts davon

25. August 2010, 09:22
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Eingeschlossene Bergleute erhalten Nahrung, Wasser und Medikamente durch Schlauch

Copiapo - Alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch und ein halbes Glas Milch: Seit mehr als zwei Wochen hielten sich die in Chile verschütteten Bergleute nur mit dem Nötigsten am Leben - nun haben die in knapp 700 Metern Tiefe eingeschlossenen Kumpel zum ersten Mal frisches Wasser, Nahrung und Medikamente erhalten. Dass ihre Rettung bis Weihnachten dauern könnte, teilten die Einsatzkräfte ihnen am Dienstag vorerst nicht mit.

"Sie werden nicht alleingelassen, und sie wurden nicht eine Sekunde alleingelassen", versicherte Staatschef Sebastian Pinera einem verschütteten Arbeiter über Funktelefon. "Die Regierung ist bei Ihnen. Das ganze Land ist bei Ihnen und ich möchte Ihnen versichern, dass Ihre Familien begleitet und unterstützt werden." Das Fernsehen zeigte Ausschnitte aus dem Telefonat.

Die Verschütteten wissen weiterhin nicht, dass die für eine Rettung notwendige Bohrung eines neuen Schachts voraussichtlich drei bis vier Monate dauern wird. Dies sei ihnen noch nicht mitgeteilt worden, sagte Gesundheitsminister Jaime Manalich. "Aber aus unseren Gesprächen kann man schließen, dass die Bergleute verstehen, dass es lange dauern wird."

Vorräte über einen Schlauch

Über einen Schlauch wurden bereits am Montag erste Vorräte in die Tiefe geschickt, wo die Bergleute bei relativ guter gesundheitlicher Verfassung auf ihre Rettung warten. Als Nahrung erhielten sie zunächst eine Glukoselösung sowie Medikamente, die Magengeschwüre verhindern sollen. Erst in den kommenden Tagen sollen die Verschütteten dann wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Gesundheitsminister Jaime Manalich sagte, dass dafür ein kalorienreiches Joghurt-Getränk, das speziell für Astronauten entwickelt wurde, zu den Bergleuten hinabgelassen werden soll.

Kontakt mit Funktelefon

Dank eines Funktelefons konnten die eingeschlossenen Bergleute den Helfern und Regierungsvertretern an Ort und Stelle von ihrer strikt reglementierten Überlebensstrategie der vergangenen Tage berichten: Im Abstand von 48 Stunden gestatteten sich die Männer jeweils zwei Esslöffel Thunfisch und ein halbes Glas Milch, wie Isabel Allende, die Senatorin für die Nord-Region, in der die Mine liegt, sagte.

Nach Angaben von Bergbauminister Laurence Golborne tranken die Kumpel zudem das Wasser, das von den Höhlenwänden lief. Die Männer hätten nach Nahrung und Zahnbürsten verlangt, sagte der Minister. Außerdem nach etwas für ihre Augen, die unter dem Staub leiden. Das chilenische Fernsehen zeigte am Montagabend Bilder von Golborne und den Rettungskräften, die um einen Telefonhörer herumstehend mit den Verschütteten sprachen.

Verschüttete sangen "Chi-chi-chi Le-le-le"

"Herr Minister, es geht uns allen gut", sagte einer der Bergleute, der sich als "Luis Urzua, Schichtleiter" vorstellte. Der Arbeiter fragte den Minister nach dem Schicksal der Kollegen, die zum Zeitpunkt des Einsturzes der Mine auf dem Weg nach draußen waren. "Alle sind unversehrt herausgekommen", sagte Golborne. "Es gab keine Opfer." Die Verschütteten reagierten auf die Nachricht mit lautstarkem Jubel und riefen den bei Sportveranstaltungen üblichen Schlachtruf "Chi-chi-chi Le-le-le" und stimmten die Nationalhymne ein.

Die Bergarbeiter harren seit dem 5. August in knapp 700 Metern Tiefe unter Tage aus. Damals stürzte die kleine Gold- und Kupfermine San Jose am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, etwa 850 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, ein. Am Sonntag schickten die Verschütteten über eine heruntergelassene Sonde zwei kleine Briefe als erstes Lebenszeichen an die Außenwelt und lösten damit einen landesweiten Freudentaumel aus.

Rettungsschacht erst in Monaten fertig

Die Rettungskräfte planen, zunächst einen rund 33 Zentimeter breiten Schacht zu den Verschütteten zu bohren, der dann auf 66 Zentimeter erweitert werden soll. Durch diese Öffnung sollen die Bergarbeiter dann an die Oberfläche geholt werden. Die Bohrung des Schachts dauert Schätzungen zufolge allerdings drei bis vier Monate. Der mit der Leitung der Arbeiten betraute Chefingenieur Andres Sougarret sagte am Dienstag, dass er die auf Rettung wartenden Kumpel noch nicht davon in Kenntnis gesetzt habe, dass es bis Weihnachten dauern könnte, bis sie wieder das Tageslicht sehen. (APA)

  • 33 Bergarbeiter harren seit dem 5. August in knapp 700 Metern Tiefe aus

    33 Bergarbeiter harren seit dem 5. August in knapp 700 Metern Tiefe aus

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    Erstmals gelang es dank eines Funktelefons, Kontakt mit den Verschütteten aufzunehmen

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    Die Verschütteten werden mit verschiedenen Medikamenten versorgt

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    Angehörige kommen täglich zur Mine

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