Anonymes Handeln

"Dark Pools" - die dunkle Seite der Macht

Sigrid Schamall, 25. August 2010, 07:00

Über eine Geheim-Plattform können Käufer und Verkäufer große Wertpapier-Pakete handeln, an Nachfrage mangelt es nicht

Eine der Lehren aus der Finanzkrise liegt auf der Hand: Viele Staaten wollen die weltweiten Finanzgeschäfte transparenter gestalten. Doch was sich in den USA bereits Anfang der 1990er-Jahre durchsetzte (mittlerweile aber von der US-Börsenaufsicht SEC kritisch beobachtet wird) und in Europa auf fruchtbaren Boden fiel, findet nun auch vermehrt seinen Weg nach Asien. Gemeint sind so genannte "Dark Pools" und alternative Handelsplattformen (MTFs), Geheim-Plattformen für den Börsenhandel. Dabei werden Wertpapier-Transaktionen an traditionellen Börsen vorbei vollautomatisch und quasi im Dunkeln abgewickelt.

Turquoise (mehrheitlich im Besitz der London Stock Exchange) ist weltweit die größte, gefolgt von der ebenfalls in London ansässigen Chi-X. Letztere wird aktuell von einem mysteriösen Übernahme-Interessenten umworben. Jüngst gab die Deutsche Bank bekannt, einen "Dark Pool" in Hongkong zu starten. Singapur und Japan stehen bereits auf der Wunschliste.

Anonymität, Intransparenz

Doch wie wollen "Dark Pools" die Börsen das Fürchten lehren? "Gerade in Asien gibt es von den ansässigen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, also allen institutionellen Anlegern (Retail-Kunden sind ausgeschlossen, Anm.), die in Aktien handeln, eine steigende Nachfrage nach diesen Dienstleistungen", begründet Frank Hartmann, ein Sprecher der Deutsche Bank, gegenüber derStandard.at das Erfolgsgeheimnis. Neben Schnelligkeit und Anonymität spielten die Kosten einen wesentlichen Beitrag für den Vormarsch der "Dark Pools". "Während in Europa die impliziten Transaktionskosten bei ein paar Eurocent liegen, liegen die Spannen zwischen unterschiedlichen Kursen für eine Aktie in Asien deutlich weiter auseinander."

Damit trifft Hartmann den Nerv der Großinvestoren. Kosten spielten bei jeder Handelsstrategie eine entscheidende Rolle. Eher unwesentlich dabei seien die expliziten Transaktionskosten (wie Gebühren), vielmehr kämen die erwähnten impliziten Transaktionskosten zum Tragen. Diese entstehen, wenn ein Anleger durch seine Transaktion den Marktpreis zu seinem Nachteil verändert: Je nach Liquidität des Wertpapiers und je nach Transaktionsgröße können die impliziten Transaktionskosten beträchtlich steigen. Hartmann schließt daran an: "'Dark Pools' gewährleisten dem Marktteilnehmer nicht nur vollständige Anonymität - ein weiterer Vorteil liegt darin, dass keine Preisbewegungen verursacht werden." Eine Order wird erst dann ausgeführt, sobald ein Käufer die gleiche Zahl an Aktien zum gleichen Preis durch eine anonyme Kauforder sucht.

Die Nutzung der "Dark Pools" erfolgt im Wesentlichen auf zwei Arten. Beispiel eins: Eine Order soll versteckt werden, schlicht, um durch ihr Auftauchen Unruhe im Markt zu vermeiden. Oder der Anleger möchte eine besonders große Order veräußern. In einem "Dark Pool" kann er damit rechnen, dass diese gefunden wird. Beispiel zwei: Der Investor kann große Wertpapierpakete in viele kleine stückeln, die dann von elektronischen Handelssystemen aufgespürt werden.

Mehr Dunkelheit, mehr Risiko

Im Unterschied zu geregelten Märkten erfüllen "Dark Pools" kaum bis keine Transparenz-Anforderungen. Kaum verwunderlich, dass sie in heimischen Händlerkreisen auf wenig Gegenliebe stoßen: Nomen est omen - "Dunkelheit" führe zu mehr Risiko. Außerdem entzögen die "Dark Pools" den Börsen Liquidität und schafften keinen zusätzlichen Wert. Für Österreich würde diese Handelsplattform ohnehin keine Rolle spielen - der Markt dafür sei einfach zu klein.

Auch an der Wiener Börse ist man mehr als skeptisch. Pressesprecherin Beatrix Exinger zu derStandard.at: "Österreichische Aktien sind nicht auf dem Radar der 'Dark Pools', MTFs unterliegen außerdem keinen Regulierungen, das widerspricht dem österreichischen Börsengesetz." Detail am Rande: "Allerdings müssen Unternehmen nicht zustimmen, wenn ihre Aktien an MTFs gehandelt werden." Der Handel mit österreichischen Aktien an MTFs stieg in den letzten Monaten laut Exinger um neun Prozent. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 25.8.2010)

Kommentar posten
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risi ko
21
26.8.2010, 08:21

es ist schon so nervig .. dieses herunterspielen von vorgängen auf den finanzmärkten auf angeblich "einfache banale beispiele", die dann rechtfertigen sollen, dass millionen von geldern an der öffentlichkeit vorbei zu spekulationen verwenden, die die reale wirtschaft schädigen und nur zur weiteren umverteilung von unten nach oben verwendet werden.

tatsächlich ist das ganze keineswegs einfach und banal .. diese beispiele alá "bauer a geht zu bauer b ..." halte ich für eine vernebelungstaktik

Avalancha
11
26.8.2010, 09:01

Viele Anschuldigungen, keinerlei argumentative Basis.

Avalancha
21
25.8.2010, 20:51

Ist auch nichts anderes als Person A verkauft am Wirtshaustisch 100 Microsoft Aktien an Person B und bittet den Bankberater um Umbuchung von Depot A auf Depot B.

Halt im grossen Stil.

Nichts verwerfliches.

Gegenflieger
00
27.8.2010, 17:38

Wenn es nicht verwerflich ist . wieso dann im geheimen?

Avalancha
00
27.8.2010, 18:08

zB weil man keine unnötigen börsenkommissionen zahlen will

und nicht jeder sehen muss, dass einer eine grosse Stkzahl an Aktien an Firma XY verkaufen will.

usw.

x x5
13
25.8.2010, 22:19

stimmt.

aber andererseits es heisst 'dark pool' und links oben ist das foto eines gefährlich dreinschauenden mützenmannes.

ergo muss es gefährlich sein :-)

in der Tat
00
25.8.2010, 20:50
Da hat uns der Aktienmarkt so viel Wohlstand gebracht, und jetzt das:

"Außerdem entzögen die "Dark Pools" den Börsen Liquidität und schafften keinen zusätzlichen Wert."

SKANDAL! Die setzen tatsächlich den Ruf unseres Finanzsystems aufs Spiel.

Solche Nestbeschmutzer. Da hebt's mir doch glatt das Toupet so zornig bin ich!

teukros
01
25.8.2010, 18:23
Das wär doch was für die

Transparenzdatenbank. Ich weiß jetzt schon, welche Partei da was dagegen haben wird...

Blade II
00
25.8.2010, 19:07

nur jene, die sich selber nicht ans Licht trauen

http://www.youtube.com/watch?v=a... mx0dBXkw4&

Blede Funzn
02
25.8.2010, 18:00
Im Unterschied zu geregelten Märkten erfüllen "Dark Pools" kaum bis keine Transparenz-Anforderungen.

Und damit ist schon alles gesagt!

Verbieten!

Tretmine
00
25.8.2010, 17:37

Von den Bürgern wird verlangt das mehr Transparenz kommt, und das man sie auch besser überwacht, und die Herren im Nadelstreif machen Ihre dunkle Geschäfte

Kein Wunder das die sich vor Bomben schützen müssen

Seimon
16
25.8.2010, 17:36
Wo ist der "Meister" der zurückkommt und ruft:

»In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.«

Dieses Casino muss weg! Und damit mein ich nicht nur die dark pools...

Fritz Wunderlich
01
25.8.2010, 16:34

außerbörslicher handel und interbankenhandel gelten nicht als dark pools?
:)

Boots Mann
00
25.8.2010, 17:40
neeeiin, wo kämen wir dahin,? Wo wir doch wissen das Banken- ausschliesslich - im seriös-lauteren Bereich agieren?

BankenBashing ist immer "in".

Nitram1988
00
25.8.2010, 15:55
Mehr Anonymität ist viel eh gut für den Markt.

Da Hedge- und Pensionsfonds zu viel Geld haben um noch vernünftig handeln zu können, könnte man mit mehr Anonymität vielleicht die Kursschwankungen minimieren.

Wenn z.B. die Fond X um 50Mio Euro Aktien verkauft werden 10 Fonds nachziehen und es weren 500Mio auf den Markt geworfen. Der Kurs fällt bis Fond Y kauf und dann ziehen wieder alle mit.

Der Markt ist instabil und davon hat keiner was.

Der große Mann
10
25.8.2010, 15:44

Endlich einmal ein Artikel, der dezitiert gegen die viele Pfuscherei der bildungsfernen Linken vorgeht!
Es kann einfach nicht angehen, dass sich da manche an Sozialversicherung und Finanzamt vorbei eine goldene Nase verdienen!

Dieses "dark" Arbeiten muss sofort abgestellt werden.

Sturmwind
00
25.8.2010, 15:37
Also, dass es neben staatlich kontrollierte Casinos

auch Hinterhof-Stoßspieler gibt, sollte nicht verwundern

FFluXXuSS
00
25.8.2010, 15:35
Wenn das bedeutet, das die KRONE Leser keine Börseberichte vorgesetzt bekommen OK!

Sollen sich halt nur mehr dunkle Mächte wechselweise an dunklen Orten "ausgreifen"!

dajonny
212
25.8.2010, 14:49

Weg mit den Aktien - ist doch sowieso nur eine Spielwiese einiger weniger...

José Atento
00
25.8.2010, 22:38
Also weg mit allen Arten von Kapitalgesellschaften,

oder wie?

NUR mehr Fremdkapital nutzen ?
Schon heute ist der Eigenkapitalanteil oft viel zu gering.

dajonny
00
26.8.2010, 13:30

Das Ganze System gehört umgeändert, so wie es jetzt ist können einige wenige so ziemlich alles tun was sie wollen, auslöffeln muss es trotzdem die Masse der Bevölkerung...

Bertrand
10
25.8.2010, 21:17
Also derartige unreflektierte, naive Äußerungen

kannst du dir wirklich sparen.

dajonny
10
26.8.2010, 13:29

Was heißt naive Äußerungen? Das ganze System stinkt - Aktien mögen ihr gutes haben, nur so wie es jetzt ist, gibt es eher mehr Nachteile als Vorteile, was bringen Aktien der Allgemeinheit? Wegen jeden Shice schwanken sofort die Kurse und uns werden wieder Teuerungen als notwendiges Übel erklärt - Firmen werden feindlich durch Aktien übernommen, ohne dass die was machen können, Spekulanten treiben durch Aktien absichtlich die Preise in die Höhe, usw.

Erklären sie mir bitte die Vorteile - auch für den Normalbürger...

one man can make a difference
00
27.8.2010, 19:10
nochmal ...

... ohne aktien/eigenkapital können sich unternehmen nur viel schwieriger finanzieren. darunter würde die realwirtschaft langfristig deutlich leiden.

hochgefährlich sind:
- banken, die via kreditvergabe geld schöpfen können, ohne einer regulierung unterworfen zu sein
- kredite, die nicht zurückgezahlt werden, da an jeden beliebigen schuldner ohne ordentliche bonität vergeben
- kreditderivate (genau die haben die krise erst so explosiv gemacht)
- auch jede menge anderer derivate,
- und dann gibt's noch jede menge anderer spielinstrumente ohne sinn, zB zertifikate
- viele unregulierte märkte etc.

man kann genug finanzinstrumente verbieten und es gäbe genug zu regulieren, und das alles soll man auch. ein verbot von aktien ist aber sinnlos!

one man can make a difference
00
25.8.2010, 20:02
Aktien zu verbieten wäre in Ö schon möglich, ist aber insgesamt eher der falsche Weg ...

denn dann finden Investitionen in hochriskante Zukunftsbranchen nicht mehr so leicht statt (sind über Bankkredite nämlich nur selten finanzierbar). Damit würde man der Realwirtschaft deutlich schaden. In Deutschland zB würden ganze sektoren ziemlich leiden (High-tech, Bio-tech, Solar, usw.)
---
Man könnte Zertifikate, alle Produkte auf irgendwelche Indizes und sehr viele Derivate völlig bedenkenlos streichen.

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