PlayStation Move könnte die Maus der Spielkonsolen werden

26. August 2010, 12:45
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Hohe Präzision öffnet viele Türen - Von Schreibanwendungen bis zu Strategiespielen

Strategiespiele auf der Konsole waren bislang immer eine halbgare Angelegenheit. Entweder war die Steuerung mit dem Gamepad wurde zu lasten der Funktionalität einprägsam umgesetzt oder die hoch gehaltene Funkitionalität ging auf Kosten der Spielbarkeit. Und mit Maus und Tastatur auf dem Wohnzimmertisch spielen, klingt auch nicht gerade verlockend. Sonys Mitte September in den Handel kommender Motion-Controller "PlayStation Move" könnte zum ersten Mal seit der Erfindung der Spielkonsole alle Eigenschaften mit sich bringen, die den Traum von unbeschnittenen Strategiespielen und anderen feinmotorischen Anwendungen auf dem Fernseher möglich machen.

Besser als mit Maus und Tastatur?

Eines der ersten Beispiele hierfür ist Ubisofts kommender Echtzeitstragie-Titel "RUSE" (PC, PS3, Xbox 360; September). In einem Interview mit Eurogamer meint Produzent Mathieu Girard, dass sich das Spiel mit Move auf der Spielkonsole ebenso gut bedienen lasse, wie auf dem PC mit der Maus. Die hohe Präzision und die kurze Reaktionszeit erlauben es, dass der Spieler mit sehr kleinen Bewegungen effizient über den Bildschirm navigieren kann. Der PC verfüge mit Maus und Tastatur zwar weiterhin über die einen Tick feinere Steuerung (nicht zuletzt aufgrund von Tastatur-Shortcuts), doch insgesamt sei das Erlebnis sogar besser als auf dem PC. "Ich denke, es ist besser als auf dem PC mit Maus und Tastatur, weil man auf der Couch entspannt spielen kann und man nicht so nahe am Screen sitzen und keine aufwändigen Bewegungen machen muss", Girard. 

Diesen Eindruck bestätigte Anfang August auch der Branchenblog Kotaku, der in seinem Vorabtest zu RUSE die Move-Steuerung besonders positiv hervorhob. "Nach dem ich den Computergegner zu einem Unentschieden gebracht habe, fand ich, dass das Move-Controller-Set-up sich fast genauso natürlich angefühlt hat, wie Maus und Tatstatur. Was am besten funktionierte, war es Move als Maus-artiges Interface zu verwenden. Etwas, dass der (Move-)Controller scheinbar sogar noch besser hinbekommt", schreibt Kotaku-Chefredakteur Brian Crecente.   

Entspannte Feinmotorik

Die Grundlage für die feine Steuerung bereitet die dreidimensionale und Millimeter genaue Abtastung des Leuchtballes des Move-Controllers durch die Eye-Kamera. Die Bewegungserfassung wird überdies durch drei weitere Sensoren (Beschleunigung, Rotation, Lage) im Inneren des Controllers ergänzt. Damit können in Spielen und auch anderen Anwendungen die Bewegungen des Spielers eins zu eins umgesetzt werden. Was im Vergleich mit bestehenden Motion-Controllern wie Nintendos Wiimote (inklusive MotionPlus) nicht nach einem großen Unterschied aussieht, bringt Move mit der gesteigerten Genauigkeit und der räumlichen Lokalisierung den entscheidenden Vorteil, um motorisch komplexere Aufgabenstellungen lösen zu können. Ein Beispiel hierfür ist etwa der Jenga-Klon "Tumble", bei dem Spieler Bauklötze aufgreifen und exakt zu einem Turm stapeln müssen. Es klingt nach nicht viel, aber tatsächlich wird der komplette Bewegungsablauf der Hand - vom Aufgreifen, Drehen des Bausteins bis hin zur vorsichtigen Platzierung - in Echtzeit ins Spiel übersetzt. Dabei übertrifft Move sogar die Möglichkeiten der Maus, deren Bewegungen nicht dreidimensional erfasst werden. Move hat aber auch ergonomisch gesehen einen großen Vorteil: Wer schon einmal versucht hat, mit der Maus zu schreiben, weiß wie schwer es ist, ein sauberes Schriftbild hinzubekommen. Move hingegen kann praktisch wie ein Stift aufgegriffen und auf natürliche Weise zum Schreiben und Zeichnen verwendet werden. Die feinen Details machen sich auch in traditionelleren Games wie Sport und Actionspielen bemerkbar. So kann man den Shooter "Resident Evil 5: Gold Edition" etwa wesentlich genauer mit Move, als mit dem Gamepad spielen. Beim Tischtennisspiel von "Sports Champions" wird sogar eine wirklichkeitsnahe Spielweise realisiert. Gleiches gilt für die bislang getesteten Schwert- und Kampfsportspiele.


(Video: Trailer zum Zeichenspiel "Beat Sketcher")

Einfache Implementierung

Wie aus Girards Worten hervorgeht, dürfte es für Entwickler kein größeres Problem darstellen, die Move-Steuerung in Spiele zu integrieren. Bei RUSE habe man vor gerade einmal fünf Wochen mit der Umsetzung begonnen und befände sich bereits in der Abschlussphase. "Die Move-Integration erfolgte sehr schnell. Deutlich schneller als wir es uns erwartet haben, wenn man es beispielsweise mit der Arbeit auf der Wii vergleicht." Hilfreich sei hierbei auch, dass sich Move kaum auf die Gesamtanforderungen des Spiels auswirke. Laut Sonys eigenen Angaben würde der Arbeitsspeicherbedarf von Move bei lediglich 3 Megabyte liegen, die Berechnung würde von einem der sieben Rechenkerne übernommen.

Potenzial

Wie gut der Motion-Controller der PS3 im Endeffekt bei den Konsumenten ankommen wird, muss sich noch zeigen. Wenngleich die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale zur Wii gering sind, so liegt das Potenzial in der hoch präzisen Technik Moves, die Spielentwicklern scheinbar viele lange verschlossene Türen öffnet. Und wenn die Maus einen Indikator für den Erfolg eines Eingabegerätes und der Stift das Beispiel für ein zeitloses Werkzeug ist, dann weiß man, dass Präzision unter feinmotorischen Wesen wie den Menschen immer nachgefragt wird. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 26.8.2010)

  • Mit PlayStation Move lassen sich motorisch anspruchsvollere Aufgaben wie Zeichnen oder das Stapeln von Bausteinen bewältigen.
    foto: derstandard.at/screenshot

    Mit PlayStation Move lassen sich motorisch anspruchsvollere Aufgaben wie Zeichnen oder das Stapeln von Bausteinen bewältigen.

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    Ubisoft-Produzent über RUSE mit Move-Steuerung: "Ich denke, es ist besser als auf dem PC mit Maus und Tastatur".

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