Esset und trinket in der U-Bahn

24. August 2010, 14:19
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Auch wenn es stinkt, bröselt und gurgelt, lasst Euch die Mahlzeit in den Öffis nicht verderben

Essen in der U-Bahn ist heutzutage etwas Alltägliches. In Zeiten wo man keine Zeit hat, packt der geneigte Fahrgast auch in Straßenbahn und Bus zwischendurch schnell einmal seine Pizzaschnitte aus - und weniger gern beim Ausstieg auch die Reste derselben wieder ein. Auf der Fahrt von A nach B lässt sich auch das Frühstückscroissant trefflich verspeisen, und seit es "Coffee to Go" gibt, muss man auch auf das warme Getränk dazu nicht verzichten. An die Wasserflasche in der Hand der offenbar jederzeit dürstenden Jugendlichen hat man sich mittlerweile ohnedies gewöhnt. Und wer schon bei der Jausenzeit angelangt ist, nimmt das hierzulande gerne als Snack verzehrte saftige Leberkässemmerl zwischen die Zähne.

In Hinblick auf die vielen Mitreisenden, die beengten Verhältnisse und die durchwegs mehr als mangelhaften Manieren des Durchschnittsgastes spricht für den Mahlzeitverzehr in den Öffis außer dem zunehmenden Sättigungsgefühl im Magen der Speisenden auf den ersten Blick wenig. Meist sondern die Mahlzeiten olfaktorische Zumutungen und die Verzehrenden obszöne Geräusche ab: Es stinkt , bröselt, raschelt, gluckert und gurgelt. Gegen den Mahlzeitverzehr in den Öffis sprechen vor allem auch die unvermeidlichen Hinterlassenschaften in Form von fettigen Jausenpapierln, Aludosen oder Pizzarändern. Mit einem Wort: Essen in den Öffis hinterlässt schlechte Luft und unappetitliche Spuren. Nicht zu reden von den Imbissstandln, Snackbars und Wirtn, die solcherart ihrer Gäste verlustig gehen.

Wäre unser Leben also nicht ohnedies von oben bis unten striktest durchreguliert und verordnet, wäre der einzige zulässige Schluss: verbietet es. Angesichts dessen und der all- und überall und vor allem im Osten und noch viel stärker in Asien lauernden Konkurrenz und dem deswegen und wegen sonst gar nichts zunehmenden Druck in der Arbeitswelt kann der gemeine Fahrgast aber nur fordern: Esset und Trinket in der U-Bahn, denn es gilt keine Zeit zu verlieren. (Regina Bruckner, derStandard.at, 24.8.2010)

  • So ein kräftiger Biss in die Jause mundet vielen auch unterwegs ganz vorzüglich.
    foto: epa/rain

    So ein kräftiger Biss in die Jause mundet vielen auch unterwegs ganz vorzüglich.

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