Wien zahlt Entschädigungen an Missbrauchsopfer

24. August 2010 13:58

Beträge orientieren sich an Klasnic-Kommission - Bisher 84 Opfer gemeldet - Häupl bat öffentlich um Entschuldigung

Nach Tirol wird Wien als zweites Bundesland Entschädigungszahlungen an Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in städtischen Heimen oder Privateinrichtungen unter städtischer Aufsichtspflicht leisten. Zudem kommt die Stadt für Therapie- und Beratungskosten der Betroffenen auf, wie Bürgermeister Michael Häupl in seiner wöchentlichen Pressekonferenz versicherte. Laut dem nun vorliegenden Bericht der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft (KJA) haben sich seit März 84 Gewaltopfer gemeldet, 47 davon waren in Heimen der Jugendwohlfahrt untergebracht. Weitere Opfer können sich nach wie vor bei der KJA melden.

"Wir sind uns unserer Verantwortung für die schrecklichen Ereignisse, die einigen Menschen widerfahren sind, bewusst", bat Häupl heute die Betroffenen öffentlich um Entschuldigung. Das Leid sei nicht mehr gut zu machen, man werde aber alles unternehmen, um diesen Personen zu helfen und ihnen und ihrer Geschichte Gehör zu verschaffen, versprach das Stadtoberhaupt.

Abwicklung über Opferverband "Weißer Ring"

Abgewickelt werden sowohl die Geldzahlungen als auch die Koordination der weiteren therapeutischen Betreuung über den Opferverband "Weißer Ring". Was die Höhe der materiellen Entschädigung betrifft, will man sich an der "Klasnic-Kommission" (Opferschutzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz) orientieren. Diese verfügt über ein Stufenmodell, wobei die Untergrenze bei 5.000 Euro liegt und die Summe bei besonders schweren Delikten nach oben hin offen ist. Die Entschädigungszahlungen in Wien werden jedenfalls mit der KJA abgestimmt, so Udo Jesionek, Präsident des Weißen Ringes und Mitglied der Klasnic-Kommission.

"Das wichtigste ist, dass dieses Unrecht nach außen hin anerkannt wird und den Betroffenen eine vorbehaltlose Anlaufstelle zur Verfügung steht", betonte Jesionek. Er lobte zudem, dass die Stadt keine sogenannte Verzichtserklärung verlangt. Das bedeutet, dass die Betroffenen auch nach Erhalt einer Entschädigung noch vor Gericht gehen können. Weiters verwies der Verbandschef darauf, dass Fälle nur dann an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, wenn die Opfer dies auch wünschten. Von den eingegangenen Meldungen in Wien war dies bisher 33 Mal der Fall.

Gewalttaten sollen zwischen '44 und '97 passiert sein

Laut Jugendstadtrat Christian Oxonitsch passierten die bereits bekannten Gewalttaten zwischen 1944 und 1997, die meisten davon in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Wie aus dem Bericht der KJA hervorgeht, sind die meisten der betroffenen Heime bereits geschlossen. Die sechs noch existierenden Einrichtungen - darunter das August Aichhorn Haus, das Europahaus des Kindes oder das Haus Döbling - seien den heute relevanten sozialpädagogischen Standards entsprechend umstrukturiert worden, wurde versichert.

Um die Geschichte der Heimerziehung aufzuarbeiten, wird die Stadt Mitte September eine Historikerkommission einsetzen. Sie folgt damit einer Empfehlung der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Ziel ist es, jene pädagogischen Konzepte und Strukturen zu analysieren, die derartige Misshandlungen ermöglichten und aufrecht erhielten. (APA)

Kommentar posten
18 Postings
Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 17:46
Ist wieder wo eine Würgeschlange ausgekommen

und hat das Forum abgewürgt?!

wero2
24.08.2010 16:57
historikerkommision, gehts Euch noch gut...2.teil

sein sollen...militär oder polizei...verlange ich eine schnelle eingreiftruppe die weltweit alle! aufgreift und zur rechenschaft zieht.

kinder - "seelen" - zerstörer, terror ohne ende, die angst bleibt auch dann - kommt immer wieder zurück - auch wenns mich nicht dawischt haben.

alle! - damit meine ich auch gegebenenfalls, parlamentarier

aber bitte: das was man/Frau - so halt die österfutsis sich bei nichteinsetzung einer kommision dasparen, da könnte auch noch a geld für die untersuchung des abwassers des ö-parlaments auf drogen drinn sein. in rom sollens richtig viele sein, die auch harte sachen - sorry, kein schnapserl ist gemeint- konsumieren.

fragt die kinder - höflich - nett - und unschuldsvermutung - also auch entsprechend den...

onlooker
24.08.2010 20:03
arbeiten sie im parlament? ihre auswürfe dürften darauf

hinweisen, den opfern helfen sie mit ihrem wischwaschi sicher nicht, hängen sie schon lange an der nadel? tut mir leid sie so direkt zu konfrontieren

wero2
24.08.2010 16:24
historikerkommision, gehts Euch noch gut...

arbeitsplätze auch für historiker, in diesen fällen aber, haben die nicht viel verloren.
psychologen und psychiater, menschen die dem anderen dabei helfen damit zu leben, bzw. helfen nicht zum täter zu werden.
"jeder" - damit meine ich, das nicht nur in wiener heimen, oder bei der kat-kirche die täter zu suchen sind. leider sind die überall - christen wie moslem, linke wie recht, usw.
leider suchen sich die "veranlagten" FUTSIS auch oft die entsprechenden jobs.

in meiner wut verlange ich den neubau von gefängnissen und da der überwachungsstaat ja eh genug geld hat um der bettlermafia - ilegale fernseher und Fecter(sorry, wie schreibt mann die) das handwerk zu legen, da österfutsis bei der "sterbenshilfe" von flüchtlingen behilflich sein

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 16:46
Sie haben nicht die allergeringste Ahnung worüber Sie

sich hier ärgern.
Ich schau dann gerne noch einmal vorbei.

Faust 3
24.08.2010 16:57
Wo sind sie denn, die reinen Kirchenbasher?

Sg. Quasis Herr Karl! Gratulation, dass Sie nicht einer sind, der sich nur bei Gewalt- und Missbrauchsfällen im katholisch-klerikalen Milieu zu Wort meldet. Ihnen geht es wirklich um den Kampf gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern im Gegensatz zu denen, die das nur zwecks Kirchenbashing betreiben. Find' ich seriös von Ihnen.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 17:09
Ja, es geht mir ausschließlich um die Verbrechen an

Kindern. Weder gibt es für mich "die" Kirche noch "die" Heime. Ich habe beide Systeme kennen gelernt, es geschahen widerlichste Verbrechen die heutzutage unglaublich klingen mögen. Ob sexuelle Übergiffe oder jahrelange seelische Knechterei, es hat einen Großteil von uns das Leben bis heute schwer gemacht. Und es wird schwer bleiben.

Ramto
24.08.2010 15:33
Die ED-Wie kauft ja auch nicht

in regelmäßignen Abständen die halbe Zeitung um Inserate zu platzieren!

Hans Müller1
 
24.08.2010 14:58
Respekt dass die Stadt Wien diesen Schritt setzt statt wie üblich

alles unter den Tisch zu kehren - mehr als eine Randnotiz in der Medienlandschaft wird's aber nicht werden, ist ja nicht die Kirche

Nackenkissen
24.08.2010 17:34

Am wenigsten daran interessiert, dass außerkirchliche Missbrauchsfälle bekannt und thematisiert werden, sind die Kirchenhasser.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 17:32
In den Anstalten der Länder wurde ebenso

vergewaltigt und geprügelt wie anderswo. Den Wahrheitsbeweis anzutreten wäre nicht mehr, als ein Mausklick.

Mathias
 
24.08.2010 16:11
Wundern?

Bald ist doch Wahltag!

misanthropie
24.08.2010 16:08
bin auch positiv überrascht

allerdings negativ davon, was sich in wiens heimen alles als "pfleger" tarnt..

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 17:57
44-97

Die Entnazifizierung war ohenhin nur eine Schimäre. In meinen Anstaltsjahren 1963-1970 wuselte es dort nur so von solchen Ratten.

kalinka karechta
24.08.2010 15:39

Ist ja nicht sein Geld. Und außerdem stehen Wahlen vor der Tür.

sir osis of liver
 
24.08.2010 19:30
kalinka karechta,

haben sie vielleicht angst davor, wenn gewaltopfer entschädigungen bekommen (die ohnehin ein lächerlicher bettel sind, wenn man dagegen eine kaputte seele oder einen kaputten körper aufrechnet),
dass sie auf irgendeine weise zu kurz kommen könnten?

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.08.2010 16:47
Da war der ÖVP Landeshauptmann von Tirol und Ex-Inneminister

nicht so engstirnig wie Sie es für Häupl darzustellen versuchen.

onlooker
24.08.2010 20:12
dieser kalina fällt des öfteren durch nicht durchdachte

postings auf, trotzdem, muss man den postern erklären um was es eigentlich geht, und häupl hat ein grosses wort verwendet, er gibt den opfern wieder ihre ehre zurück, vor einem jahr war nicht ein ansatz von der heutigen situation erkennbar,
habe auch dem werwolf eine anwort gepostet, ich glaube er arbeitet im parlament und besorgt sich seinen stoff dort, sonst kann man nicht so verrückt posten, harte arbeit bringt früchte, manchesmal

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.