Landesversorger mehrheitlich für Kapitalerhöhung

24. August 2010, 14:01
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Die Verbund-Kapitalaufstockung könnte aber wegen des anhaltenden SPÖ-Widerstands gestorben sein

Wien - Die Mehrzahl der am Verbund beteiligten Landesversorger will bei der geplanten Mega-Kapitalerhöhung des größten heimischen Stromkonzerns mitziehen und auch in der außerordentlichen Hauptversammlung, wo eine 75-Prozent-Zustimmung nötig ist, Ja zur Kapitalmaßnahme sagen. Die SPÖ hatte am Montagabend bei ihrem Nein zu der Maßnahme unter anderem eine fehlende Zustimmung Tirols, Niederösterreichs und Wiens als Verbund-Gesellschafter ins Treffen geführt. Für EVN und Tiwag trifft das nicht zu, lediglich Wien zögert. EVN und Wien halten je 13 Prozent am Verbund, die Tiwag 7,3 Prozent. 51 Prozent gehören der Republik, die mit 510 Mio. Euro den Großteil der 1 Mrd. Euro stemmen müsste.

Für Niederösterreichs EVN erinnerte Firmensprecher Stefan Zach an frühere Aussagen des mit 13 Prozent am Verbund beteiligten Unternehmens, wonach man die Kapitalerhöhung positiv sehe und man sich lediglich einen zeitlichen Abstand zur 200-Mio.-Kapitalerhöhung der EVN selbst wünsche, die ebenfalls im Herbst über die Bühne gehen soll.

Tiwag aus strategischen Gründen dafür

Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer, dessen Unternehmen bei einem Mitziehen 73 Mio. Euro für neue Aktien hinlegen müsste, hat schon im Juli in der "TT" angekündigt, dass der Energieversorger aus strategischen Gründen beim Verbund wohl mitziehen werde. Dies sei auch ihr letzter Informationsstand, sagte eine Sprecherin. Für die Tiroler war das Verbund-Engagement bisher ein gutes Geschäft: Die in den 90er Jahren in mehreren Etappen für insgesamt knapp 60 Mio. Euro gekauften Anteile sind heute rund das Zehnfache wert.

Für die Wien Energie - die samt den Wiener Stadtwerken 13 Prozent am Verbund hält, aber über keinen Aufsichtsrat beim Verbund verfügt - ist auf Basis der vorliegenden Informationen "zur Zeit keine Entscheidung möglich" über ein Ja oder Nein zur Kapitalerhöhung beim Verbund, sagte Pressesprecher Christian Ammer. Man wolle wissen, was konkret mit der einen Milliarde Euro geschehen solle, "in welche Projekte soll das investiert werden, inwiefern haben die Wiener Kunden davon einen Vorteil und wie schauen die Renditen aus". Das Geld solle nicht in Auslandsbeteiligungen des Verbund fließen - etwa in Frankreich, Italien, der Türkei oder Albanien -, vielmehr wünsche man sich eine "heimische Wertschöpfung".

Kapitalerhöhung könnte gestorben sein

Beobachter in der E-Wirtschaft halten es mittlerweile bereits für möglich, dass die geplante Kapitalerhöhung für den Verbund wegen des hinhaltenden Widerstands der SPÖ - Stichwort ÖBB-Junktimierung - ganz "gestorben sein könnte", nicht nur jetzt, sondern auf längere Zeit. Andere geben zu bedenken, dass einige hundert Mio. Euro mehr oder weniger für die ÖBB mittelfristig auch nicht entscheidend seien.

Wie berichtet hat es am Dienstag die Verbund-Kapitalerhöhung nicht auf die Tagesordnung des ersten Ministerrats nach der Sommerpause geschafft. Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) verteidigte vor Beginn das Junktim mit einer Geldspritze für die ÖBB bzw. einem Gesamtkonzept für alle Unternehmen, an denen die Republik Anteile hält. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zeigte dafür wenig Verständnis, verbreitete aber Zuversicht für eine Einigung für kommende Woche. Mitterlehner sagte, er sehe "keinen sachlichen Zusammenhang" zwischen Verbund und den Forderungen zu den ÖBB.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) zeigte nach dem Ministerrat für die Vorgansweise von Bures nur begrenztes Verständnis. Es sei legitim, dass die Infrastrukturministerin bestimmte Vorstellungen für die Bahn habe. Man solle aber nicht Dinge, die inhaltlich nicht im Zusammenhang stünden, durch ein Junktim verknüpfen, so Faymann.

Moser: "Nicht ÖBB gegen Verbund ausspielen"

Grünen-Verkehrssprecherin Gabriela Moser forderte am Dienstag angesichts des koalitionären Gezänks um die Kapitalerhöhung: "Die ÖBB dürfen nicht gegen den Verbund ausgespielt werden." Bures dürfe nicht auf das Niveau von Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) sinken. "Dass sein ÖBB-Bashing unter jeder Kritik ist, steht außer Frage. Aber über den Verbund zur Retourkutsche zu greifen ist keine Lösung", so die Grün-Mandatarin in einer Aussendung.

Für BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner ist "angesichts der sechs Milliarden Euro an Steuergeld, die die ÖBB jährlich verbrennen, der Wunsch nach noch mehr Unterstützung von den Österreichern geradezu frivol". Kritik übte Ebner in einer Aussendung aber auch am Verbund, "der sich das Kapital aufstocken lässt und parallel dazu hohe Dividenden ausschüttet".

Der Verbund-Aktienkurs zeigte sich am Dienstag unbeeindruckt von den politischen Querelen. Zu Mittag lag das Papier mit einem Minus von lediglich 0,12 Prozent auf 28,065 Euro besser als der ATX-Gesamtmarkt, der gegen 13.15 Uhr um 1,19 Prozent tiefer stand. An der Börse ist der Verbund aktuell mit rund 8,6 Mrd. Euro bewertet. (APA)

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