In den Kellern der früheren Gestapo-und SS-Befehlszentralen soll Geschichte mit Händen zu greifen sein
Berlin - Eine der erfolgreichsten
Ausstellungen Berlins ist in neuer Gestalt wieder für das Publikum
geöffnet. An der einstigen Berliner Mauer auf dem früheren Gelände der NS-Terrorzentrale wird die Schau über die Stadt in der
Zeit des Nationalsozialismus an diesem Mittwoch wieder eröffnet. Das langjährige
Provisorium in den Kellerruinen des Prinz Albrecht Palais' hatten seit 1987 mehr
als zwei Millionen Menschen besucht.
Die Ausstellung ergänzt das im Mai eröffnete Dokumentationszentrum
Topographie des Terrors. Auf 77 Tafeln wird Berlin
präsentiert - von Hitlers Machtergreifung 1933 bis zum Ende des Zweiten
Weltkrieges und den Folgen mit der Teilung der Stadt.
"Berlin 1933-1945. Zwischen Propaganda und
Terror" - unter diesem Titel zeichnet die Ausstellung den Weg der Stadt von der
linken Hochburg zur Hauptstadt des Dritten Reichs nach.
Zersplitterte Geschichte
Auch 65 Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft habe es bisher
noch keine Gesamtdarstellung zur Geschichte Berlins der NS-Zeit
gegeben, sagte der Direktor der Dokumentationszentrums, Andreas Nachama. Durch
die Zersplitterung wichtiger Aktenbestände wegen der Teilung der Stadt seien
lange Zeit wichtige Dokumente nicht zugänglich gewesen.
Der Historiker gehörte zu den Gründern der Bürgerinitiative, die 1987 das
Gelände als provisorischen Informationsort erschlossen hatte. In dem Provisorium
im Kellergraben wurde auf Holztafeln das gesamte NS-Terrorsystem dargestellt. Diese Ausstellung ist jetzt
in dem am 8. Mai eröffneten Dokumentationszentrum zu sehen.
"Welthauptstadt Germania"
"Es ist ein Traum, die Wilhelmstraße gehört uns", schrieb der Berliner NSDAP-Gauleiter
Joseph Goebbels am 30. Jänner 1933 in sein Tagebuch. Den Nationalsozialisten war
es gelungen, im "roten" Berlin Fuß zu fassen und
die Stadt zum politischen Zentrum ihrer Herrschaft auszubauen. Hier hatten nicht
nur alle Ministerien ihren Sitz, hier etablierten die Nazis später auch die
wichtigsten Terrorbehörden. In der Reichshauptstadt entstanden auch die Pläne
zur Eroberung eines "Weltreiches": Berlin sollte
zur "Welthauptstadt Germania" ausgebaut werden. (red/APA)