Hokuspokus oder Medizin?

24. August 2010, 15:19
720 Postings

Deutsche Mediziner begegnen homöopathischer Therapie mit Skepsis

Koblenz - Die meisten Ärzte ziehen die Schulmedizin alternativen Heilmethoden vor, meldet der deutsche Online-Pressedienst humannews. Für mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) spielt eine homöopathische Behandlung in ihrer Praxis eine geringe Rolle. Gut ein Drittel der Ärzte  begründen diese Ablehnung mit wissenschaftlichen Zweifeln. Mindestens zwei von fünf Ärzten  bekunden, sich mit Homöopathie nicht auszukennen. Trotz der Zurückhaltung der Ärzte scheinen die Patienten von der alternativen Heilmethode zu profitieren. Mindestens vier von zehn Ärzten, die Homöopathie anbieten, verzeichnen messbare Therapieerfolge. Fast ebenso viele gehen von einem subjektiven Nutzwert aus. So das Ergebnis des monatlich erhobenen CGM GesundheitsMONITORs, einer Umfrage unter 440 zufällig ausgewählten Hausärzten, Kinderärzten und Gynäkologen der CompuGroup Medical, der Rhein-Zeitung und der Medical Tribune aus dem August.

Prinzip 'kleine Dosis mit starker Wirkung' bleibt umstritten

"Ein Medikament ohne Nebenwirkungen bewirkt auch nichts." Diese Auffassung teilen die meisten Ärzte und lehnen die homöopathische Lehre Samuel Hahnemanns für die eigene Praxis ab. Obwohl die Homöopathie, die nach dem Prinzip kleinster Dosierungen funktioniert, sich weltweit einen Namen gemacht hat, hat sie in deutschen Arztpraxen einen geringen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der befragten Mediziner bietet die alternative Heilmethode grundsätzlich nie an, knapp ein Drittel nur gelegentlich. Lediglich gut einer von zehn Ärzten arbeitet häufig mit Homöopathie.

Die Zurückhaltung gegenüber homöopathischen Therapieansätzen hängt offenbar nicht mit negativen Erfahrungswerten zusammen. Verschwindende 2,5 Prozent geben an, damit konkret schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Gut ein Drittel der Befragten tut die Homöopathie als unwissenschaftlich ab. Für mehr als vier von zehn Ärzten ist es offenkundig nicht erstrebenswert sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Sie bieten Homöopathie aus Desinteresse nicht an - 'weil sie sich damit nicht auskennen'.

Lieber auf Wunsch statt aus Überzeugung

Aller schulmedizinischen Skepsis zum Trotz: Die Patienten stehen homöopathischen Heilmethoden weitaus positiver gegenüber als ihre Ärzte und fordern diese Therapie oftmals wohl regelrecht ein. So haben 37,3 Prozent der befragten Mediziner die Homöopathie in ihrem Leistungskatalog, weil die Patienten danach explizit fragen. Doch es gibt auch 'Überzeugungstäter'. Immerhin 23,5 Prozent der 'homöopathiewilligen' Mediziner sind von der Lehre Samuel Hahnemanns wirklich überzeugt, und mehr als ein Viertel hat bei bestimmten Krankheitsbildern gute Erfahrungen damit gemacht. Insbesondere bei Erkrankungen der Atemwege scheinen sich homöopathische Mittel zu bewähren. Gut zwei von zehn Ärzten setzen sie bei Erkältungskrankheiten ein, ein Fünftel bei allergischen Reaktionen mit Heuschnupfen, Ekzemen oder Asthma. Auch bei psychisch bedingten Beschwerden wird homöopathisch behandelt. Das gibt ebenfalls ein Fünftel der Befragten im Hinblick auf Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen an.

Die Patienten profitieren

Was die Zufriedenheit der Patienten bestätigen vier von zehn zu, dass der Einsatz homöopathischer Medikamente nachweislich geholfen hat. Ähnlich viele Befragte sehen zwar keine nachweisbaren Erfolge aus medizinischer Sicht, räumen aber ein, dass sich Kranke nach der Verabreichung von Tropfen oder Globuli subjektiv besser fühlen.

Da die Homöopathie aus schulmedizinischer Sicht nicht wissenschaftlich begründet ist, übernehmen die Krankenkassen diese Leistungen nur in sehr begrenztem Umfang. Das scheint deutsche Ärzte nicht zu stören, im Gegenteil. Fast jeder Zweite vertritt die Auffassung, dass Patienten selber für ihre homöopathische Behandlung aufkommen sollten. Nicht einmal ein Drittel wünscht sich, dass die Kassen die alternative Heilmethode mehr fördern - zumal sie kostengünstig ist. Ein Fünftel der Befragten begegnet dem Thema Homöopathie auch bei der Kostenübernahme mit Gleichmut und meint, dass das momentane Verhalten der Krankenkassen durchaus 'okay' ist. (red)

Share if you care.