Zählmaschinen gegen Korruption

25. August 2010, 13:50
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Eine Milliarde Dollar Bargeld wird jährlich außer Landes gebracht - Seriennummern sollen Veruntreuung von Hilfsgeldern verhindern

Die USA unterstützen den Wiederaufbau in Afghanistan mit milliardenschweren Hilfspaketen. Für 2011 wären vier Milliarden Dollar an ziviler Hilfe vorgesehen. Doch nun verweigert der Budgetausschuss des US-Repräsentantenhauses seine Zustimmung, weil ein Großteil des Geldes in dubiosen Kanälen versickert.

Offiziellen Angaben der afghanischen Zollbehörden zufolge wurden zwischen Anfang 2007 und Februar 2010 Bargeldausfuhren über drei Milliarden Dollar deklariert. Das Geld wird in Koffern, Kisten, auf Paletten oder einfach in Stoff gewickelt außer Landes gebracht.

"Washington Post"-Blogger Jeff Stein sprach mit einem CIA-Mitarbeiter, der im Juli 2010 die Verladung von 13 Bargeld-Ballen in den Ariana-Flug von Kandahar nach Dubai beobachtete. Die Herkunft des Geldes ist schwer zu überprüfen: ein Teil dürfte aus Drogeneinnahmen stammen, aber es wird befürchtet, dass die afghanische Elite auch Hilfszahlungen auf ihre Auslandskonten verschiebt oder in Immobilien anlegt. Präsident Karzais Bruder Ahmad, der laut dem CIA Mitarbeiter hohe Summen nach Dubai verfrachtet hat, besitzt wie viele reiche Afghanen eine Villa in dem Golfstaat.

Nun werden am Kabuler Flughafen Zählmaschinen aufgestellt, die die Seriennummern der Dollarscheine registrieren. So soll die Herkunft der Export-Dollars überprüfbar werden. Das könnte verhindern, dass weitere Hilfsgelder außer Landes gebracht werden.

Hadsch-Minister verdiente an Mekka-Pilgerfahrten

In einem spektakulären Korruptionsfall wurden die Nummern bereits als Beweismittel verwendet: Mohammed Siddiq Chardari, der Minister für Mekka-Pilgerfahrten, musste Ende Juni überstürzt das Land verlassen, weil er Bestechungsgelder von saudi-arabischen Reiseveranstaltern verlangt hatte.

Als einer seiner Mitarbeiter eine große Menge Bargeld nach Afghanistan bringen wollte, gab dieser an, er habe die Scheine bereits bei seiner Ausreise mit sich geführt. Das Geld sei für Hotel- und Transportkosten vorgesehen gewesen. Eine Überprüfung der Seriennummern ergab allerdings, dass die druckfrischen Dollarnoten aus den USA direkt nach Saudi-Arabien geliefert worden waren. Der Mitarbeiter wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, Chardari gelang die Flucht ins Londoner Exil. Da es kein Auslieferungsabkommen zwischen Großbritannien und Afghanistan gibt, ist er dort in Sicherheit vor der afghanischen Justiz. (bed/derStandard.at, 25.8.2010)

  • Geldwechsler an der Grenze zu Pakistan. Im Februar ordnete Rehman Malik, der Innenminister des Nachbarlandes, verschärfte Kontrollen an, weil durch den Dollarfluss aus dem Nachbarland der Wechselkurs der pakistanischen Rupie einbrach.
    foto: epa/matiullah achakzai

    Geldwechsler an der Grenze zu Pakistan. Im Februar ordnete Rehman Malik, der Innenminister des Nachbarlandes, verschärfte Kontrollen an, weil durch den Dollarfluss aus dem Nachbarland der Wechselkurs der pakistanischen Rupie einbrach.

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    Ahmad Wali Karzai, Präsidentenbruder. Der "König von Kandahar" bestreitet Korruptionsvorwürfe.

  • Ex-Hadsch-Minister Mohammed Siddiq Chardari wird von Interpol gesucht
    foto: epa

    Ex-Hadsch-Minister Mohammed Siddiq Chardari wird von Interpol gesucht

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