Soziale Netzwerke, die auf Ortsdaten beruhen

24. August 2010, 11:22
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Auch wenn Geodienste auf freiwilliger Basis benutzt werden, fehlt ihnen eine klare Rechtsgrundlage

Mit dem Start eines neuen Facebook-Features, Places, rückte eine neue Art von Onlinediensten in den Blickpunkt: Soziale Netzwerke, die auf Ortsdaten beruhen - oft unscharf als "Geodienste" bezeichnet. Ihr Prinzip ist einfach: Ich sage dir, wo ich gerade bin.

Bereits seit einiger Zeit werden Facebook-Updates und Twitter-Feeds mit "Check-in"-Meldungen der Bekannten gefüttert, die zu den frühen Anwendern dieser Dienste zählen. Foursquare ist dabei der populärste in Österreich, mit Platz 265 im heimischen Web-Ranking sogar populärer als in den USA (Nr. 316). Andere Dienste heißen Gowalla, Tupalo (ein Wiener Start-up), Qype oder Yelp.

"U3 Herrengasse"

Um Foursquare zu nutzen, installiert man eine App am Handy, diese verbindet den jeweiligen Standort mit "richtigen" Lokalitäten - Lokale, Geschäfte, Büros oder auch Orte wie "U3 Herrengasse". Wer will, kann jetzt durch Anklicken bekanntgeben, dass er oder sie gerade an diesem Ort ist. Foursquare verbindet dies mit spielerischen Elementen, man kann Punkte einsammeln für die Häufigkeit, mit der man an einem Ort eincheckt, und sogar "Mayor", Bürgermeister, werden - derjenige oder diejenige, die am häufigsten an diesem Ort ist.

"Für unser Lokal ist das ein Weg, sichtbar zu werden und Publikum zu gewinnen", erklärt Michael Vesely, IT-Berater und Wirt des Reisinger's in Wien, den Nutzen. "Wenn jemand einen Tipp für uns abgibt, gibt es ein Gratisgetränk." Stammkunden, die sich etwa zum Mayor des Reisinger's hocharbeiten, werden ähnlich belohnt. Darin liegt die kommerzielle Hoffnung von Geodiensten: Eine Drehscheibe für Lokale und Geschäfte, bei der User anderen Usern Tipps geben und wo Unternehmen Loyalität mit Rabatten oder Aktionen belohnen.

Paradox

Vesely checkt selbst gelegentlich woanders ein, "wenn es zu meiner Profession als Wirt passt, und wenn das Lokal mit dem unseren vergleichbar ist". Paradox sei es schon, denn "jahrzehntelang haben Gewerkschaften gegen Stechuhren und Erfassungssysteme gekämpft, und jetzt machen wir das freiwillig", resümiert er; besorgt ist er deswegen aber nicht, "es muss ja keiner mitmachen".

Aus konsumentenschutzrechtlicher Sicht hätten über Geodienste gemachte Angebote eine Voraussetzung, sagt Konsumentenschützerin Daniela Zimmer von der Arbeiterkammer: "Die glasklare Zustimmung zur Verwendung meiner Ortsdaten schon im Vorfeld ist die Basis, dass solche Angebote rechtens sind."

Datenschutzrechtlich befinden sie sich dagegen in einer Grauzone, sagt der Datenschutzrat-Vorsitzende, SP-Abgeordneter Johann Maier. "Es gibt keine adäquate Rechtsgrundlage für Geodienste." Diese müssen wegen der grenzüberschreitenden Natur auf EU-Ebene geschaffen werden. "Auch wenn man Zustimmung zur Veröffentlichung gibt, muss es eine Möglichkeit geben, wie diese Daten wieder gelöscht werden können" - und das sei nicht durchzusetzen, wenn ein Service etwa in den USA seinen Standort habe. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 24. August 2010)

 

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