Schluss mit Lugner-Lustig

24. August 2010, 11:12
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Sogar „Bambi" konnte dem Baumeister Paroli bieten. Auf ihre Art. Aber „das Katzi" ist wehrlos - doch dass da ein Mensch vor aller Augen kaputt geht, regt kaum jemanden auf

Ihm sei, sagt Christian May, mittlerweile das Lachen vergangen. Und das, obwohl er sonst kein Mitleid mit jenen Figuren hat, die im Trash-Privatfernsehen flapsig und zutreffend als „unsere Promis" sammelbegrifft werden: Die das Lugniversum bevölkernden Kreaturen haben sich das Possessivpronomen schließlich durch das penetrante Veröffentlichen all ihrer Aktivitäten, Wehwehchen und Körperfunktionen hart und redlich verdient. Und keiner wird oder wurde vor die Kamera gezwungen. Eher im Gegenteil. Ganz im Gegenteil. Aber das wäre eine andere Geschichte.

Christian May ist kein Teil dieser Szene. May ist Journalist. Einer von der seriösen Sozial- und Reportagefront. Ich habe - vor Ewigkeiten - mit ihm gemeinsam Magazin- und TV-Geschichten gemacht. Seither laufen wir einander immer wieder über den Weg. Und Kollege May staunt und lacht dann regelmäßig über das Lugniversum: „Ich bin höchstens rudimentärer Teilzeitbeobachter - aber man entkommt diesen Leuten in Österreich nicht."

Baumeisters Zoo

Deshalb kennt May natürlich den ganzen Zoo des Baumeisters. Doch während er bei der Erwähnung von „Mausi" bis „Bambi" eigentlich immer bloß die Augen verdreht hat, schwellen ihm bei „Katzi" die Zornesadern. Nicht wegen der Person, die der Baumeister per Kosenamen zur Nicht-Person machte, sondern „weil Lugner da eine Grenze überschritten hat: Dass diese Frau physisch wie psychisch zu Grunde geht, sieht ein Blinder - aber Lugner spielt weiter seine Ego- und PR-Spielchen. Und alle klopfen sich vergnügt auf die Schenkel."

Wer das bezweifelt, dem empfiehlt May, sich einfach ein paar Bilder von Anastasia „Katzi" Sokol zu Gemüte zu führen: Aus einem - unhöflich gesagt - etwas pummeligen Durchschnittsmädel wurde da binnen weniger Monate ein abgemagertes, von Operationen gezeichnetes Wrack. „Und auch wenn man sagen kann, dass sie mit 20 Jahren eine erwachsene Frau ist, die selbst entscheiden kann, was sie tut," will May da den 57 Jahre älteren Baumeister „nicht aus der Pflicht lassen: Er ist alt genug und hat genug Lebens- und Medienerfahrung, um zu sehen, was da passiert."

Keine Zufälle

Denn wer Lugner kennt, weiß, dass der alternde Unvermeidliche es mitnichten dem Zufall überlässt, ob die Klatschpresse von Dingen Wind bekommt oder nicht. In Lugnerland zu recherchieren, ist in gewisser Weise überflüssiger, als Eulen nach Athen zu tragen: Lugner ruft dort, wo er sich etwas davon verspricht, von sich aus an - und erzählt. Freilich: Während man sich früher darauf verlassen konnte, dass Auskünfte über sein Umfeld und dessen Umtriebe auch stimmten (beziehungsweise: von niemandem dementiert wurden), ist das heute nicht mehr so.

Aber das ist im Grunde auch egal: Lugner ist die sichere Bank für Pointen, Wuchteln und Geschichten. Er garantiert - auch weil er Ablehnung und Spott provoziert - Zugriffe, Seher und Quote. Überall (ja, auch hier: auch Sie haben ja immerhin bis hierher gelesen ...). Und in diesem Rennen haben (fast) alle Redaktionen dann irgendwann auch noch die letzten Hemmungen über Bord geworfen. Dass Lugners Damen da per Tiernamen noch „entmenscht" wurden, machte das bestimmt nicht schwerer. Das passiert nicht einmal absichtlich: Wer keinen eigenen Namen mehr hat, ist auch keine „eigene" Person mehr - schwuppdiwupp, das geht ganz schnell.

Kleine Tipps

Denn auch wenn niemand es je öffentlich behaupten (oder gar beweisen) würde: Darüber, woher all die Tipps und kleinen Hinweise über das Leben, die Schwächen und die Fehler des Lugner-Anhanges kommen, bestehen kaum Zweifel. Doch während alle Damen, die Lugner vor „Katzi" hegte und zauste, dem Baumeister doch auf die eine oder andere Art Contra geben konnten, ihr eigenes Spiel spielten oder sich halt einfach wieder vertschüssten, sobald die Lugniade ihnen zu dreist wurde oder an die Substanz ging, ist „Katzi" wehrlos: „Die hat den Moment, an dem sie sich selbst hätte retten können, versäumt. Sie ist Lugner nicht gewachsen - und der kennt keine Gnade."

Davon, meint May, zeugen nicht die Bilder vom Verfall der jungen Frau sondern auch auf die mittlerweile zahllosen Katzi-Auftritte, in denen Anastasia Sokol entweder knapp vor dem psychischen Kollaps zu stehen scheint, vor laufender Kamera gemobbt wird, sprachlos oder weinend das Weite sucht - oder gar nicht da ist: „Schon wieder im Spital" oder „Magen ausgepumpt" sind noch die harmloseren Überschriften, die ihr gewidmet werden.

Noch eins drauf

Doch May mutmaßt Schlimmeres, als dass Lugner seine wehrlose Gespielin da nicht nur nicht aus der Schusslinie nimmt: Auch der alternde Baumeister müsse Erwartungen erfüllen - und im Medienzirkus bedeute dies natürlich „immer noch eins drauf zu geben: Dass Katzi natürlich jünger als Bambi sein muss, ist da noch das harmloseste Detail. Lugner muss bei ihr auch weiter gehen", analysiert der Journalist - und setzt nach „vielleicht oder vermutlich merkt er es ja selbst gar nicht mehr. Aber genau das werfe ich ihm vor."

Just von Adabei-Medien zu verlangen, da als regulierende, normierende oder gar moralisch integere Kräfte aufzutreten und „Halte ein, ruchloser Baumeister!" zu rufen, hält May allerdings für illusorisch. Als Medien-Profi wie als Leser: „Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht - und solange das Publikum nicht wegschaltet, werden alle weiter drauf halten. Wenn es einmal wirklich zu einem auf die eine oder andere Art bitteren Ende kommt, werden aber alle Krokodilstränen weinen und die bösen Medien beschimpfen. Aber ein paar Wochen später wird Richard Lugner sich dann ein neues Haustier zulegen - und alle werden warten, wie es weiter geht."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Rolle von 'Katzi' Anastasia Sokol nimmt im Adabei-Universum von Richard Lugner immer bedenklichere Formen an.

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