Angriff auf Präsidentenpalast abgewehrt - Mindestens 83 Tote und 163 Verletzte in den letzten drei Tagen
Bei einem blutigen Anschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind am Dienstag mindestens 31 Menschen gestorben, darunter auch Parlamentsabgeordnete. Die Islamisten bekannten sich zu der Attacke auf ein Hotel. In der Nacht zum Mittwoch setzten sich die Gefechte fort, Islamisten führten einen erfolglosen Angriff gegen den Präsidentenpalast.
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Mogadischu - In Mogadischu gehen die schweren Gefechte zwischen Islamisten und somalischen
Regierungstruppen weiter. Ein Vorstoß der Aufständischen gegen den
Präsidentenpalast sei in der Nacht zum Mittwoch mit Hilfe der
Amisom-Friedenstruppe der Afrikanischen Union abgewehrt worden, sagte der
somalische Offizier Issa Ali der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie sind heute
Nacht nah herangekommen, aber hinter uns stehen die Amisom-Panzer", sagte er.
Bewohner der Hauptstadt berichteten am frühen Morgen von Gewehrsalven. Der
Koordinator eines Krankenwagendienstes sprach von mindestens 83 Toten und 163
Verletzten in den vergangenen drei Tagen.
In der somalischen Hauptstadt hatten am Montag schwer bewaffnete Extremisten ein Hotel gestürmt und mindestens 31 Menschen getötet. Unter den Todesopfern seien sechs Parlamentsabgeordnete und fünf Angehörige der Sicherheitskräfte, teilte Informationsminister Abdirahman Osman am Dienstag mit. Ein Täter sei festgenommen worden. Zwei weitere Angreifer hätten sich in die Luft gesprengt.
Der Überfall macht das Scheitern der vom Westen unterstützten Regierung und der Friedenstruppe der Afrikanischen Union deutlich, die nach fast zwei Jahrzehnten der Anarchie in Somalia nicht für Sicherheit und Ordnung sorgen können. Zu dem Anschlag bekannte sich die muslimische Extremistengruppe Al-Shabaab. In der Vergangenheit hatte sie ähnliche Anschläge verübt.
Experten werteten die Rebellenoffensive als Vergeltungsschlag. Hintergrund ist
die Ankündigung, dass die Friedenstruppen der Afrikanischen Union von 6.000 auf
8.000 Mann aufgestockt werden sollen. Die AU-Soldaten aus Uganda und Burundi
schützen die Regierung von Präsident Sheik Sharif Ahmed. Das Hotel befand sich
in einem der wenigen Stadtteile Mogadischus, die die Regierung noch unter
Kontrolle hat.
Papst Benedikt XVI. hat unterdessen am Tag nach der blutigen
Rebellenoffensive in Mogadischu zur internationalen Hilfe für Somalia
aufgerufen. Man dürfe keine Anstrengungen scheuen, um dem Respekt für das Leben
und die Menschenrechte in dem ostafrikanischen Land wieder Geltung zu
verschaffen, erklärte Benedikt nach der Generalaudienz am Mittwoch in seiner
Sommerresidenz Castel Gandolfo. "Ich bin in Sorge um (die Hauptstadt)
Mogadischu, von wo weiterhin über grausame Gewalt berichtet wird, mit einem
neuen Blutbad gestern", so der Papst.
Islamisten kontrollieren Großteil der Hauptstadt
Die Islamisten kontrollieren große Teile des Landes und der Hauptstadt. Die Regierung von Präsident Sheikh Sharif Ahmed hat dagegen nur in ein paar Straßenzügen von Mogadischu das Sagen. Das überfallene Hotel Muna wird vor allem von Politikern genutzt und befindet sich im Stadtteil Elgaab, wo auch der streng bewachte Präsidentenpalast liegt.
Die Täter waren in Armeeuniformen gekleidet, als sie das Hotel stürmten. "Einige der Abgeordneten hatten Waffen dabei und wehrten sich gegen die Angreifer, bis die Sicherheitskräfte vor Ort waren" , hieß es aus Regierungskreisen. Erste Berichte, wonach unter den Toten 15 Parlamentarier seien, wurden nicht bestätigt.
Erst im vergangenen Monat hatten Al-Shabaab-Extremisten bei einem Doppelselbstmordanschlag in Ugandas Hauptstadt Kampala mehr als 70 Menschen in den Tod gerissen. Ein Großteil der 6300 Soldaten der Afrikanischen Union, die in Somalia stationiert sind, kommt aus Uganda. Nach dem Doppelanschlag stockte die AU ihre Truppe in Somalia auf.
Gefahr für die Region
Seit Beginn des jüngsten Aufstands der Islamisten vor drei Jahren sind mehr als 21.000 Menschen in Somalia getötet worden. Etwa 1,5 Millionen Einwohner wurden durch die Kämpfe vertrieben, ein Drittel von ihnen suchte Zuflucht im Ausland. Die Gewalt in Somalia bedroht damit zunehmend die Stabilität der gesamten Region am Horn von Afrika.
Al-Shabaab wird wegen ihrer Al-Kaida-Kontakte von den USA und anderen Staaten als Terrororganisation betrachtet. Ihr Gebiet, in dem sie einen Gottesstaat aufbauen wollen, gilt als wichtige Rekrutierungszone für Terroristen. Amerikanische Kampfhelikopter griffen im vergangenen Jahr mehrfach Al-Shabaab-Stellungen im Süden Somalias an. (Reuters/red/DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2010)