Constantini holt "verrückten" Maierhofer

24. August 2010, 18:18
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Die EM-Qualifikation ist nicht mehr zu verhindern, am 7. September gastiert Kasachstan in Salzburg. Der Teamchef reaktivierte Stefan Maierhofer und Christoph Leitgeb. Und er fordert Respekt

Wien - ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini fährt am Montag "überzeugt" nach Flachau. Dort trifft er 23 von ihm auserwählte Spieler, die hat er dann mehr als eine Woche zur Verfügung. Elf Trainingseinheiten, ein Testspielchen gegen Radstadt oder Schladming inklusive, sind geplant. Das sollte reichen, um am 7. September in Salzburg gegen Kasachstan (8000 Tickets verkauft, 21.000 Restkarten erhältlich) zu bestehen, also die EM-Qualifikation mit drei Punkten zu beginnen.

Am 8. Oktober sollten es sechs Zähler sein, wer nämlich Aserbaidschan in Wien nicht schlägt, der kann sich die Endrunde 2012 in Polen und in der Ukraine frühzeitig aufzeichnen. "Jeder erwartet das Maximum, das weiß ich, dazu stehe ich." Die anderen Gruppengegner sind Deutschland, die Türkei und Belgien, zu diesem Trio passt Constantinis Feststellung: "Es gibt bessere Mannschaften als Österreich." Nur der Erste ist fix qualifiziert, der Zweite darf im Playoff gegen einen anderen Zweiten antreten.

Der Teamchef hat am Dienstag in Wien die Namen der Besten verlautet, im Vergleich zum Schweiz-Spiel (0:1) hat es vier Änderungen gegeben. Zlatko Junuzovic, Andreas Hölzl, Daniel Beichler (alle verletzt) und Patrick Wolf (keine Stütze) raus, Christoph Leitgeb, David Alaba, Veli Kavlak und Stefan Maierhofer rein.

Maierhofers Nominierung verblüffte, Constantini war auf das staunende bis kopfschüttelnde Volk vorbereitet, er lieferte mehrere Begründungen. "Viele mögen ihn nicht, weil er nach außen arrogant wirkt, seine Gestik missfällt. In Wahrheit ist er ein absoluter Teamplayer, der unbedingt gewinnen will. War er dabei, haben wir meist nicht verloren." Zuletzt wirkte er im Oktober 2009 beim 1:3 gegen Frankreich mit.

Alternative zu Janko

Maierhofer werde, so Constantini, unterschätzt. "Salzburg und Frankfurt waren interessiert. Man braucht nicht nur schnelle Spieler, ein Riese ganz vorne ist wichtig." Gelandet ist der 2,02 Meter hohe Maierhofer, der bei Wolverhampton kein Leiberl gesehen hat, in Duisburg, in der zweiten deutschen Liga. "Außerdem benötige ich eine Alternative zu Marc Janko, falls er wieder ausfällt." Roman Kienast sei auch eine Überlegung gewesen. "Aber der Maierhofer ist verrückter."

Leitgebs Reaktivierung war zu erwarten. Vermutlich muss in Flachau die jüngste Vergangenheit bewältigt werden, zum Beispiel in einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Constantini hatte öffentlich erklärt, der 25-jährige Salzburger Mittelfeldmotor sei kein Killer. Allerdings sagte er auch: "Er ist ein guter und hochanständiger Fußballer." Um sich nicht selbst zu widerlegen, beharrte der Teamchef nun auf seiner Einschätzung. "Aber es ist typisch, dass man das Positive weglässt." Leitgeb hat laut Leitgeb diese Wortmeldung verdaut. "Anfangs war ich geschockt, mir ist nicht egal, ob wir ein Spiel gewinnen oder verlieren. Ich habe mich bis jetzt bei jedem Trainer bewiesen."

In Wahrheit geht es natürlich nicht um die Befindlichkeiten Einzelner. Constantini ist überzeugt, "dass sich kein einziger Spieler überschätzt" . Kasachstan werkt bereits am 3. September daheim gegen die Türkei. Der ÖFB schickt Spione aus, sie werden danach schweigen. Natürlich nur extern. "Sonst sagt irgendeiner, die haben Regionalliganiveau. Besorgen Sie sich selbst Videos, die sind gut. Man glaubt, dass solche Länder im Fußball noch weit hinten sind, aber dann wacht man auf. Man muss gerade vor solchen Mannschaften Respekt haben. Gegen Deutschland kann man ruhig respektlos sein."

Kasachstan liegt in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 125, zwischen Tschad und Surinam. Österreich ist 60., hat Nordirland vor sich und wird von Benin brutal verfolgt. Constantini: "Sinn einer Qualifikation ist es, sich zu qualifizieren. Das gilt für alle Mannschaften." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 25.8. 20109

Der Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft für das erste EM-Qualifikationsspiel am Dienstag, 7. September (20.30 Uhr/live ORF 1) in Salzburg gegen Kasachstan:

Tor: Christian Gratzei (Sturm Graz/4 Länderspiele/8 Gegentore), Michael Gspurning (Xanthi/3/-6), Jürgen Macho (Panionios Athen/19/-18)

Abwehr: Ekrem Dag (Besiktas Istanbul/2 Länderspiele/0 Tore), Aleksandar Dragovic (Austria Wien/9/0), Christian Fuchs (FSV Mainz 05/32/0), Florian Klein (Austria Wien/2/0), Manuel Ortlechner (Austria Wien/6/0), Emanuel Pogatetz (Hannover 96/38/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/24/2)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/3/0), Julian Baumgartlinger (FK Austria Wien/6/0), Jakob Jantscher (Red Bull Salzburg/7/1), Veli Kavlak (SK Rapid Wien/8/0), Ümit Korkmaz (Eintracht Frankfurt/8/0), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg/27/0), Franz Schiemer (Red Bull Salzburg/14/2)

Angriff: Martin Harnik (VfB Stuttgart/17/2), Erwin Hoffer (1. FC Kaiserslautern/17/2), Marc Janko (FC Twente Enschede/16/7), Roland Linz (FK Austria Wien/36/7), Stefan Maierhofer (MSV Duisburg/10/1), Roman Wallner (Red Bull Salzburg/29/7)

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    Ein Bild aus Vergangenheit und Zukunft: Stefan Maierhofer und Dietmar Constantini.

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    Der Teamchef gibt den Kader bekannt.

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