Moscheen-Träume

24. August 2010, 09:40
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Schakfeh ist Funktionär, nicht Aktivist - von Gudrun Harrer

Der in absehbarer Zeit scheidende Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, hat eine lange Geschichte von Interviews zum Kopfschütteln. Nicht nur, dass da ab und zu etwas schiefgeht, er pflegt das Schiefgegangene auch meist mit Inbrunst zu verteidigen. So ist es auch mit seinen "Moschee mit Minarett"-Träumen passiert, für die ihn FPÖ und BZÖ, beide im Moment vom peinlichen Haider-Erbe gebeutelt, eigentlich zum Ehrenparteimitglied machen müssten.

Dass das in Wahlkampfzeiten so ist, dafür kann Schakfeh nichts, aber er müsste es wissen. Er ist Funktionär, kein Aktivist. Eine - für alle Seiten, auch die Strachisten, durchaus zumutbare - Antwort auf die berühmte Moscheen-Frage, oder eben Klarstellung am Tag danach, wäre etwa gewesen: "Ich will, dass die gläubigen Muslime in Österreich ihre Religion ausüben können und dass sie dafür so viele Gebetsräume zur Verfügung haben, wie sie brauchen. Alle Details sind von Fall zu Fall zu besprechen."

Und wenn wir schon beim Träumen sind - er hätte weiter sagen können: "Schauen Sie, ein aus dem Osten stammender Muslim hat natürlich die Idee einer heimatlichen Moschee im Kopf, aber so wie das - mit eurem Kirchturm eng verwandte - Minarett keineswegs urislamische Architektur ist, so werden unsere im Westen gebauten Moscheen vielleicht nicht auf alle Ewigkeit orientalisierend daherkommen. Der Islam ist doch eine europäische Religion." (guha, DER STANDARD Printausgabe 24.8.2010)

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