Microsoft: "Wir lieben Open-Source"

24. August 2010, 10:29
68 Postings

Softwarekonzern gesteht sich Fehler der Vergangenheit ein und bemüht sich um ein besseres Image

Nicht erst seit Steve Ballmers "Kriegserklärung" gilt der Softwarekonzern Microsoft als Feindbild Nummer Eins in der Open-Source-Gemeinde. 2001 erklärte der leicht aufbrausende Geschäftsführer, Linux sei wie "Krebs", der Microsofts geistiges Eigentum bedrohe. Aber auch noch in jüngerer Vergangenheit unterstrich der Windows-Hersteller wiederholt seine negative Einstellung zur freien Software. 2007 behauptete man bei einem unangefochten hohen Marktanteil von 90 Prozent bei Betriebssystemen, dass Linux gegen 235 Patente des Unternehmens verstoße. 2008 meinte Bill Gates, Open-Source-Lizenzen würden dafür sorgen, dass "niemand jemals Software verbessern kann" - in einer Zeit, in der Microsoft bis zum Hals im Windows Vista-Sumpf steckte. Vergangenes Jahr schließlich erwirkte man in einer Patentklage Lizenzzahlungen vom Navigationsgeräteproduzenten TomTom und brachte auch den Handyhersteller HTC dazu, aufgrund der Nutzung des offenen Mobile-Betriebssystems Android, für Lizenzgebühren aufzukommen.

Alles anders?

Nun, 2010 scheint alles anders. Seit Anfang des Jahres versucht Microsoft im Fahrwasser des Windows 7-Erfolges positive Stimmung zu verbreiten. Ein Positiv-Image soll das Unternehmen schmücken und das soll auch die Open-Source-Gemeinde zu spüren bekommen, schreibt die Branchenseite NetworkWorld. "Wir lieben Open-Source", sagt Jean Paoli, jener Microsoft-Manager, der für die Interoperabilität zwischen den eigenen und anderen Software-Produkten verantwortlich ist. Microsofts negative Einstellung gegenüber Open-Source-Technologie und Linux sei falsch gewesen. "Das war wirklich vor langer Zeit. Wir verstehen (jetzt) unseren Irrtum.", bemüht sich Paoli um Schadensbegrenzung. Doch der Manager muss wissen, wovon er spricht. Seit 14 Jahren arbeitet er bei Microsoft und gilt unter anderem als Co-Autor der XML-Spezifikationen. In seiner aktuellen Position steht er an der Speerspitze Microsofts Initiative zur Bewerbung der Interoperabilität zwischen Schlüsselkomponenten in Cloud-Netzwerken. Ein Feld, in das der Konzern seine großen Hoffnungen für die Zukunft setzt, wenn Daten und Anwendungen eines Tages zum Großteil nicht mehr lokal sondern auf Servern zuhause sind. Dafür möchte Microsoft nun gewährleisten, dass einheitliche Standards gefunden werden, um die Migration und den Austausch zwischen Cloud-Netzwerken zu erleichtern.

Rückenwind

Wie ernst es Microsoft tatsächlich meint, wird wohl erst in einigen Jahren zu erkennen sein. 2010 stehen die Chancen jedenfalls gut, einen Image-Wandel zu vollziehen. Denn zurzeit erhält der Konzern ungebeten auch sehr starken Rückenwind des Datenbankgiganten Oracle. Der Konzern rund um Larry Ellison bemüht sich seit der Übernahme von Sun Microsystems redlich darum, den Unmut der Open-Source-Welt auf sich zu ziehen. Gab man 2010 zunächst bekannt, das OpenSolaris-Projekt einzustellen, klagt man nun auch Google aufgrund der Nutzung der unter Open-Source-Lizenz veröffentlichten Software Java in Android. Sollte Oracle sich durchsetzen, könnte das einen herben Rückschlag für das populäre Handy-Betriebssystem und dessen Entwicklergemeinde bedeuten - der WebStandard berichtete. Ein Rechtsstreit, von dem nicht zuletzt vor allem Microsoft profitieren könnte. (zw)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Steve Ballmer will alle in die Cloud holen.

Share if you care.