Automatische Infusionsherstellung für Babys geplant

24. August 2010, 09:21
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Nach Megagau in Mainz, vollautomatisierte Herstellung von Flüssignahrung für Säuglinge im Wiener AKH geplant

Wien - "Ein absoluter Megagau, ein furchtbarer", sagte Arnold Pollak, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde des AKH Wien, zu den Zwischenfällen in Deutschland am Wochenende. In Mainz bekamen elf Kinder eine mit Bakterien verunreinigte Flüssignahrung. Drei Säuglinge starben. Im Wiener Spital wird die Flüssignahrung direkt auf der Station von einer Intensivschwester nach strengen Kriterien hergestellt.

"Es muss sich um eine Verkettung unglücklicher Zustände handeln", erklärte Pollak. Die Apotheke der Mainzer Universitätsklinik, die die verkeimte Lösung hergestellt hatte, sei bekannt für hohe Kompetenz, deshalb sei es auch besonders tragisch. Trotzdem geht Pollak davon aus, dass die Verunreinigung der Lösung mit Darmbakterien im Bereich der Apotheke selbst geschehen sei. "Es muss wohl an einer Zentralstelle gelegen sein, wo menschliches Versagen passieren kann", so der Kinderarzt.

Der Grund der Verschmutzung liege aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bei den externen Herstellern. "Das ist sehr unwahrscheinlich", erklärte Pollak. Die Flüssignahrung in Mainz wurde aus neun verschiedenen Komponenten zusammengestellt, die von außerhalb kamen. Das gleiche Prozedere gibt es auch in Wien, allerdings werden die Lösungen direkt auf der Station zusammengemischt. Nachdem ein Arzt ein individuelles Rezept ausgestellt hat, mixt eine speziell ausgebildete Intensivschwester mit Hilfe eines eigens erstellten Computersystems in einem Extra-Raum die Lösung.

In dieser "sterilen Werkbank", so der interne Begriff, würden die Infusionen unter hochsterilen Bedingungen nach exakten Prozessabläufen hergestellt. "Ob es ein Vorteil ist, dass die Intensivschwester die Infusion direkt auf der Station zubereitet, weiß ich nicht", sagte Pollak. Die Sicherheitsmaßnahmen seien aber genauso hoch wie bei einer offenen Operation. So gelte eine voll sterile Kleidung, Handschuhe, Haarnetz und die Verwendung von Einwegprodukten als Vorschrift. Jeder einzelne Schritt sei in einem bestimmten Prozess festgelegt.

Automatische Infusionsherstellung

"Doch wo Menschen arbeiten, kann immer etwas passieren", meinte Pollak. In Zukunft plant die Kinderstation deshalb, alle Schritte der Infusionsherstellung vollständig zu automatisieren. An einem derartigen Projekt würde bereits gearbeitet werden. So würde bei der Herstellung gar kein Kontakt mehr mit Menschen stattfinden. Die Zubereitung sollte dann von der Station in die hauseigene Apotheke verlagert werden. Zur Zeit gibt es in Wien täglich mikrobiologische Prüfungen, um die Qualität und Unversehrtheit zu gewährleisten. Zu Zwischenfällen kam es auf der Kinderstation noch nie.

Jeden Tag wird dort für etwa 30 Säuglinge Flüssignahrung hergestellt. Dies ist für die Neugeborenen, vor allem mit gesundheitlichen Beschwerden, ein zentraler Aspekt. Viele können nur zum Teil oral ernährt werden, deshalb sind Infusionen nach einer täglichen Einschätzung des behandelnden Arztes überlebenswichtig. Dabei ginge es um einzelne Milliliter. "Es ist eine minuziöse Angelegenheit. Kinder brauchen das für lebenserhaltenden Funktionen, das Immunsystem und ihr Wachstum", erklärte Pollak. (APA)

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