Mindestsicherung: Nur drei Länder starten im September

24. August 2010 08:41

Niederösterreich, Salzburg und Wien können den Plan einhalten

Wien (APA) - Oftmals verschoben kommt die bedarfsorientierte Mindestsicherung jetzt doch. Ebenso holprig, wie der gesamte Entstehungsprozess war, ist allerdings nun auch der Start. Denn nur in drei Bundesländern wird das Zieldatum 1. September eingehalten, in Wien, Niederösterreich und Salzburg. Die anderen Länder folgen in den kommenden Monaten, teils mit rückwirkender Einführung, teils erst mit 2011. In der Steiermark ist sogar noch völlig unklar, wie die Leistung ausgestaltet wird, erst nach der Landtagswahl ist hier eine Klärung zu erwarten.

Dabei war die Mindestsicherung eigentlich so gedacht, dass - neben einer Aufstockung der Mittel im Bedarfsfall - bundeseinheitliche Sätze in der Armutsbekämpfung gefunden werden, gab es doch bisher in der Sozialhilfe zwischen den Ländern teils größere Unterschiede. Wirklich vollzogen wird die Vereinheitlichung auch jetzt nicht. Jedem Land bleibt es überlassen, über die Mindeststandards hinauszugehen, die meisten wollen hier allerdings keine einheitliche Regelung, sondern individuell Zuschüsse gewähren.

  • Niederösterreich: Alles läuft nach Plan

In Niederösterreich wurde die Mindestsicherung bereits Mitte Juli im Landtag beschlossen und tritt daher planmäßig kommende Woche in Kraft. Extra Zuschüsse, die monatlich ausbezahlt werden, sind nicht vorgesehen. Im Büro von Landesrätin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wurde auf den ohnehin 25-prozentigen Wohnkostenanteil verwiesen, der in der Mindestsicherung inkludiert ist. Eine Möglichkeit für Zusatzleistungen gibt es aber: Im Einzelfall kann man etwa für größeren Anschaffungen oder Mietrückstände zusätzliche Zahlungen im Ausmaß von 744 Euro monatlich beantragen, die auch mehrfach geleistet werden können.

  • Salzburg: Zwanzig Prozent mehr Bezieher

In Salzburg wird der Zeitplan mit dem 1. September ebenfalls eingehalten. Neuanträge stellen kann man beim Arbeitsmarktservice (AMS) oder beim Sozialamt. Im Rahmen der Mindestsicherung können auch noch zusätzliche Wohnkosten gewährt werden, z.B. wenn es sich um eine kinderreiche Familie handelt. Daneben besteht noch die Möglichkeit, um Wohnbeihilfe in der Wohnbauabteilung anzusuchen. Derzeit erhalten im Bundesland 6.700 (von insgesamt rund 220.000) Haushalte Sozialhilfe. Das Land rechnet aufgrund der Einführung der Mindestsicherung mit einer rund 20-prozentigen Steigerung der Bezieher.

  • Eine "Ersatzpension" in Wien

Keine Überzahlungen sind in der Bundeshauptstadt geplant. Im Büro von Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) verweist man jedoch darauf, dass Wien bisher als einziges Bundesland eine "Ersatzpension" für Menschen anbiete, die kein oder ein zu geringes Einkommen hatten und bisher das 65. (Männer) bzw. 60. Lebensjahr (Frauen) noch nicht erreicht haben. Diese Dauerleistung werde auch künftig 14 Mal jährlich ausbezahlt.

  • Burgenland startet im Okober oder November

Im Burgenland hat der Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Mindestsicherung wenigstens schon die Begutachtungsphase hinter sich. Entweder im Oktober oder im November soll der Landtagsbeschluss erfolgen, hieß es vom Sprecher des zuständigen Landesrats. Bezugsberechtitge können dann ohne zusätzlichen Antrag das Geld auch rückwirkend ab September bekommen.

  • Starttermin in Vorarlberg noch unklar

In Vorarlberg wird das entsprechende Landesgesetz im Oktober-Landtag (6. Oktober) beschlossen, hier wird dann auch der derzeit noch offene Zeitpunkt der Einführung festgelegt. Dieser hänge auch von den anderen Ländern ab, die noch nicht alle die 15a-Vereinbarung beschlossen hätten, so die zuständige Landesrätin Greti Schmid (ÖVP). Für Betroffene ändere sich vorerst nichts an der Vorgehensweise. 

  • Auch Tirol ist noch im Verzug

Noch weniger Tempo wird in Tirol gemacht. Dort kann der Gesetzesentwurf zur Mindestsicherung frühestens im November-Landtag Mitte des Monats behandelt werden. Im Büro des zuständigen Soziallandesrat Gerhard Reheis (SPÖ) wurde betont, dass erst zu entscheiden sei, ob das Gesetz rückwirkend mit 1. September oder erst ab 1. 1. 2011 gelte. Bei rückwirkender Gültigkeit stehe nach einer Neuberechnung jedem die Differenz zum 1. 9. 2010 zu. 

  • Oberösterreich: Mindestsicherung erst ab 2011

Oberösterreich hat sich bereits festgelegt, dass das Gesetz erst mit Jänner in Kraft tritt. Wesentliche Bestimmungen wie die Richtsatzhöhe von 744 Euro kommen bereits rückwirkend ab 1. September 2010. Ob es individuelle Zuschläge zu den zwölfmal ausbezahlten Richtsätzen gebe oder einfach allgemein ein dreizehnter Richtsatz anteilig zwölfmal ausbezahlt werde, sei noch Gegenstand von Verhandlungen mit Landeshauptmann und Finanzreferent Josef Pühringer (ÖVP), erklärte Soziallandesrat Josef Ackerl (S). Betroffene, die ohnehin schon Sozialhilfe beziehen, werden automatisch übergeführt. Sie brauchen keine neuen Anträge zu stellen.

  • "Enger Spielraum" in Kärnten

In Kärnten erwartet sich Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) den Start der Mindestsicherung mit 1. Jänner. Das Bundesland bietet bereits seit 2007 eine sogenannte Grundsicherung an, man habe manche Punkte nur adaptieren müssen. Laut Ragger hat man in Kärnten den engsten Spielraum der Mindestsicherung gewählt. Das heißt, sollte einer Person ein Arbeitsplatz angeboten werden und sie nimmt diesen nicht an, wird die Mindestsicherung um 25 Prozent gekürzt, bei einem weiteren Angebot um 50 Prozent und schließlich droht die Streichung der Unterstützung.

  • Steiermark: Beschluss erst nach der Wahl

In der Steiermark wird die neue Mindestsicherung wegen der geplatzten Parteiengespräche nicht am 1. September in Kraft treten. Die Vorlage des steirischen Sozialreferenten und LHStv. Siegfried Schrittwieser (SPÖ) hatte darüber hinaus auf 14- statt zwölfmalige Auszahlung gelautet. Die ÖVP lehnte dies jedoch ab. Zum genauen Ablauf und Details künftiger Modelle könne man nichts sagen, hieß es aus dem Büro Schrittwieser, da man nicht dem (neuen) Landtag vorgreifen könne. Die nächste Sitzung ist rund einen Monat nach der Landtagswahl (26. September) auf Donnerstag, 21. Oktober festgesetzt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass in dieser konstituierenden Sitzung solche Themen noch nicht behandelt werden und es überhaupt in diesem Jahr für Verhandlungen zwischen den Parteien knapp werden dürfte. In der Zwischenzeit würden die Sozialhilferegelungen weiterlaufen. (APA)

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18 Postings
Aktive Arbeitslose
29.08.2010 20:17
Mogelpackung

Ausführlihce Kritik der Mogelpackung "Mindestsicherung" unter http://www.aktive-arbeitslose.at

Leider ignoriert auch der Standard fundierte Kritik und verharmlost so das repressive Regime des "aktivierenden Sozialstaates" der letzlich nur die Unterschichte einschüchtert und unten hält

g_icebear
24.08.2010 16:21
Hier zeigen die Länder

wie unfähig sie wirklich sind. Warum sollten wir den Ländern essentielle Agenden (Bildung, Gesundheit...) übertragen, wenn sie bereits mit dieser verhältnismäßig einfachen Aufgabe hoffnungslos überfordert sind. Weg mit den Bundesländern. Mit dem gesparten Geld könnten wir eine Mindestsicherung machen ohne nur eine Sekunde darüber nachzudenken.

Franz Rinterli
24.08.2010 15:58
Diese Mindestsicherung zementiert auf Generationen eine breite Schichte an Almosenempfängern ein.

Dass die da je wieder rauskommen, ist leider fast unmöglich.
Leistungsanreize und Eigenverantwortung werden systematisch genommen. Das ist vor allem für die soziale Unterschicht eine Katastrophe, die zu willenlosem linkem Stimmvolk erzogen wird. Panem und circenses (Prekariatsfernsehen), wiedergewählt werden die Sozialpopulisten.
Die bildungsferne Unterschicht wird hofiert und gleichzeitig ausgenützt von der politischen Kaste und ihren Organisationen.
Und das alles mit enormem volkswirtschaftlichem Schaden und mit langfristigen Wohlstandsverlusten:
Der Sozialstaat wird so zunehmend unfinanzierbar.

Dr. 2Much
14.09.2010 14:04
Keine Mindestsicherung zementiert auf Generationen eine breite Schichte(sic!) an finanziell nicht Überlebensfähigen ein.

Dass die da je wieder rauskommen, ist leider fast unmöglich.
Perspektiven und soziale Verantwortung werden systematisch torpediert.
Das ist vor allem für die soziale Unterschicht eine Katastrophe, die zu frustriertem rechtem Stimmvolk erzogen wird. Brotlosigkeit und Bierzeltfaschismus (Verdummungsrundfunk), wiedergewählt werden die Ausländerrausschreier.
Die Bildung erreicht die Unterschicht wieder nicht und gleichzeitig hat die politische Kaste und ihre Organisationen Geld für sich, alles Unnütze und die Reichen.
Und das alles mit enormen vwl. Schaden und mit langfristigen, irreversiblen und beschämenden Einkommensunterschieden:
Der Sozialstaat wird so (mehr als er es eh schon ist) zu einer Illusion - wie der soziale Friede!

Dr.in Luitpold Bäringer
24.08.2010 17:45
Immer der gleiche Sud

Albert Kora
24.08.2010 16:38
Fieber?

Ich glaub Sie sprechen im Fieber. Die neue Mindestsicherung ist im Wesentlichen die alte Sozialhilfe. Da ändert sich gar nix. Und dass es weiter neun Regelungen gibt zeigt der Bericht gut. Sowohl die sich da jetzt viel erwarten an Verbesserungen wie auch die Gegner von Sozialleistungen werden enttäuscht sein: es wird über etwas gesprochen, was es so gar nicht gibt.

also dann ...
24.08.2010 16:11
papperlapapp. der sozialstaat ist nicht un-finanzierbar - richtig ist

hingegen, dass sich "privilegierte" von der finanzierung des staates verabschiedet haben, z.b.
- die grossen AG`s ... wo 51 % KEINE KÖST bezahlen (bei den allen arbeitnehmern sind nur 30.7
% !)
... und die die KÖST (2008) nur mehr 8 % ... beträgt.
- die vermögenden, da eine gleich hohe steuer wie im eu-schnitt allleine 4,3 mrd (!) an einnahmen brächte.

köst + vermög.steuern auf NORMAL-NIVEAU
= ca. 7-8 mrd an zus. einnahmen.

noch fragen ?

Dipl. Ing. Wolfgang Mayr
24.08.2010 16:04
Sie sprechen

wahre Worte gelassen aus.

EpinEphriN
 
27.08.2010 10:18
Herr Rinterli ist nie gelassen.

Mit größter Wahrscheinlichkeit ist er schlicht ein Andreas Unterberger Leser, der die dort proklamierten Weisheiten 1:1 nachbetet.
Verräterisch in dieser Hinsicht das unreflektiert weinerliche Hindreschen auf die bösen Linken und der Vorwurf des Stimmenkaufs. Dabei könnte man genausogut die Unterstützung der Wirtschaft, der Bauern und der Millionäre (die die ÖVP "Mittelstand" nennt) als Stimmenkauf seitens der Volkspartei bezeichnen.

Fallen Sie nicht auf diese in schöne Worte gefasste Polemik hinein!

sonne-licht
 
24.08.2010 15:41
mindestsicherung

war bei einer versicherung um mich über erlebensversicherungen zu informieren,
da hing an der pinwand drei beispiele wie unsozial diese mindestversicherung ist!

weil alles was im haushalt in der familie erwirtschaftet wurde oder beihilfen von der mindestsicherung abgezogen werden!

diese mindestsicherung dient nur der scheinheiligkeit den anschein zu erwecken, dass für die arme bevölkerung geholfen wird und ist nur ein weiteres zeichen für die unfähigkeit unserer gesetzesersteller!

im endeffekt verlieren die menschen mehr die es brauchen als sie erhalten! am besten ist darauf zu verzichten und keine steuern mehr zu zahlen!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
24.08.2010 14:02
Mindest Sicherung?

Da wurde die Mindestsicherung als "Vereinheitlichung der vielen verchiedenen Sozialhilfe-Systeme" angepriesen, und jetzt wird wieder bundesländerweise herumgeeiert? Dieser Föderalismus-Filz wird immer unerträglicher (und unfinizierbarer!)...

eisy57
24.08.2010 10:50
Einfachste Lösung:

Bundesländer abschaffen !

buena1vista1
24.08.2010 10:04
Absurde ...

Gesetze, wenn es nicht mal möglich ist, an einem Strang zu ziehen und es gleichzeitig zu starten.

gerhard maierhofer
24.08.2010 09:52
die bundeseinheitliche mindestsicherung

ist eigentlich so sinnlos. macht eh jedes land was es will.

byron sully
24.08.2010 14:38

ich find's ja interessant, wie sowohl von befürworterInnen als auch von gegnerInnen dauernd von einer großen veränderung gesprochen wird. in wirklichkeit ändert sich eigentlich nur eines: sozialhilfebezieherInnen hatten bislang keine e-card, nun kriegen sie eine. das ist auch schon die einzige wirklich wesentliche reform. sonst bleibt im großen und ganzen das system gleich.

Poldi Fesch
24.08.2010 14:58
:) ganz

hab ich die Neuigkeit auch nicht ueberlauert

http://www.wien.gv.at/gesundhei... erung.html

Angela Engel
24.08.2010 15:54

Aber dafür reiben sich die Freunderln von den "Schulungs"-Instituten und professionellen Sklavenvermittlern schon die Hände.

Poldi Fesch
24.08.2010 15:59
ja, irgendsowas

ich war vor ca 12 Jahren in so einem AMS- kurs, das war aber irgendwie recht harmlos

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