Wettlauf um Rohstoffe

23. August 2010, 18:33
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Der globale Wettbewerb um Ressourcen wird härter. Um sich Vorräte zu sichern, greift China nach Düngerproduzenten Potash. Weitere Fusionen stehen an

Der globale Wettbewerb um Ressourcen wird nach der Wirtschaftskrise härter. Um sich Kali-Vorrat zu sichern, greift China nach Potash, dem weltgrößten Düngemittelhersteller. Ein neuer Rekord an Fusionen bahnt sich an.

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Wien/Melbourne - Der Krieg um die Rohstoff- und Chemieressourcen geht nach der Wirtschaftskrise in die nächste Runde. Angetrieben durch den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg von China und Indien wird der Rohstoffsektor von einer Welle an Übernahmeversuchen überschwemmt. Es gilt, die knappen Ressourcen vor den Konkurrenten zu sichern.

Die derzeit größte Schlacht ist jene um den kanadischen Düngemittelhersteller Potash. Dieser wehrt sich gegen eine feindliche Übernahme durch BHP Billiton, des weltgrößten Minenkonzerns. Der britisch-australische Bergbauriese hat Potashs Managment umgangen und sich direkt an die Aktionäre gewandt. Insgesamt 39 Milliarden Dollar (30,7 Mrd. Euro) will man investieren, das sind 130 Dollar pro Aktie. Potash hat von seinen Aktionären gefordert, ihre Anteile nicht zu verkaufen. Das Angebot sei "gröblich unangemessen" , ließ Potash-Verwaltungschef Dalls Howe wissen.

Doch auch die chinesische Sinochem-Gruppe und der brasilianische Vale-Konzern steigen in die Übernahmearena. Laut einem Unternehmenssprecher des chinesischen Staatskonzerns sei man "interessiert an Investitionen im ausländischen Kalisektor" . China selbst verfügt nur über sehr wenig Kali, das neben Stickstoff und Phosphat einer der drei Hauptbestandteile von Düngemitteln ist.

Sinochem und Potash sind bereits miteinander verbunden, denn die Kanadier besitzen 22 Prozent des Tochterunternehmens Sinofert. Der Kampf um Potash ist das größte Fusionsvorhaben des Jahres und facht Übernahmefantasien in der gesamten Branche an. Die Aktien von Potashs Rivalen, der deutschen K+S, stiegen am Montag um 1,6 Prozent und setzten sich an die Spitze des Dax, da man im Falle eines Scheiterns des Deals mit einem Angebot an K+S rechnet.

Rekorde bei Übernahmen

Dennoch ist der Kampf um Potash nur die Spitze des Eisbergs. Allein in dieser Woche wurden im Rohstoffsektor Angebote im Gesamtwert von 50 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Das Fusionskarussell in der Agrochemie dreht sich schneller denn je. Vale kaufte dieses Jahr bereits Werke des US-Agrarriesen Bunge in Brasilien. Wert: 3,8 Mrd. Dollar. Zurzeit tobt auch ein Bieterkampf zwischen GrainCorp. und Agrium um den australischen AWB. Agrium bot auch um Terra Industries, unterlag jedoch CF-Industries. In einer Studie zählt PricewaterhouseCoopers (PwC) für das erste Halbjahr weltweit insgesamt 522 angekündigte Transaktionen in der Chemie nach 482 im Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete man schon sieben Deals im Milliardenbereich.

Dem Datenanbieter Dealogic zufolge haben die Fusionen und Übernahmen dieses Jahr bereits jetzt einen Wert von mehr als 316 Mrd. Dollar, was ein Rekordwert nach acht Monaten ist. Es ist zu erwarten, dass auch der Gesamtjahresrekord von 384 Mrd. Dollar im Jahr 2006 gebrochen wird.

Die Gründe für den Rohstoff-Run sind vielfältig. Während der Krise, aber auch kurz danach, trauten sich Unternehmen noch nicht, Fusionen dieser Größenordnungen anzustreben. "Die strategischen Player haben sich ein gewisses Polster angespart während der Krise" , sagt PwC-Chemieexperte Volker Fitzner. Die konstant wachsende Nachfrage nach Dünger und daher Kali ist durch das steigende Bevölkerungswachstum und die geringer werdenden Ackerflächen bedingt. Schwellenländer wie China und Indien, die sich rasant entwickeln, sind ganz besonders davon betroffen, da größerer Wohlstand mit größerem Fleischkonsum einhergeht und die Haltung von Tieren aufgrund des Futters große Mengen an Dünger verbraucht.

Höherer Bedarf an Dünger

Außerdem kaufen die Bauern durch die erneut stabilen Getreidepreise mehr Dünger. Sollte BHP der Einstieg ins Kaligeschäft gelingen, stehen einige Änderungen an, allen voran bei den Preisen, weil BHP sein Kali unabhängig vermarkten will "Die Preise für Kali könnten je Tonne um 50, 75 oder 100 Dollar je Tonne sinken" , behauptet Branchenberater David Asbridge. (pej, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2010)

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    China braucht Kali, um den steigenden Düngemittelbedarf zu decken. Der Anstieg bei den Bevölkerungszahlen und der höhere Lebensstandard fordern Ressourcen, die China nicht hat.

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