"Terrorermittlungen könnten sich in Zukunft häufen"

23. August 2010, 18:26
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    foto: christian fischer fotografie

    Überzeugungen und Motive sollen laut Bernd-Christian Funk nicht bestraft werden - sondern lediglich die Taten als solche.

Brandanschlagverdächtige Studenten aus U-Haft entlassen – Anklageausweitung weiterhin möglich

Wien - Montagvormittag gegen elf Uhr öffnete sich für die vier jungen Leute die Gefängnispforte: Ende der U-Haft für drei Wiener Kunststudentinnen und ihren männlichen Kommilitonen, die laut Staatsanwaltschaft an einem Brandanschlag auf zwei Mistkübel vor der Filiale des Arbeitsmarktservice Redergasse am 27. Juni beteiligt gewesen sein sollen.

Doch die Enthaftung gilt nur bis auf Weiteres. Die Staatsanwaltschaft Wien hat sich gegen die Entlassung nach sechs respektive vier Wochen etwaige Rechtsmittel vorbehalten. Auch die Strafandrohung ist hoch: Neben Ermittlungen wegen Brandstiftung und schwerer Sachbeschädigung - laut Arbeitsmarktservice beläuft sich der Schaden an Kübeln und Außenwänden auf rund 100.000 Euro - steht nach wie vor eine Ausweitung der Vorwürfe vom "verbrecherischen Komplott" auf die "Bildung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" im Raum, mit einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren.

Frage nach umfassenden politischen Zielen

"Ob es dazu kommt, wird sich erst im Laufe der weiteren Ermittlungen herausstellen" , sagte dazu am Montag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Michaela Schnell. Ausschlaggebend für oder gegen Terrorermittlungen werde sein, "was die Gruppe bezweckt hat - und mit welchen Mitteln" . Die Frage sei, ob es sich um umfassende politische Ziele handle, die mittels strafbarer Taten erreicht werden sollten.

Zudem, so Schnell, würden "noch mehr Täter vermutet" : Alles in allem also eine schwerwiegende Verdachtslage: "Andernfalls wären die vier wohl nicht so lang in U-Haft gesessen."

Experte kritisiert 278er Paragrafen

Für den Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk ist dies eine "problematische Argumentationsumkehr" . Dass die U-Haft so lang war und die möglichen strafrechtlichen Vorwürfe gegen die Studierenden derart schwerwiegend sind, habe vielmehr auch mit den zur Anwendung kommenden Gesetzen gegen organisierte Kriminalität zu tun. Diese würden "über das Ziel hinausschießen. Mit den 278er-Paragrafen des Strafgesetzbuches droht eine Abkehr von einer Errungenschaft des Strafrechts im 18. und 19. Jahrhundert, nämlich, dass man damals dazu übergegangen ist, statt Überzeugungen Taten als solche zu bestrafen" , kritisiert der Experte.

"Konstruktionsfehler"

Stattdessen, so Funk, stehe bei Ermittlungen wegen Mafia- oder Terrorverdachts jetzt erneut die Motivation des Verdächtigen im Mittelpunkt. Ein Schuldspruch laut Paragraf 278 und Folgebestimmungen sei es auch ohne Beweise möglich, an einer kriminellen Tat beteiligt gewesen zu sein: Ein "Konstruktionsfehler" , durch eine zu breit gefasste Formulierung (siehe "Wissen" ), der repariert werden müsse. Funk: "Sonst könnten sich derartige Terror- und Mafiaermittlungen in Zukunft häufen" .

Ähnliche Kritik von Funk und anderen Rechtsexperten ist auch bereits in Zusammenhang mit dem Tierschützerverfahren aufgekommen: Wie berichtet, stehen 13 Aktivisten wegen des Verdachts, einer "kriminellen Organisation" anzugehören, seit Monaten vor Gericht. Bei gewalttätigen Sorgerechtsaktivisten und gegen Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer besteht ebenfalls Verdacht krimineller Organisation. (Irene Brickner, DER STANDARD-Printausgabe, 24.08.2010)

WISSEN

Umstrittener Gesetzespassus

Mitglied einer kriminellen Vereinigung ist laut Paragraf 278 StGB, wer "im Rahmen der kriminellen Ausrichtung (der Gruppe, Anm.) eine strafbare Handlung begeht oder sich an ihren Aktivitäten durch die Bereitstellung von Informationen oder Vermögenswerten oder auf andere Weise (Hervorhebung v. d. Red.) beteiligt" . Für mafiöse und terroristische Gruppen gilt das laut Paragrafen 278a und 278b gleichfalls. Der Passus "oder auf andere Weise" sollte laut Experten Funk gestrichen werden . (bri)

Nachlese:

Müllkübel angezündet: Vier Studierende enthaftet

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 287
1 2 3 4 5 6 7
Freies Österreich
01
7.12.2010, 20:22
Terror?

Wenn die Österreichische Regierung so weiter macht,... hat sie sowieso "Terror"...Aber vom eigenen VOLK!

Lucky Luke 1988
40
LOL KUnststudenten

die haben ja Zeit... ich wette ich lern in 1 Semester das was die in ihrem ganzen Studium lernen (quantitativ).

Ravenhorst
11
Die Generation Internet hat sich wohl überschätzt....

mga1
03
25.8.2010, 16:44
na dann lasst uns doch gemeinsam ein zeichen setzen:

derzeit laufende petition unterstützen auf http://www.demokratie-retten.at/

das täntchen wieder
03
24.8.2010, 19:04
Mit den 278er-Paragrafen des Strafgesetzbuches droht eine Abkehr von einer Errungenschaft des Strafrechts im 18. und 19. Jahrhundert, nämlich, dass man damals dazu übergegangen ist, statt Überzeugungen Taten als solche zu bestrafen" , kritisiert der

nennen wir es doch beim namen: FEINDSTRAFRECHT.

für "feinde" - wobei selbstverständlich immer der staat definiert, wer das ist ;) - gelten die bürgerrechte nicht (mehr):

http://www.heise.de/tp/r4/art... 131/1.html

willkommen im staat. ich hoffe, ihr seid alle untertänigste untertanen.

Koma posten
20
24.8.2010, 18:32

wir müssen das Anti-kapitalistische Geseiere der jungen Aktivisten anders verstehen

Dadurch, dass wir in einer ordentlichen Welt leben wollen, ergibt sich ein Zwang - die einen drängt es nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung, und die anderen zu mehr Kapital

Was jetzt gesünder ist, darf sich der mündige Bürger selbst aussuchen

Dr. Freidank
03
24.8.2010, 17:39
Von hysterischen Spießern formulierte Security-Agenda

“Ich war von Anfang an entsetzt über die Leichtigkeit, mit der man hierzulande bereit war, sich einer zu unterwerfen.” (Peter Sloterdijk, profil 52, 21.12.2009, S. 58)

Dr. Freidank
01
24.8.2010, 19:11
sorry

sich einer VON HYSTERISCHEN SPIEßERN FORMULIERTEN SECURITY-AGENDA zu unterwerfen

Kinkidra
00
24.8.2010, 18:45

Sich einer was zu unterwerfen??

Philosophin
02
24.8.2010, 17:33
Die Überzeugung oder der Gedanke bleibt also noch Straffrei?

Wir sind wie mißhandelte Kinder nicht für den Protest zugelassen!

Der unbedingte Gehorsam wird eingebäut, weil abzesehen ist, daß nur Kriminalisierung aufrechter Demokraten das Feudalsystem noch einige Zeit am Leben halten wird.

Wir müssen Grokonelle in die Schranken weisen - sonst tauschen die nicht nur die Bevölkerung aus, sondern kriminalisieren die Gesellschaft.

Hugo Stolz
02
24.8.2010, 17:03
Nicht einmal ein politisch ungebildeter Mensch wie ich,

kann übersehen, dass die Bekämpfung des Terrorismus nie ein anderes Ziel hatte, als die eigene Bevölkerung.

Nach heutigen Maßstäben wäre sogar die Besetzung der Donau-Auen ein Akt des Terrors gewesen.

Durch Fernsehen deppert wur'n
28
24.8.2010, 16:59
So wie es derzeit läuft, steuern wir auf einen Abgrund zu.

Höchste Zeit also, den Wahnsinn der letzten Jahre, der von ÖVP und dem BÖTZEN in die Wege geleitet wurde, wieder zurechtzurücken, wenn uns Demokratie und Rechtsstaat lieb sind und wenn wir unsere Kinder nicht in eine totalitäre Welt hineinsetzen wollen.

http://www.wkw.at/docextern... ojanow.pdf

Bitte Bitte
03
24.8.2010, 19:05
Dieses Gesetz ist nicht hausgemacht

sondern wurde im Rahmen des War of Terror diktiert.

Nach der Verweigerung des Alten Europas sich 2003 am Irak-Krieg zu beteiligen, wird dieses nun i. S. des PNAC/FPI
http://www.mein-parteibuch.com/wiki/PNAC
sehr erfolgreich, wie das hündische Verhalten Deutschlands zeigt, auf Schiene gebracht.

Der Mann für AT heisst Richard Perle
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Perle
und sitzt in der OECD Wien.

Dieser Herr möchte nur sicher gehen, dass aus dem Wienerschnitzel kein "Freedom Schnitzel" wird.

Die Gefahr ist auch sehr gering. Schüssel war ja 2003 mehrfach einer der ersten Bush-Besucher im Weissen Haus, aber die Bevölkerung muss sich erst daran gewöhnen.

Apparat und Medien spuren eh schon brav.

Durch Fernsehen deppert wur'n
214
24.8.2010, 16:50
Die Verschüsselung unserer Republik rückgängig zu machen, wird ein hartes Stück Arbeit werden.

Inzwischen ist es für jeden offenkundig, was die Kommerzpartei mit ihrem Bürgerüberwachungswahnsinn bezwecken will: Das Ausschalten aller Zivilcourage und allem Engagements gegen herrschende Missstände.

Denn für eine durchkommerzialiserte Gesellschaft gibt es gibt nichts Lästigeres als mündige und frei denkende Bürger.
Da die Kommerzpartei somit vor nichts mehr Angst hat als vor dem mündigen Bürger, führt sie Gesetze ein, um diese Mündigkeit totzutreten.
Zum Glück wachen immer mehr Menschen auf und lassen sich das nicht mehr gefallen.

(Sogar der alte Verfassungsgerichtshof-Präsident Karl Korinek hat den derzeitigen Überwachungszustand in Österreich mit der DDR und der Stasi verglichen. -Wenn da nicht alle Alarmglocken läuten,...)

Mim103
02
24.8.2010, 16:33

Ich könnte schon kotzen, wenn Leute, die Mistkübel angezündet haben und Leute, die garnichts Illegales getan haben, sondern nur der Wirtschaft auf die Nerven gegangen sind, in einem Atemzug genannt werden mit Wirtschatskriminellen großen Stils.

higggins
16
24.8.2010, 16:08
ams redergasse

viele der "klienten" des o.a. ArbeitsMarktService (wo gibts dort ein Service???) haben sich sicher schon oft gewünscht, daß diese Institution, in der jeder wie der allerletzte Ar... behandelt wird, endlich abgefackelt wird...

*QED*
73
24.8.2010, 15:59

Tierschützer sind nicht notwendigerweise Butter-
säureattentäter. Politischen Willensäußerungen
erfordern keine Brandanschläge. Letztere können
Leib und Leben gefährden.

Engel Bert
23
24.8.2010, 18:16
Nachts und am Wochenende eher nicht.

Josef Handt
00
14.1.2011, 17:51

Wissen Sie ob nachts/am Wochenende nicht doch vielleicht irgendwer in einem Buerogebaede ist? Wenn auch nur ein Nachtwaechter? Feuer koennen im schlimssten Fall auch auf umliegende (Wohn)Gebaeude uebergreifen. Nein. mit Feuern ist nicht zu spassen und Brandstiftung ist kein Kavaliersdelikt. (Aber natuerlich ist der Terror- und kriminelle Vereinigung etc hier voellig unangebracht)

mike sierra
04
24.8.2010, 18:15

Brandstiftung sollte auch als solche geahndet werden und nicht als "terroristischer" Akt (mit Einschränkung der Rechte im Strafverfahren gegenüber normalen Verfahren).

GRohnePunkte
26
24.8.2010, 15:46
Interessant ist schonn, dass jene Generation welche selbst die 68er Revoluzzer waren ...

... nun diesen vermaledeiten Terrorparagraphen gegen Tierschützer und ein paar Mistkübelanzünder und Sachbeschädiger anwendet. Würden sich diese Damen und Herren an ihre eigene Studentenzeit in den berühmten 68er Jahren nur zurück erinnern, als sie Unis beschmiert, Schreibtische zertrümmert und auf den Rektorsstuhl gek*ckt haben, sie müssten eigentlich alle heutzutage schon die Oberterroristen sein.

Vielleicht sind sie das sogar geworden, und mein vorheriger Satz war eine ungewollte, zufällige aber zutreffende Tautologie gewesen, wenn man sich die menschenfeindliche und gesellschaftszerstörende Orwell'sche Überwachungspolitik von heute so ansieht.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
24.8.2010, 16:54
Was ist geblieben

vom 68er-aufbruch, ausser der kacke?

wo bin ich?
01
24.8.2010, 16:40

etwas verklärt ihr Blick. vielleicht ein Drittel der Studenten hat mit der 68er Bewegung symphatisiert, der Rest hat brav studiert, auf die Tische *gek* hat von denen mit Sicherheit keiner.

GRohnePunkte
13
24.8.2010, 17:10
Das hatte ich natürlich vergessen zu erwähnen ...

.... denn diejenigen Studenten, meist aus gutem Hause, die sich aus Spass gegenseitig ihr Gesicht zerschnitten haben, waren natürlich nie unter den 68er Revoluzzern zu sehen. Das wäre auch unschicklich gewesen.

Ich meinte damit eigentlich nur die normalen Studenten von damals.

Kinkidra
04
24.8.2010, 18:50

Tja, und jetzt raten Sie mal, welche der von ihnen genannten Studenten heute in der Regierung sitzen... Solange dieses Land von Burschaftlern regiert wird, stehen wohl alle Studenten, die keiner "Schlagenden" angehören, unter Terrorverdacht. (außer vielleicht ein aar WUler.)

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