Wüstenstrom schiebt Technologien an

23. August 2010 18:42
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    Foto: siemens

    Bei solarthermischer Stromerzeugung, hier in Spanien, wird Wasser erhitzt, das verdampft, wodurch eine Turbine angetrieben wird.

Die Vorarbeiten rund um das prestigeträchtige Wüstenstromprojekt sind mittlerweile weit gediehen

Die Vorarbeiten rund um das prestigeträchtige Wüstenstromprojekt sind mittlerweile weit gediehen, erläutert Siemens Renewable Energy-CEO René Umlauft. Auch gegen den Vorwurf des Energiekolonialismus wappnet sich das Konsortium.

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Wien - Rund um das Prestigeprojekt Desertec in der afrikanischen Wüste bündelt Siemens gerade seine Technologien. "Wir sind Gründungsmitglied der Desertec Industrie-Initiative und überzeugt, dass ein derartiges Projekt nicht nur in Afrika sondern auch in anderen Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung umgesetzt werden kann", erläutert René Umlauft, Siemens Renewable Energy-CEO.

Wobei das Industriekonsortium, dem Siemens angehört, seit kurzem auf den bekannten Namen Desertec verzichtet und statt dessen nur mehr in der Kurzform Dii (Desertec Industrial Initiative) auftritt. Desertec: darunter wird seit letztem Sommer die Idee verstanden, Wüstenstromprojekte wie das in der Sahara zu verwirklichen. Hinter der deutschen Dii GmbH hingegen stehen Industrieunternehmen und Banken, die das Potenzial von Windkraft und Sonnenenergie konkret in der Region - Nordafrika und dem Mittleren Osten - nutzen wollen. Die Desertec Foundation ist bei Dii zusammen mit 15 anderen Unternehmen mit an Bord. Darüber hinaus sind 24 Unternehmen assoiziiert, darunter zwei österreichische, die OMV sowie ILF, ein beratendes Ingenieurbüro.

Dii arbeitet derzeit noch im Pilotstadium erläutert Umlauft. Die Idee sei jedoch, in Marokko mit einer CSP-Anlage zu starten. CSP, das steht für Concentrated Solar Power, die neben neben Windkraftanlagen ein Schlüsselbestandteil von Desertec-Projekten angesehen werden. Theoretisch könnte mit einer CSP-Anlage, die ein Prozent der Fläche der Sahara bedeckt (300 Kilometer mal 300 Kilometer) der gesamte Strombedarf der Erde gedeckt werden, erläutert Umlauft.

Doch ist der Vorwurf des Energiekolonialisums bereits laut geworden. Umlauft hält hier dagegen: "Wir werden die Staaten, in denen Dii aktiv wird, in jeder Phase möglichst eng einbinden." Und zwar über lokale Bau- und sonstige Zulieferfirmen sowie beim Betrieb der Kraftwerke und Stromleitungen. "Das Wüstenstromprojekt wird eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in den Regionen schaffen." Andererseits sei geplant zunächst die involvierten Staaten mit Strom zu versorgen und dann den Export auf Europa auszudehnen.

Stromautobahnen

Relativ weit sei man auch bei den Übertragungsleitungen, erläutert Umlauft im STANDARD-Gespräch, mit denen der in Afrika bzw. im Nahen Osten erzeugte Strom nach Europa transportiert werden soll. Auch dabei habe Siemens Technologien entwickelt, die dafür sorgen, dass über die langen Distanzen so wenig Strom wie möglich verloren geht (HGÜ-Technologie, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung). Diese transportiert seit heuer in China Strom über 1500 Kilometer von einem Wasserkraftwerk in der Provinz Yunnan in die Küstenregion Guangdong. Siemens realisierte auch die HGÜ-Seekabelverbindung zwischen Tasmanien und Australien, die so genannte Basslink. Mit dieser Technologie betragen die Stromverluste weniger als drei Prozent pro tausend Kilometer.

Studien zufolge weden die notwendigen Investitonen für solarthermische Kraftwerke und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent auf 400 Milliarden Euro bis 2050 geschätzt.  (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 144
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vray
13.09.2010 18:17

Und warum bauen wir keine Solarkraftwerke im Wöltall?...da kann man den Strom dann auf der ganzen Welt 24h am Tag verkaufen...logischerweise dorthin wo er gerade teuer ist.

José Atento
24.08.2010 17:07
Das Ganze klingt im Prinzip wirklich gut

Da fragt man sich, warum eigentlich nicht die nordafrikanischen Staaten schon längst draufgekommen sind, dass sich so das Energie- und Wasserproblem "einfach" lösen lässt?

Vermutlich ist der Grund, weil es noch immer eine relativ kostspielige Lösung ist. Die haben doch noch immer genügend billiges Rohöl.

Ein sehr ehrgeiziges Projekt. Ich vermute, dass man vergessen hat, dass eigentlich die meisten europäischen Staaten pleite sind. Also wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?...

Heavyweather
13.09.2010 12:16

Das billige afrikanische Öl haben schon längst die Chinesen entwickelt.

FSK
24.08.2010 16:20
hat nur sinn, wenn man diese gebiete auch unter hoheitskontrolle hat.

yomellamo
24.08.2010 16:30

... es ist ja nicht so, dass wir jetzt ueber die oelfoerdergebiete ueberall die hoheit haetten.

die wueste hat schon einige vorteile. Ein Faktor 2 an energie im vgl. zu suedeuropa. Ein anderer vorteil ist auch, dass diese anlagen nicht zwingend an einen ort gebunden sind wie zb. oelquellen, sondern man sie eben dort aufstellen kann wo die sonne scheint, wo man aber weniger politische probleme hat.

werauchimmer1
 
24.08.2010 14:48

lokale erzeugung wäre wo möglich sinnvoller, ansonsten ein faszinierendes potential...

José Atento
24.08.2010 17:24

Ich denke, dass in Südspanien oder Griechenland solche Anlagen sinnvoller wären, als in der Wüste Afrikas.

100 - 250 GWh/km²a. Da könnte man doch in Südspanien (oder auch Griechenland) leicht ein paar 100 km² für solche Anlagen "opfern", oder?
Warum gibt es dort solche Anlagen noch nicht?
Ist es doch nur ein nicht-finanzierbares Hirngespinst?

Heavyweather
13.09.2010 12:22

Warum nicht 2,2TWh/km²a überall auf der Welt?
Für 24/7 Solarstrom braucht es ca. 10-15km².

Grisu der kleine Drache
25.08.2010 09:57

Genau in Südspanien gibt es die meisten dieser Anlagen und die meisten Neubau-Projekte:

http://en.wikipedia.org/wiki/List... r_stations

yomellamo
24.08.2010 16:31

ich denke sowohl lokale projekte als auch solche wie desertec haben ihre berechtigung.

Peter_23
24.08.2010 12:39
Die Einzigen die sich da freuen

sind Firmen wie Siemens. Denn die können, dank scheinbaren Öko, massiv öffentliche Fördermittel lukrieren. Denn wer will nicht das Klima retten?

Nur leider rechnen sich solche Projekte nicht. Selbst die jeweiligen sonnigen Länder in Afrika setzten bei ihrer Stromversorgung viel lieber auf Öl- oder Gaskraftwerke. Wo Siemens natürlich auch kräftig mitmischt, nur das sagens nicht so.

Konkret: El Kureimat in Ägypten. Das angebliche Vorzeigeprojekt von Desertec wo es schon was zum Anschauen und nicht nur Papier gibt.

40MW hat das Solarkraftwerk in El Kureimat. Gleich daneben steht ein von Siemens errichter GuD-Block mit 750MW. Für die Hälfte der Kosten.

Schöne neue Solarwelt? Nein! Schöne neue Fördergeldwelt (mit Steuergeld).

di mike
24.08.2010 15:03

Und wieviel kostet das Gas über die nächsten 30 Jahre und wieviel kostet im Vergleich dazu der Betrieb des Solarkraftwerks ?

Peter_23
24.08.2010 19:02
Von Phantasiezahlen hat keiner was

Lesen Sie einfach ein wenig quer. z.b. hier:

http://www.eurosolar.de/de/index.... Itemid=254

Und die Eurosolar ist alles andere als von der ach so finsteren Atomlobby oder der Redölindustrie gekauft.. ;-)

di mike
24.08.2010 21:49

Das beantwortet meine Frage nicht im geringsten und wirft natürlich auch noch die Frage auf, wieso Betriebskosten Phantasiezahlen sein sollen.

Ivan Bukov
24.08.2010 13:11

Die ganzen Presse- und Marketingfuzzies wuerden ja sonst alle umsonst bezahlt bekommen. Obiges ist clevere Oeffentlichkeitsarbeit. Trotzdem ist das Projekt zu begruessen.

Fritz Wunderlich
24.08.2010 11:50

marokko, algerien, tunesien
ehemals französische kolonien
heute königreich oder diktaturen mit islamistischen untergrund
werden diese länder auch davon profitieren, die bevölkerungen?
wird die eu erpressbar, durch diese diktaturen?
kann man sich militärische interventionen vorstellen?
führt das in neue formen der kolonialisierung oder im gegenteil?

Peter_23
24.08.2010 12:49
Selbst diese Länder setzten nicht auf Sonnenkraftwerke

Marokko, Algerien, Tunesien decken mehr als 95% ihres Strombedarfs aus kalorischen Kraftwerken - die einen Bruchteil kosten und auch in der Nacht Strom liefern können.

Desertec führt nicht in eine Form von Kolonialisierung sondern ist eine Form des "Wie zapft man in den Westlichen Ländern möglichst viel Fördergeld ab". Subventionen in Reinkultur.

Gefeiert wird dieses Reinpumpen von öffentlichen Mitteln in Privatfirmen unter dem Mäntelchen des Klimaschutzes (was nicht erfüllt werden kann). Und medial wird es als "Ökologisierung" dargestellt, damit diese Art der Subventionen politisch "durchdrückbar" sind.

Schon einfache Überschlagrechnungen der Leistungen zeigen den Irrsinn dieses Projekts auf.

Erwin Brandstetter
24.08.2010 21:03

Wenn die Überschlagsrechnungen so einfach sind, dann überschlagen Sie frisch drauf los!
Wir, die geneigten Leser, harren voller Neugierde ...

José Atento
24.08.2010 17:32

Ich sehe das ähnlich. Die Fianzierbarkeit ist kaum erklärbar. Schon gar nicht unter den gegebenen sehr schlechten Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft.

Wir müssen leider in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten den günstigsten und effizientesten Weg gehen. Der ist leider noch immer in der Rohöl- und Erdgas- Nutzung gegeben.

Trotzdem sind Anstrengungen in diese Richtung wichtig, ganz klar. Aber zu viel Optimismus ist auch nicht angebracht. Denn wer soll diese riesigen Subventionen unter dem grünen Mäntelchen wirklich bezahlen? Natürlich der Steuerzahler! Doch dieser blutet schon jetzt massivst.

Grisu der kleine Drache
25.08.2010 10:54

Ich bin Subventionen gegenüber sehr kritisch, aber man muss dem deutschen EEG (und vergleichbaren Regelungen in anderen Ländern) zugestehen, dass es die technische Entwicklung der Erneuerbaren Energien stark angeschoben hat und erfolgreicher war als selbst von manchen Befürwortern erwartet (siehe etwa den rapiden Preisverfall bei Solarmodulen).

Es mag effizientere Wege geben, die Entwicklung voranzutreiben, aber einen schnelleren sehe ich nicht, und mit ist vor allem wichtig, dass wir möglichst rasch dem Ziel der Wirtschaftlichkeit näher kommen.

PS: Für das EEG zahlt nicht der Steuerzahler, sondern der Stromverbraucher.

Peter_23
24.08.2010 18:55
Man wird auch in 20 Jahren und danach den effizientest Weg gehen

Denn warum soll man absichtlich Energie verschwenden?

Der Punkt ist halt: Wenn Öl/Erdgas mal so wenig vorhanden sein wird, dass die Preise tatsächlich deutlich steigen, also nicht so wie jetzt nur ein paar 10% mal rauf, und das grossteils nur der Spekulationen auf den Rohstoffbörsen wegen, dann rentieren sich vielleicht auch solche Solaranlagen.

Nun heisst ein massiver Ölpreisanstieg, sagen wir das 10-fache und mehr, auch: Realwirtschaft bricht zusammen. Und zwar in grosser Linie. Ohne billiges Öl ist alleine schon das hin&her führen allerlei Waren quer über den Globus nicht mehr bezahlbar, kein PKW/KFZ mehr, keine Flüge mehr, etc pp..

Und das will eben fast keiner eingestehen, obwohl es auf der Hand liegt.

Grisu der kleine Drache
25.08.2010 10:30

Ich fasse die von dir beschriebene Strategie einmal kurz zusammen:

Heute sind fossile Brennstoffe einfach viel billiger als Solarenergie. Also lassen wir den geldverschwendenden Unsinn mit der Solarenergie.

Irgendwann wird das Öl knapp und massiv teurer werden. Dann bricht die Wirtschaft zusammen, weil man keine Alternative aufgebaut hat.

Es tut mir leid, aber besonders smart erscheint mir das nicht.

Ich will raus aus Öl und Kohle BEVOR die Wirtschaft zusammenbricht.
Und angesichts des einsetzenden massiven Klimawandels: Warum nicht schon heute? Wartest du auf ein Wunder?

Peter_23
25.08.2010 11:51
Als wirtschaftlich (betriebswirtschaftlich) denkender Mensch können Sie aber nicht jetzt raus aus dem Öl

Einfach weil Sie dann die x-fache Kosten haben und von der günstigeren Konkurrenz, die nach wie vor auf Erdöl setzt, geschluckt werden. Sie werden am Markt nicht bestehen.

Wirtschaft ist kurzsichtiges Denken. In Monaten, bestenfalls mal Quartalen. Alles was über 2..3 Jahre ist, ist scheinbar endlos weit weg.

Das ist natürlich nicht smart. Keine Frage, da stimme ich Íhnen gerne voll zu. Das Attribut smart ist nur leider praktisch völlig egal. Da nur der Gewinn und ca$h zählt.

di mike
24.08.2010 21:55

Realwirtschaft bricht zusammen, keine PKWs mehr, keine Flüge mehr, etc... (Wie Sie selbst schreiben passiert das, wenn man weiterhin nur auf Öl und Gas setzt)

Wenn Sie jetzt noch etwas weiterdenken dann kommen Sie noch drauf, dass es sinnvoll ist, Alternativen zu haben auch wenn die im Moment noch etwas teurer sind.

Wicked Vienna
24.08.2010 14:49

Und kalorische Kraftwerke sind natürlich der Weisheit letzter Schluss und unbegrenzt betreibbar...

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