Mehr Wutausbrüche!

23. August 2010, 18:01
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Regisseur Werner Herzog musste für die Anfälle Kinskis dankbar sein

In dem von Sport, Brauchtum und Hangar-Diskussionen dominierten Servus TV finden sich auch unerwartete Fundstücke. Alte und mittelalte Spielfilme und Dokumentationen, die ohne Jubiläums- oder sonstige Anlässe einfach so daherkommen. Eine echte Trouvaille, und das auch noch zu annehmbarer Stunde (ab 22 Uhr), war in diesem Zusammenhang am Sonntag Werner Herzogs Filmdokumentation Mein liebster Feind (1999) über den Schauspieler Klaus Kinski und dessen berüchtigte manische Launen; sie haben nicht nur die Filmcrew im peruanischen Dschungel immer wieder an die Grenzen der Duldsamkeit getrieben.

Da schreit Mick Jagger (fast hätte er die Titelrolle in Fitzcarraldo gespielt) von einem Dorfkirchturm herunter, und da schmeißt sich die großartige Claudia Cardinale auf den allzeit tobsuchtsbereiten Kinski in der Hängematte, dass es kracht. Dem zuzusehen ist eine ideale Sonntagabendbeschäftigung.

Immerhin kann man diese als Dokumentation getarnte Hommage an Klaus Kinski als Studie für eigene Tobsuchtsanfälle am Arbeitsplatz nützen. Und das beste daran: Dem Chef gefällt's!

Mehr noch: Regisseur Werner Herzog musste für die Anfälle Kinskis dankbar sein. Als Kommentator seiner eigenen Geschichte berichtet er, wie einigermaßen gut er mit den Wutausbrüchen Kinskis zu Rande gekommen ist, und dass es für Kinski gar nötig gewesen wäre, sich vor den Takes aufzuplustern, bis dass Schaum aus seinen Mundwinkeln drang, und erst dann, als Kinski sich an den Ufern des Amazonas leergeschrieen hatte, konnte er den Aguirre spielen. Wenn da nicht etwas für den ganz normalen Berufsalltag dabei war. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 24.8.2010)

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    Kinski in "Mein liebster Feind"

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