"Heißer Herbst" im Hypo-U-Ausschuss

23. August 2010, 17:57
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TV-"Kronzeuge" Christian Rauscher soll auch vor dem Kärntner U-Ausschuss aussagen

Klagenfurt - Einen "heißen Herbst" kündigen der Vorsitzende des Kärntner Hypo-Untersuchungsausschusses Rolf Holub an. Holub und sein bayrischer Kollege Sepp Dürr wollen nun gemeinsam in Kärnten und in Bayern noch mehr Druck machen, Licht ins Dunkel der Hypo-Skandalcausa zu bringen. Zuletzt hatten sich ja die Enthüllungen überschlagen. Der Kärntner U-Ausschuss jedenfalls soll im heurigen Oktober fortgesetzt werden.

Holub will dann auch den ehemaligen Hypo-Mitarbeiter Christian Rauscher vor den Kärntner U-Ausschuss laden, kündigte er gegenüber dem Standard an: "Die Hypo ist der größte Kriminalfall Mitteleuropas, alles, wirklich alles muss auf den Tisch." Ob Rauscher dem Folge leisten wird, ist offen, zumal er sich schon beim ersten Hypo-Ausschuss 2007 der Aussage mit Hinweis auf laufende Ermittlungen entschlagen hatte. Dieser hatte dann auch kaum Ergebnisse gebracht. Weiters sollen Vertreter der BayernLB, die ehemaligen Vorstände Günter Striedinger, Siegfried Grigg, Josef Kircher und Tilo Berlin aussagen. Letzterer dürfte sich wohl ebenfalls wegen laufender Ermittlungen gegen ihn entschuldigen.

In der ZiB 2 war Christian Rauscher, der 2004 in die Hypo-Swap-Affäre mit einem Schaden von 328 Millionen Euro verwickelt war, überraschenderweise als "Kronzeuge" gegen die Ex-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger aufgetreten: "Dann wird er wohl auch vor dem U-Ausschuss reden" , hofft Holub. Rauscher erzählte in der ZiB 2 von "diskreten Geldgeschäften" mit Geldkoffern, die über Klagenfurt getätigt wurden, politischen Interventionen für die Balkan-Geschäfte der Hypo von Jörg Haider bis Karl-Heinz Grasser, vom Netzwerk der Hypo-Vorstände, das mit dem in Kroatien derzeit in Haft befindlichen Ex-General Vladimir Zagorec gemeinsame weitverzweigte Geschäfte tätigte und bei Bedarf beim kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader und dessen HDZ-Partei politischen Rückhalt fand. Striedinger weist alle diesbezüglichen Vorwürfe zurück.

Grüner Zwischenbericht

Im September möchten die Kärntner Grünen jedenfalls bereits einen Zwischenbericht vorlegen. "Wir wissen, dass die Finanzmarktaufsicht nicht funktioniert hat und dass die Kontrollmechanismen in der Bank versagt haben" , erklärte Holub. Außerdem sei aufgrund der Protokolle des bayrischen U-Ausschusses ersichtlich, dass einige Zeugen im ersten Kärntner Hypo-Untersuchungsausschuss nicht die Wahrheit gesagt hätten.

Sepp Dürr von den Bayrischen Grünen berichtete, dass aufgrund von 34 Zeugenaussagen in München bereits klar sei, dass beim Verkauf der Hypo Alpe Adria an die Bayerische Landesbank "grob fahrlässig" gehandelt worden sei. Nicht aus der Verantwortung nehmen könne sich auch der Aufsichtsrat, die Vertreter der österreichischen Eigentümer, Grazer Wechselseitigen (Grawe) sowie des Landes Kärnten, so Dürr. Auch der bayrische Verwaltungsrat sei seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. (stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2010)

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