Geschasster Reformer zurück an der Macht

23. August 2010, 17:58
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In Pjöngjang gibt es vor der Thronfolge Hinweise auf politische Veränderungen

Pjöngjang/Tokio - Große Veränderungen künden sich im abgeriegelten Nordkorea oft in kleinen Nachrichten an. Am Wochenende schürte ein Bericht von Nordkoreas Zentraler Rundfunkanstalt über den 50. Geburtstag des berühmten Okryu-Restaurants in der Hauptstadt Pjöngjang im Ausland die Hoffnung, dass mit der bevorstehenden Ernennung von Kim Jong-un, dem jüngsten Sohn des Staatschefs Kim Jong-il, zum Thronfolger Wirtschaftsreformen winken könnten. Viele Kader hätten am Festschmaus teilgenommen, berichteten die Staatsjournalisten, "darunter Pak Pong-ju, erster stellvertretender Direktor des Zentralkomitees der Arbeiterpartei" .

Bei Nordkorea-Beobachtern schlug diese Randnotiz hohe Wellen. Denn der 2007 vom Ministerpräsidenten zum Fabrikmanager degradierte ehemalige Wirtschaftsreformer kehrt zu einem brisanten Zeitpunkt ins Machtzentrum zurück. Im September will Nordkoreas Arbeiterpartei erstmals seit 44 Jahren eine Tagung abhalten, um, wie es amtlich heißt, eine neue Führung zu wählen. Experten gehen allerdings davon aus, dass der erst 27-jährige Kim Jong-un einen wichtigen Posten erhält und damit endgültig für alle sichtbar zum Nachfolger seines gesundheitlich angeschlagenen Vaters ausgerufen wird.

Schon seit Monaten laufen die Vorbereitungen für die Thronfolge. In Fabriken werden Hymnen auf Kim Junior gesungen und Plakate aufgehängt. Auch begleitet er seinen Vater auf Reisen durchs Land. Gleichzeitig wird die neue Führung personell abgesichert. "Viele Kader der mittleren Ebene, mit denen wir zu tun hatten, sind befördert worden", sagt ein Vertreter einer westlichen Organisation.

Pak ist in dem Personalkarussell eine zentrale Figur. Denn er gilt als ein Weggefährte von Kim Jong-ils Schwager Jang Song-taek. Jang ist als stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission nach Kim Zweiter der Hierarchie und gilt zumindest als Mentor von Kim Junior, wenn nicht gar als der wahre Herrscher. Pak könnte ihm die Wirtschaftsexpertise liefern, die das marode, von chronischer Mangelernährung gezeichnete Land nach zwei Jahren Rezession und einer gescheiterten Währungsreform gut gebrauchen könnte. Vor seiner Degradierung 2007 galt Pak als einer der Architekten vorsichtiger Wirtschaftsreformen.

Nach einer Überschwemmung im Norden des Landes ist die Lage wieder so ernst, dass selbst Vertreter von Südkoreas regierender Großen Nationalpartei überlegen, Reislieferungen als humanitäre Hilfe wieder aufzunehmen. (Martin Kölling/DER STANDARD, Printausgabe, 24.8.2010)

  • Thronfolger Kim Jong-un in jungen Jahren.
    foto: epa/yonhap

    Thronfolger Kim Jong-un in jungen Jahren.

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