Schnell essen, schneller dick?

Marietta Türk
2. September 2010, 12:03
  • Teilnehmer eines Spaghetti-Wettessens: Die Teilnehmer mussten eine 500 Gramm Portion Spaghetti Bolognese ohne Besteck und mit auf dem Rücken verschränkten Händen essen. Der Sieger gewann in 46 Sekunden und hat - wenn er das häufiger macht - ein erhöhtes Risiko übergewichtig zu werden.
    foto: ap/matthias rietschel

    Teilnehmer eines Spaghetti-Wettessens: Die Teilnehmer mussten eine 500 Gramm Portion Spaghetti Bolognese ohne Besteck und mit auf dem Rücken verschränkten Händen essen. Der Sieger gewann in 46 Sekunden und hat - wenn er das häufiger macht - ein erhöhtes Risiko übergewichtig zu werden.

Wie lange die Information "satt" vom Magen ins Gehirn braucht und was Hormone damit zu tun haben - Die Essgeschwindigkeit beeinflusst unseren Körper

Schnelles Essen ist ungesund, sagen Großeltern heute noch und vom Fast Food halten sie sowieso nichts. Sind die mahnenden Worte nur eine verstaubte Ansicht über Ernährungsgewohnheiten oder hat die Ess-Geschwindigkeit tatsächlich Einfluss auf unsere Gesundheit?

Griechische Forscher haben heuer im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism eine Studie veröffentlicht, in der sie den Einfluss der Essgeschwindigkeit auf das Sättigungsgefühl untersucht haben. Das Ergebnis: die Konzentration zweier Hormone, die dem Körper Sättigung signalisieren, stieg bei den Versuchspersonen tatsächlich an, wenn die Mahlzeit langsamer gegessen wurde. Auch das individuelle Sättigungsgefühl der Probanden war nach 30 Minuten größer als nach fünf Minuten. Laut diesem Experiment bekommt das Gehirn also bei einer langsamen Mahlzeit früher die Information, dass der Körper satt ist - eine Information, die für Menschen mit Gewichtsproblemen sicher relevant ist, denn schnell macht auch schneller dick. 

Auch ältere Studien haben sich mit dem Thema beschäftigt: Wissenschafter der Osaka University haben 2008 die Essgewohnheiten von rund 3.000 Menschen untersucht: Sie schätzten, dass sich das Risiko von Menschen übergewichtig zu werden mehr als verdoppelt, wenn Essen hinunter geschlungen wird. Männer, die dazu neigten hastig zu essen, hatten in dieser Studie sogar ein um 84 Prozent höheres Risiko übergewichtig zu werden. 

Sättigungsgefühl kommt später im Hirn an

"Beim Essen setzt das Sättigungsgefühl erst nach 20 Minuten ein - egal wie viel bereits zu sich genommen wurde", bestätigt auch Alexandra Hofer, Ernährungswissenschafterin der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE). Das Sättigungssignal gehe dabei vom so genannten ventromedialen Hypothalamus aus, der als Sättigungszentrum bezeichnet wird. Die Regulation erfolgt über Verdauungshormone wie Cholezystokinin, Serotonin und Leptin. "Wird mit hoher Geschwindigkeit gegessen, ist die gegessene Menge bis zur Sättigung höher als bei langsamer Nahrungsaufnahme. Schnelles Essen führt folglich zu höherer Kalorienzufuhr. Unter diesen Umständen kann Übergewicht entstehen."

Essbremse im Gehirn

Wie wichtig das Sättigungsgefühl für gebremstes Essen ist, untersuchte die Psychiaterin Diana Small von der Yale University: Sie untersuchte die Gehirnregion des Mandelkerns, die für unkontrolliertes Weiteressen eine Rolle spielt, bei stark übergewichtigen und normalgewichtigen Menschen. Sie fand heraus, dass übergewichtigen Menschen quasi die Stopptaste für Sättigung in dieser Gehirnregion fehlt. 

Weiter Nachteile zu schnellen Essens

Durch intensives Kauen ballaststoffreicher, pflanzlicher Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Gemüserohkost oder Obst wird die vermehrte Bildung von pufferndem, alkalischen Speichel angeregt, der der Vorverdauung und der Zahnerhaltung dient. "Dieser positive Effekt kommt nicht zustande, wird die Nahrung nur kurz gekaut und zu schnell geschluckt", so Hofer. Ballaststoffreiches Essen solle Fast Food vorgezogen werden, da letzteres sowohl sehr leicht schnell geschluckt werden kann, als auch der positive Effekt nicht hervorgerufen wird. Auch unangenehmes Völlegefühl, Magenschmerzen und Sodbrennen sind negative Folgen für Schnellesser.

Wissenschafter und Ernährungsexperten geben den Großeltern also recht. Beim nächsten gemeinsamen Mahl am Esstisch sollte man den gut gemeinten Rat also beherzigen und ihn nicht mit einem milden Lächeln abtun. Nicht immer war die Fähigkeit schnell zu essen aber unbedingt ein Nachteil: Früher mussten Menschen für schlechte Zeiten vorsorgen - das langsamer eintretende Sättigungsgefühl war also ein evolutionärer Vorteil, weil es die Möglichkeit bot Fettreserven für Zeiten anzusetzen, in denen das Nahrungsangebot mager war. (derStandard.at, 2.9.2010)

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Jedes mal...

Man probiert halt langsam zu essen...aber am Ende schlingt man doch wieder. Hoffentlich wird das in Zukunft kein Problem :|

vielleicht ein guter rat für fette

jeder andere gibt sich die endgültige portion schon vorher auf den teller und isst sie zusammen. ob schnell oder langsam spielt dabei überhaupt keine rolle.

völlerei ist der einzige lichtblick meiner existenz!

Rudi Völler for President!

hat was für sich

Hier gibt es bereits so viele Postings, die unendlich viele Variationen zum Langsam- und Schnellessen ausdrücken. Trotzdem hat die Studie etwas für sich: ich kenne vorwiegend Menschen, die schnell esssen. Und diese Menschen, die in meinem Umkreis eben schnell essen, sind zu 80% übergewichtig. Also, so falsch kann die Studie nicht sein. Ich bin dünn und esse langsam. Ich könnte auch gar nicht schneller essen. Dann vergeht mir der Appetit und mir ekelt. Ich propagiere auch jedem, langsam zu essen und im Prinzip gibt mir jeder Recht. Nur tut er/sie's dann nicht.

Ich propagiere auch jedem, langsam zu essen und im Prinzip gibt mir jeder Recht

'
Oh, ich gebe Ihnen IM PRINZIP auch völlig recht. Bloß müssen Sie mir sagen, wo ich die Zeit dafür hernehmen soll.

Es gibt weltweit etwa 150 Profis im Schnellessen!

und das ist einer der Besten:
http://www.youtube.com/watch?v=LIkKTwy-zHs
Hat nicht direkt was mit dem Thema zu tun, finde ich aber abstossend-faszinierend.
Mahlzeit!

Ich denke, die Ess- bzw. Sättigungsgeschwindigkeit wird überschätzt.

Viele Menschen leiden heutzutage an der Essstörung Binge Eating Disorder (BDE), wo man viel zu große Mengen in sich hineinstopft und das Sättigungsgefühl dabei ignoriert. Da kommt es vor, dass man so lange isst, bis nichts mehr reingeht und einem schlecht wird, und trotzdem nicht aufhört.

Grund ist, dass das Essen eine Funktion für diesen Menschen einnimmt, die über die reine Nahrungsaufnahme hinausgeht, nämlich Trost und Ersatzbefriedigung bei Einsamkei, Ärger, Wut, Frustration und in anderen belastenden Situationen.

BDE ist ähnlich wie Bulimie, nur ohne K*tzen, und hat ganz ähnliche psychische Ursachen. Man kann es durch Psychotherapie behandeln, das wird sogar von der GKK bezahlt.

Aber kaum jemand kennt es oder spricht darüber.

Das triffts gut!
Man isst nicht aus Hunger sondern wie Sie beschrieben haben. Vielleicht vergleichbar mit rauchen oder saufen.
Vielleicht hilft in leichten Faellen auch das sich das mal bewusst zu machen

noch vergessen ...

... Die Studie geht also, wie so viele, am Eigentlichen vorbei, weil sie sich nur an irgendwelchen Hormonen und deren Auswertung orientiert, anstatt am Menschen und seinen natürlichen Funktionen.

ähm ... hormone gehören zum menschen und seinen natürlichen funktionen :)
das ist wie wenn sie bei einem motor sagen würden "die reden ja die ganze zeit nur von kolben und zahnriemen, die solln sich doch mal mit dem motor beschäftigen"

Durch schnelles Essen hat der Körper Schwerarbeit in Sachen Verdauung zu leisten und überfordert seine Verdauungsorgane - weshalb der Organismus die Nahrung auch nicht ausreichend verwerten kann. Er braucht aber die Nährstoffe, deshalb verlangt er immer mehr Nahrung.
Im Lauf der Jahre werden die Organe immer schwächer in der Verdauungsarbeit und können immer weniger verwerten - und die Gier nach noch mehr Nahrung wird immer größer, ohne dass der Bedarf nach Nährstoffen erfüllt wird. (Es geht hier um natürliche Nährstoffkombinationen, nicht um isolierte chemische Nahrungsergänzungen!). Durch schnelles Essen verliert der Mensch die Fähigkeit der Verwertung und damit des natürlichen Essensrhythmus'.

Verwertung der Nährstoffe...

Das schnell Essbare entäjt meist nur Kohlenhydrate und schnell verwertbares Eiwess. Virtamine, Spurenelemente etc. bleiben auf der Strecke.

Das erzeugt Heißhunger auf mehr. Wieder wird nur ein Teil der Nährstoffe zugeführt, das Sättigungsgefühl reichnt nicht lange aus, nächste Heißhungerattake.

So führt Schnellessen zu Übergewicht und gleichzeitigem Mangel.

Langsamessen kann Mangel entgegenwirken. Es fördert die gesamte Verwertung der aufgenommenen Nahrung.

Auch Verhungern ist so besser vorgebeugt: Schauspieler Tausig hat das seinerzeit im KZ beobachtet: Die Überlebenschancen stiegen bei jenen die trotz brennedem Hunger langsam aßen.

Ich glaube nicht, daß die Eßgeschwindigkeit einen so großen Einfluß auf das Gewicht hat. Arbeitskollegin A, sehr dick, ißt eher langsam. Arbeitskollegin B, sehr dünn, ißt so langsam daß während des Essens die Haltbarkeit abläuft. Ich, eher dünn, esse schnell.
Mein Mann, normalgewichtig bis dünn, ißt sehr schnell. Andere Faktoren (was man ißt, Bewegung etc) scheinen doch wichtiger zu sein als die Eßgeschwindigkeit.

Stoffwechsel bzw. wie schnell und/ob das Essen im Körper "richtig" verwertet wird sind auch eine wichtige Komponente.

was hat sättigung denn mit dem gewicht zu tun? allein die idee, dass alle menschen gleich viel wollen und brauchen ist doch absurd und hält keiner praktischen überprüfung stand.

ich hab eine andere theorie.

alle dicken leut in meinem umfeld essen unerträglich langsam. kann sein, dass das antrainiert ist, ist aber so. ich finds direkt unappetitlich, wie lang die an einem bissen herumkauen können.

alle schnellesser die ich kenne, die einen teller nach dem anderen mit der geschwindigkeit eines staubsaugers wegputzen und sicher ein vielfaches wie die dicken zu sich nehmen und trotzdem immer hungrig sind, sind dürr, haben kein fett unter der haut.

ich behaupte dass erstere jede einzelne kalorie aus dem essen verwerten und speichern, zweitere jedoch das meiste unverdaut wieder ausscheiden.

demnach wärs für dicke vielleicht besser, das essen nicht so zu zerkauen sondern so wie die dürren im ganzen runterzuschlucken.

das bestätigt auch die wissenschaft (auch, dass dünne oft viel mehr kalorien zu sich nehmen, als dicke!).

nur: würde man diese wahrheit preisgeben, wären ziemlich viele firmen, die diäten, diätprodukte, fitnessprodukte etc. bald pleite. da sagt man den leuten doch lieber: du bist selber schuld, aber tue buße, indem du mein produkt xy kaufst.

vielleicht hat es mit dem pepsin zu tun, das beim langen kauen schon im mund die stärke in zucker umwandelt.
kann doch sein, dass das einfluss auf die ausbeute an verwertbarer energie hat.

Pepsin entsteht erst im Magen und dient dem Eiweißabbau. Eher Ptyalin?

ja sicher ptyalin. danke. es ging ja um den speichel im mund.

Da muss ich Ihnen zustimmen, die fetten essen auch oft langsam.

Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass der Magensaft nur den zerkleinerten/zerkauten Häppchen die Fettzellen und co. entnehmen können. Verdauungstrakt ist ja mehrere Meter lang, da dürfte das schon irgendwie noch verdaut werden können.

Zum Artikel: ich denke, dies kann man so oder so sehen. Sicher die Studie ist gut. Aber wie wärs wenn wir hier auch noch andere Dinge wie Sport, von gesunder Kost und und erwähnen würde.

kl. Tipp für Leute die abnehmen wollen: regelmäßiger Sport, und Nahrung nur wenn der Hunger kommt. Hilft 100%

uiui...

... da ist ja jemand besonders gscheit und hilfreich. und wenns so einfach wär, dann gäbs wohl auf der ganzen welt keinen einzigen übergewichtigen menschen mehr.

lg, von einer, die erfolgreich abgenommen hat

es kommt auch auf..

.. die Magengröße an. Fettleibige Leute essen bekanntlich mehr, es sei denn ihr Übergewicht ist hormonell bedingt.

Zusätzlich kommt noch der Verbrennungsfaktor der Fettzellen hinzu, wird Sport gemacht und wieviel.

Ausgewogene Ernährung oder nur fettiges Essen?

Bauen Sie mal diese Variablen in Ihre Theorie ein.

denn schnell macht auch schneller dick.

hm. alles klar.

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