"Schüssel müsste dankbar sein"

23. August 2010, 17:34
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Nun gehen auch namhafte Bürgerliche auf Abstand zum Ex-Finanzminister - Angesichts aktueller Politaffären ist Erhard Busek dankbar, dass Karl-Heinz Grasser nicht Vizekanzler wurde - und Andreas Khol erklärt, warum er dem FPÖ-Abtrünnigen dieses Amt verwehrt hat

Wien - Vom erfolgsverwöhnten Strahlemann der schwarz-blauen Ära von Wolfgang Schüssel zum Finanzminister außer Dienst mit zweifelhaftem Ruf: Mittlerweile machen selbst namhafte Bürgerliche keinen Hehl mehr aus ihrer Erleichterung, dass aus Karl-Heinz Grasser in der ÖVP einst nicht mehr geworden ist.

Am Montag gestand Erhard Busek, früher einmal ÖVP-Obmann und selbst Vizekanzler, nun Präsident des Forum Alpbach: "Ich war nicht immer der Meinung von Andreas Khol, aber ich bin ihm in der Seele dankbar für die entscheidende Feststellung im damaligen Parteivorstand, die letztlich die Berufung von Karl-Heinz Grasser zum Vizekanzler verhindert hat." Trockener Nachsatz: "Eigentlich müsste der Wolfgang Schüssel dem Andreas Khol auch dankbar sein."

Hintergrund: Seit in der Causa Meinl das Verfahren eingestellt wurde, fällt der Name des Ex-Finanzministers dafür umso häufiger in den Fällen Buwog/Immofinanz und Kärntner Hypo - auch wenn die Unschuldsvermutung gilt, ist das Image des ehemaligen Lieblingsministers von Schüssel damit gehörig angepatzt.

Kein Monat ohne Gratulation

Andreas Khol, einst ÖVP-Klubchef, "freut" sich jedenfalls "sehr" über das späte Lob seines Parteikollegen und ehemaligen Rivalen Erhard Busek, mit dem er während der Politkarriere unter anderem wegen dessen Skepsis ob Schwarz-Blau nicht immer bloß Freundlichkeiten ausgetauscht hat. Dazu bekennt Khol im Standard-Gespräch, dass seit seinem Widerstand gegen Karl-Heinz Grasser im schwarzen Vorstand "kein Monat vergeht", in dem ihm nicht jemand zum damaligen Vorgehen gratuliert.

Busek ist also bei weitem nicht der Erste? Neulich, erzählt Khol, jetzt Chef des schwarzen Seniorenbundes, hätten wieder etwa zwanzig Mitglieder angerufen, um ihm in der Grasser-Angelegenheit ihre Anerkennung auszusprechen. Allerdings, so räumt Khol ein, würden viele glauben, dass "ich schon damals etwas über ihn gewusst habe" - was der Altpolitiker stets zurückweist. Denn: Für ihn, Khol, haben die Vorverurteilungen in den aktuellen Causen schon "präfaschistische Züge", und: "Solange Karl-Heinz Grassers Schuld nicht bewiesen ist, hat er als unschuldig zu gelten."

Trotz alledem hält Khol es immer noch für "richtig", Karl-Heinz Grasser als Vizekanzler verhindert zu haben. Zwei Gründe dafür brachte der scheidende Nationalratspräsident damals ins Treffen - und an diesen hält er bis heute fest, warum sich der FPÖ-Abtrünnige keinesfalls für das Amt geeignet hätte. Erstens: "Eine Doppelspitze hat sich noch nie bewährt. Das führt in einer Partei unweigerlich zu Machtkämpfen und Intrigen." Und zweitens: "War und bin ich davon überzeugt, dass Karl-Heinz Grasser nicht einmal die vier Grundprinzipien der katholischen Soziallehre und somit den Charakter der Partei kennt - nämlich die Personalität, die Solidarität, die Subsidiarität und das Gemeinwohl."

Fazit von Khols Interventionen: Fünf Mitglieder des Vorstandes schlagen sich in besagter Jänner-Nacht 2007 auf seine Seite, sodass im Zuge der Neuauflage der großen Koalition nicht Karl-Heinz Grasser, sondern Wilhelm Molterer nebst dem Parteivorsitz doch auch das Finanzministerium wie das Vizekanzleramt übernimmt.

Wolfgang Schüssel schweigt

Hat Wolfgang Schüssel himself sein einst striktes Vorgehen gegen Karl-Heinz Grasser jemals gewürdigt, wie nun Erhard Busek anregt? "Nein", sagt Khol, aber: "Er hat mir auch noch nie einen Vorwurf gemacht. Wir schätzen einander bis heute." Der Eifrigste in Khols Gratulantenschar ist übrigens Josef Cap. Oft hat der SPÖ-Klubchef bereits erklärt, man müsse Andreas Khol ja so dankbar sein, KHG abgesägt zu haben. Khol dazu: "Ich weiß, dass das ein äußerst zweischneidiges Kompliment ist." (Nina Weißensteiner/DER STANDARD-Printausgabe, 24.8.2010)

  • Erhard Busek, einst ÖVP-Obmann und selbst Vizekanzler, nun Präsident des Forums Alpbach, ist seinem ehemaligen Partei-Rivalen Andreas Khol mittlerweile "in der Seele dankbar", Karl-Heinz Grasser Anfang 2007 als Vizekanzler verhindert zu haben ...
    foto: standard/corn

    Erhard Busek, einst ÖVP-Obmann und selbst Vizekanzler, nun Präsident des Forums Alpbach, ist seinem ehemaligen Partei-Rivalen Andreas Khol mittlerweile "in der Seele dankbar", Karl-Heinz Grasser Anfang 2007 als Vizekanzler verhindert zu haben ...

  • ... Khol wiederum "freut" sich über Buseks Lob - und hält es heute 
noch für "richtig", ...
    foto: standard/cremer

    ... Khol wiederum "freut" sich über Buseks Lob - und hält es heute noch für "richtig", ...

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    ... gegen Grasser interveniert zu haben.

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