Angst vor der "dritten Halbzeit"

23. August 2010 18:12

Vorfälle wie jener in Hamburg vergangenen Samstag, als Fans des FC St. Pauli bei der Heimreise brutal attackiert wurden, häufen sich in Deutschland

Samstagabend, Bahnhof Altona in Hamburg: Rund 15 teilweise vermummte HSV-Hooligans attackieren laut Augenzeugenberichten Fans des Bundesligaaufsteigers FC St. Pauli, die eben vom Auswärtsspiel aus Freiburg nach Hause kamen. Die brutalen Angreifer machten nicht einmal vor Frauen und Kindern halt. Drei Personen wurden verletzt, ebensoviele vorläufig festgenommen.

Es war dies der bereits vierte derartige Übergriff auf St. Pauli-Anhänger innerhalb der letzten zehn Monate. Die Tat wurde von allen Seiten schärfstens verurteilt, vom HSV folgte am Montag die obligatorische Entschuldigung, doch was bleibt, ist eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber der wachsenden Gewaltbereitschaft  radikaler "Fußballfans", die nicht wie früher vor allem rund um die Stadien agieren, sondern nun an scheinbar x-beliebigen Orten für Angst und Schrecken sorgen.

Steine und Flaschen

Im Oktober vergangenen Jahres stürmten vermutlich Rostock-Hooligans das allwöchentliche Treffen der Fangruppe Ultra St. Pauli in deren Vereinslokal. Die Angreifer warfen mit Steinen und Flaschen und waren ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Der mit 20 Wagen zu spät eintreffenden Polizei bot sich ein Bild der Verwüstung, die Randalierer hatten längst das Weite gesucht.

Erst vor einigen Wochen stürmten Hoolgans aus Rostock mit Schlagstöcken bewaffnet während einer freundschaftlichen Fußballpartie zweier St. Pauli-Fanclubs auf das Spielfeld und warfen mit bengalischen Feuern, Tischen und Sesseln. Ein Angreifer konnte vor Ort von den Zuschauern überwältigt werden, alle anderen entkamen.

Attacke auf 13-Jährige

Vor ebenso nicht allzulanger Zeit wurden zwei 13-jährige Fans des Kultklubs in einer Seitenstraße auf dem Hamburger Kiez von HSV-Anhängern auf brutale Art und Weise von ihren Fanutensilien getrennt. Vorgänge wie diese bestätigen den aktuellen Trend in Sachen Fußballgewalt in Deutschland.

Sorgen bereitet den Fanvertretern der Hamburger Clubs vor allem das nahende Derby in der dritten Septemberwoche. Auch Dieter Bänisch, Geschäftsführer des "Vereins Jugend und Sport", ist in höchstem Maße besorgt. Nach den jüngsten Vorfällen seien laut Bänisch selbst die erfahrenen Fanprojektler des HSV "total platt". Vor allem die Tatsache, dass es auch völlig normale Leute treffen kann ist alarmierend. Die Verantwortlichen hoffen indes,  die Randalierer identifizieren und mit Stadionverboten belegen zu können.

Konsequenzen gefordert

Die Polizei sieht sich außer Stande, derartige Übergriffe zu verhindern, obwohl szenekundige Beamte in die Fangruppen eingeschleust wurden. Die Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Derbys der beiden Stadtrivalen sind groß, eine Verlegung des Pauli-Heimspiels vom Millerntor in das HSV-Stadion steht zwar nicht zur Diskussion, doch der Ruf nach Konsequenzen wird immer lauter, denn das bisherige Deeskalations-Konzept ist nach Ansicht des HSV-Fanbeauftragten Mike Lorenz "über den Haufen geworfen worden". (red)

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samron
24.08.2010 21:21

Vielleicht mal härter durchgreifen ?

Gewalttäter gehören ins Gefängnis, nach mehrmaligen Verurteilungen werden sich dann die Strafen hoffentlich so erhöht haben, dass sie ein paar Jahrzehnte sitzen müssen.

Sozialromantik bringt bei solchen Typen überhaupt nichts. Die sind nur auf Randale aus und müssen die Konsequenzen auch mal spüren und nicht nach dem Wochenende stolz ihre Blessuren auf der Arbeit präsentieren dürfen.

motd
26.08.2010 12:03
klar doch einsperren

das der Mittelstand sich sicher fühlt.
Bis der sicherheitsbewuste Mittelstand bemerkt, daß er sich sein Gefängnis selber gebaut hat.

Nicht das ich pro Gewalt bin, aber ihre Lösung ist halt wie sich der kleine Maxi die Welt vorstellt.

chetan anurag
25.08.2010 20:02

Eine Haftstrafe ist keine Abschreckung - wenn es zu einem gewaltaetigen Uebergriff kommt, ist es bereits zu spaet. Eingreifen muss man da viel frueher. Warum gibt es eine derartige Gewaltbereitschaft?

Ramean Pyra
25.08.2010 18:32
Jawoll Bravo!

Alle einsperren deren Lebensstil man nicht versteht!! So lange hart durchgreifen bis alle einen Klon Ihrer langweiligen Existenz mit Frau, Kind und Hund leben.
Wenn die Säuberung erst stattgefunden hat ist IHRE Wochenendgeschichte wieder die spannenste. "Was wirklich?! SO viele Eierschwammerl gefunden? ... und die Kinder? ...Auch!? Wahnsinn!"

Glück auf!

vince end it
03.09.2010 07:14
verstehe ich das richtig?

andere menschen anzugreifen ist für sie ein "lebensstil"?

armes w........!

Systemerhalter
26.08.2010 13:04
ich entnehme ihrem posting

dass sie diese "langweilige" zeit durchlebt und verlassen haben.
jetzt können sie wieder hooligan sein.
yeah!!!
immer mitten in die fresse rein und am nächsten tag mit den typen von der frühschicht darauf anstoßen.
dass klingt so aufregend ich könnte platzen.

oder stopp: haben sie sich am wochenende "football factory" angesehen und gedacht "ja das isses. so willich sein. ab jetzt für immer" und heute sitzen sie wieder im büro...mit anderen spießer kollegen.....

Ramean Pyra
27.08.2010 14:03
:) Nicht ganz

So wie mein Leben verlaufen ist wars mir weder möglich den Spießerweg- noch Köpfe einzuschlagen. War und bin kein Hooligan und verabscheue körperliche Gewalt generell.

Ich respektiere Fussballfans aller Coleur dennoch dafür dass sie einen Raum geschaffen bzw aufrecht erhalten haben in dem die Welt nicht nach der Willkür der Mächtigen funktioniert. Was sie in dieser Oase machen muss mir nicht gefallen. Wichtig ist, dass es sie gibt.

Lese ich dann wie durchschnittlichste Typen extremste Strafen fordern seh ich rot und schwarz gleichzeitig. Qualtinger ist tot - Der Herr Karl lebt - Ich wünschte es wäre umgekehrt.

chumly
29.08.2010 10:19

Sie reden schlicht und ergreifend Unfug! Wenn sich ein paar Leute die Schädel einschlagen wollen, dann sollen sie's machen. Aber da wurden NORMALE FANS (darunter auch Kinder) angegriffen und keine Ultras oder Hooligans, also reden Sie nicht von einer "Oase" die geschaffen wurde!
Deshalb bin ich auch dafür, dass man normale Fans schützt. Die Haftstrafe soll auch nicht abschreckend wirken, sonder sichern, dass solche Leute keine Normalos mehr angreifen können!

Ramean Pyra
29.08.2010 21:20

"Normaler Fan" ist ein Oxymoron.

Man kann nicht beides haben. Wo sich so viel Emotion entlädt wie beim Fussball MUSS es einige Irre geben die mit so viel Emotion nicht umgehen können. Ein weiterer Designfehler des Homo Sapiens.

Wollen Sie die paar Irren ausschalten müssen Sie dem Fussball die gesamte Emotion nehmen. Alles Andere KANN nicht funktionieren... Siehe England.

Emotionslosen Fussball will ich nicht und darum nehme ich in Kauf das es manchmal in diesem Sport unschön zu geht. So egoistisch bin ich.

chumly
30.08.2010 12:57

Ich entlade auch Emotionen bei einem Match. Feure an, schimpfe, fluche, beleidige und ja, manchmal "hasse" ich auch. Ich würde allerdings auch aus solchen Emotionen heraus nie jemanden verletzen (außer natürlich ich würde körperlich angegriffen werden). Die, die sich da nicht zurückhalten können, sollen sich das dann bitte mit Gleichgesinnten von der anderen Seite ausmachen und nicht Leute attackieren (tw. auch noch Kinder!) die nur zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Die Irren, die nicht differenzieren können zwischen, "der ist wie ich" und "der bedeutet keine Gefahr" gehören halt dann weggesperrt.

Ramean Pyra
30.08.2010 13:57
Wenn das nur so einfach wäre

Ich habe einige Routine im Herumreisen in Sachen Fussball. Bin jahrelang Seite an Seite mit gewaltbereiten Gruppen durch die Lande getilngelt ohne mich an deren primitiven Nebenbeschäftigungen zu beteiligen. Niemals habe ich dabei mitbekommen, dass Unschuldige also Aussenstehende körperlich versehrt wurden.
Daher bin ich sicher, dass es verhälnismässig selten zu Übergriffen auf Unbeteiligte kommt. Weil es aber so viele Hoologans gibt, hat man da ein Problem:
Wenn man einen Regenwald voller Schlangen vor sich hat wird es rein logistisch sehr schwer jene Schlange auszumachen und wegzusperren die das unschuldige Kind gebissen hat. Einzige Möglichkeit also: Ancient Orange. Klappt, aber der schöne Wald ist dannach Wüste.

Fritz Wunderlich
26.08.2010 09:59

lebenstil: andere menschen verletzen

vince end it
03.09.2010 07:18

haben sie die weiteren posts dieses "herrn" schon gelesen?

bei dem muss einiges schief gegangen sein.

angefangen bei der falschen medikation!

mfg

WilWil
10.09.2010 13:40
dieser "herr" gibt in klaren, verständlichen worten und sätzen seine sicht der dinge wieder.

ich gehe auch nicht wirklich konform mit ihm, muss ich auch nicht, aber mir gefällt seine art der argumentation.

hebt sich richtig wohltuend vom 99% mist hier herinnen ab. wegen solcher postings besuche ich foren.

Fritz Wunderlich
06.09.2010 12:54

nein, habe ich nicht
aber das posting reicht ja

jerry springer
25.08.2010 00:59
hihi...

...der durschnittliche fussballhooligan verübt seine taten wahrend seine eltern in foren herumbrüllen, dass die welt aus dem ruder gelaufen ist und es soll endlich mal gescheit durchgegriffen werden und überhaupt sind jahrtausende von linkslinken sozialromatischen regierungen an allem schuld.

ambelda
24.08.2010 19:36
Nicht einschüchtern lassen!

http://www.youtube.com/watch?v=iQ4jtmHaFHA
!!!

ambelda
24.08.2010 19:46
august underground
 
24.08.2010 19:34
Schwachsinn

Auch, oder gerade weil, ich mich als "links" bezeichnen würde lehne ich die St.Pauli-Fans ab. Politik hat im Stadion nichts verloren, egal ob links oder rechts, das ist doch einfach lächerlich.

clownklauen
25.08.2010 00:37
lies hier mal

du ei

http://syndikalismus.wordpress.com/2010/08/2... lien-fans/

"links" sein und antifaschistisch bedeutet u.a. für mich toleranz, repekt, friedliches kreatives miteinander

"rechts" ist unmenschlichkeit, bosheit, hass, missgunst etc etc etc

die ganze welt sollte links sein verdammt

Kris99
27.08.2010 22:47
siehst du, und genau das ist die logische Lücke in der Argumentation

Toleranz & Respekt können NICHT in ANTIfa enden, weil das schon in sich die Antithese zu den ersten beiden Werten ist, und sich über "unzulässiges Gedankengut" definiert.

Und was das Fußballumfeld betrifft: Der Fußball sollte unpolitisch sein, es sollte um das Spiel gehen und keine politische Plattform egal welcher Richtung. Wenn ich also für eine strikte "Keine Politik im Stadion"- Linie bin, kann ich wohl kaum gleichzeitig politisch aktiv werden, indem ich mich zu irgendeiner politischen Meinung bekenne, oder auch ablehne.

Zu kompliziert?
Mag sein, leider ist die Welt nicht schwarz / weiß...

wing
25.08.2010 15:35
schwarz/weiß ist die welt

du willst als linker tolerant sein und unterstellst gleichzeitig allen rechten unmenschlichkeit, hass, bosheit - so was kann auch nur in einer kleinen, engen schwarz/weiß-welt funktionieren. traurig

Günther Hase
 
27.08.2010 09:10

Ich denke Menschen, die sich über Hass und Intoleranz definieren, kann man berechtigterweise Hass und Intoleranz unterstellen. Der Vorredner meinte mit "Rechts" bestimmt keine konservativen ÖVP Wähler die Sonntags in die Kirche gehen sondern eben einschlägige Faschos. Warum man nicht gegen Rechtsradikalismus eintreten soll als Fußballfan leuchtet mir nicht ganz ein (ausser vielleicht um nicht von ein paar Neonazis ausser Rand und Band Krankenhausreif geprügelt zu werden). Ich denke hier liegt ein kleines Opfer - Täter Missverständnis vor.

politisch verfolgt
24.08.2010 18:13
abgesehen vom gegenständlichen vorfall

lehne ich politische agitation im fußballstadion ab und finde vereine, die das unterstützen, nicht sehr schlau. links wie rechts. man holt sich damit tausend probleme, die mit dem sport null zu tun haben, krampfhaft ins eigene stadion. was soll das bringen? wer politisch ein zeichen setzen will, soll eine partei gründen oder einer beitreten oder flugblätter verteilen oder wasauchimmer.

der paulek
 
25.08.2010 10:06
fussballvereine und -fans sind teile der gesellschaft

und in einer demokratischen gesellschaft ist antifaschismus keine "linke" oder "politische" richtung, sondern eine grundvoraussetzung. antifaschismus ist eine notwendige (aber keine hinreichende) bedingung für demokratisches verhalten.
st. pauli hat sich als verein zu antifaschismus, antirassismus und antidiskriminierung bekannt - das wird schon als politisches statement gesehen, ist aber eigentlich nur eine selbstverständlichkeit.

dieser ganze "keine politik in der kurve"-wahnsinn wird stets von den rechten, den menschenfeinden verwendet, um die aufrechterhaltung von selbstverständlichkeiten in einer demokratischen gesellschaft zu verhindern.

forza viola

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