Doppel-Staatsbürgerschaft für Migrantenkinder gefordert

23. August 2010, 16:24
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Sollen sie auch als Erwachsene behalten dürfen

Frankfurt/Berlin - In Deutschland geborene Einwandererkinder sollen nach dem Willen von Bürgerrechtsorganisationen und der SPD ihre doppelte Staatsbürgerschaft auch als Erwachsene behalten dürfen. Der sogenannte Optionszwang, wonach sich junge Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft zwischen 18 und 23 Jahren zwischen dem deutschen und dem ausländischen Pass entscheiden müssen, sei ungerecht und gehöre abgeschafft, erklärten Pro Asyl, der Interkulturelle Rat und der Deutsche Anwaltverein (DAV) am Montag in Frankfurt am Main. Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßte die Initiative. Der Optionszwang behindere die Integration, erklärte der SPD-Migrationsexperte Rüdiger Veit.

Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder von Ausländern mit unbefristetem Aufenthaltsstatus neben der Staatsangehörigkeit der Eltern automatisch auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach dem Optionsmodell müssen sich die jungen Menschen dann im Alter zwischen 18 und 23 Jahren für den deutschen oder den ausländischen Pass entscheiden. Die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts enthielt zusätzlich eine Übergangsregelung, wonach auf Antrag auch die bereits seit 1990 in Deutschland geborenen Kinder ausländischer Eltern zusätzlich zur Staatsangehörigkeit der Eltern den deutschen Pass erhalten konnten.

"Optionskinder"

Nach Angaben von Pro Asyl gibt es 385.000 "Optionskinder" der Geburtsjahrgänge 1990 bis 2008. Die Optionspflicht dränge sie aber womöglich aus der deutschen Staatsangehörigkeit heraus. Der Interkulturelle Rat bezeichnete den Optionszwang als "Instrument der Desintegration". Der DAV verwies darauf, dass in Deutschland "rund 4,5 Millionen Mehrfachstaater leben, ohne dass der deutsche Staat damit je das geringste Problem gehabt hätte".

Nach Angaben des SPD-Experten Veit ist die derzeitige Regelung ein bloßer Kompromiss, der nur deshalb geschlossen worden sei, weil sich die frühere rot-grüne Koalition mit ihrer Forderung nach dauerhafter doppelter Staatsangehörigkeit nicht gegen den damals von der Union dominierten Bundesrat habe durchsetzen können. (APA)

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