"Nothing Personal": Gemeinsam einsam

23. August 2010, 17:38
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Der Liebesfilm "Nothing Personal" der Niederländerin Urszula Antoniaks funktioniert eher wie eine Versuchsanordnung

Wien - Menschen, die sich davonmachen, ganz ohne erkennbaren Grund, haftet ein Mysterium an. Anne (Lotte Verbeek) zum Beispiel, die Heldin aus Nothing Personal, sieht man nur einen Augenblick lang in einem Zimmer, einen Ring am Finger drehend. Dann ist sie bereits auf der Straße, mit einem Rucksack unterwegs durch einsame Landstriche Irlands, wo sie mitten in der Natur campiert. Menschliche Zuwendung lehnt sie brüsk ab, es sei denn, sie sucht noch Mitfahrgelegenheit. Einmal stürzt sie sich aus einem fahrendem Auto und kreischt dem Fahrer wie ein wildes Tier hinterher.

Die Niederländerin Urszula Antoniak interessiert sich in ihrem preisgekrönten Debüt an keiner Stelle für die Vergangenheit Annes. Was diese zur Aussteigerin werden ließ, das bleibt bis zum Ende offen. Der Film funktioniert eher wie eine Versuchsanordnung: Wie weit ist diese leicht ungestüme Frau mit den roten Haaren bereit, für ihre Freiheit zu gehen? Und lässt sich nach dem anscheinend radikalen Abbruch ein Neubeginn setzen - einer, der keine Vorgeschichte braucht?

Durch Martin (Stephen Rea), einen Anne in Sachen Einsamkeit an Erfahrung überlegenen Mann, gewinnt letztere Frage an Bedeutung. Die Ausreißerin beginnt bei dem abgeschieden lebenden Witwer als Haushaltshilfe zu jobben. Ihre kühl-abweisende Haltung erhält bald erste Risse. Jede Regung, die er ihr entlockt, wird mit einem Geschenk honoriert. Die beiden teilen ihre Freude an klassischer Musik, ihre Lust an delikaten Gerichten, und das erste Lächeln von Anne wird von Antoniak verhalten, aber unübersehbar als Durchbruch inszeniert.

Gesäumt durch Zwischentitel, welche die Stadien dieser so verhaltenen Liebesgeschichte subsumieren, verengt sich der Film zum Kammerspiel, in dem sich zwei Menschen ganz wortwörtlich an ihrer Gegenwart erfreuen. Die Umstände dieses Miteinanders bleiben allerdings ein wenig zu konstruiert, die Routinen der beiden zu erlesen, um die Ahnung darunterliegender, schmerzhafter Erfahrungen greifbar werden zu lassen. Nothing Personal gerät so zum Film, der von der Öffnung und vom Wiederbeginn erzählt, dem es aber paradoxerweise selbst an Leben fehlt.
 (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 24. August 2010)

  • Lotte Verbeek in Nothing Personal.
    foto: www.nothingpersonalthemovie.com

    Lotte Verbeek in Nothing Personal.

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