New York als rotes Stadtbau-Vorbild

Anita Zielina, 24. August 2010, 13:40
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    Schicker: „Ohne die U-Bahn würde es dieses Viertel hier in der Form nicht geben".

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    Der neue Stadtteil "Viertel Zwei" mit Hotels, Büros und Wohnungen in der Nähe der Wiener Messe soll bis Ende 2010 fertig sein.

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    Im See darf man seine Füße baden, aber bitte nicht den ganzen Körper.

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    Schicker zum Thema Autos: "Der 1. Bezirk wird meiner Ansicht nach nie komplett autofrei werden".

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    Schicker über die Grünraumstrategie der Stadt: Tendenziell weniger, aber größere Parks statt viele kleinere Grüninseln.

Planungsstadtrat Schicker über Peripherie-U-Bahnen, Bahnhof-Seilbahnen und Grünraum, der seinen Preis hat

Das „ViertelZwei" beim Wiener Prater ist eines der Lieblingsprojekte von Rudolf Schicker. Als derStandard.at den Wiener SP-Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr in einem neuen Planungsgebiet treffen wollte, das er für besonders gelungen hält, musste er nicht lange überlegen. Und mit dem richtigen Wetter kann man sich ganz gut vorstellen warum: Es ist ein strahlend sonniger Tag, im künstlich angelegten See kühlen einige Angestellte ihre Füße, ein paar Anzugträger schlendern mit einer Eistüte vorbei, auf den schattigen Bänken werden Rauchpausen eingelegt. Wenn etwas die Idylle stört, dann ein leichter Geruch nach Pferdeäpfeln - die nahe Trabrennbahn Krieau wirft ihre olfaktorischen Schatten.

U2 bis vor die Bürotür

Und noch etwas ist, gerade im Vergleich zu anderen neuen Wohn- und Arbeitsgebieten, bequem: Die U2 fährt quasi bis vor die Bürotür. „Ohne die U-Bahn würde es dieses Viertel in der Form nicht geben", schwärmt Schicker. Die Kritik, dass die Züge - wie auch bei anderen U-Bahnen die in die "Peripherie" hinausführen - auf den letzten paar Stationen oft recht leer sind, kontert Schicker: "Klar gibt es Stoßzeiten, wie bei allen Verkehrsmitteln. Damit muss man leben". War es ein Planungsfehler, U-Bahnen soweit an den Stadtrand hinauszuführen? "Nein, die Planungen waren durchdacht. Auch in Zukunft muss man weiterhin genau schauen, wo eine U-Bahn hingebaut werden soll. Gegenden mit lauter Einfamilienhäusern sind natürlich keine gute Idee".

Wächst Wien weiter?

Wenn die aktuellen Streckenplanungen, also die U1-Verlängerung nach Rothneusiedl und die U2 Richtung Aspern, fertig sind, müsse man langfristig erst mal beobachten ob Wien weiter wachse. "Davon hängt es ab, ob man innerstädtische Ergänzungen vornehmen muss". Gibt es etwa doch noch die Chance, dass Wien einmal eine U5 beherbergt? "Unmöglich ist gar nichts, diese Streckenbezeichnung ist jedenfalls noch nicht vergeben".

Ein anderes Öffi hat dafür keine guten Karten mehr: Der Cable Liner, eine Art Standseilbahn, die für den neuen Wiener Hauptbahnhof überlegt wurde. Dann stellte sich heraus, dass das Projekt viel teurer wäre als geplant - jetzt rücken die Investoren vom Projekt ab. Wie die Verbindung zwischen U-Bahn und Bahnhof jetzt aussehen wird, nachdem immer wieder Kritik laut wurde, dass es keinen direkten Anschluss gibt? "Für die Erste Bank - Zentrale wird es das Beste sein, die S-Bahn-Station Südbahnhof zu adaptieren. Der Hauptbahnhof selbst hat ja den Anschluss an die U1. Es sind vom Bahngleis bis zur U-Bahn 335 Meter, keine fünf Minuten Fußweg", meint Schicker. So eine "Chill-Out-Strecke" sei an Orten, an denen viele Menschen aufeinandertreffen, ohnehin sinnvoll.

Grünraum, Freiraum, Wohnraum

Schicker ist in freundlicher Wahlkampfstimmung, aber ein Hauch von Unmut huscht über sein Gesicht, wenn es um die Kritik an Bauvorhaben, etwa am Monte Laa, geht. Dort beschweren sich gerade Anrainer, dass statt einem ursprünglich geplanten Turm drei neue gebaut werden - zu viel Schatten würden sie auf die bestehenden Wohnungen werfen, zu eng werde es außerdem. Schicker seufzt. "Das ist ein typisches Problem. Die, die bereits wo eingezogen sind, beschweren sich - und vergessen dass auch andere Wohn- und Lebensraum brauchen". Im Fall Monte Laa sei den Anrainern außerdem von Vornherein bekanntgegeben worden, wie in Zukunft gebaut werde.

Ein Kritikpunkt, der in Anrainerdebatten diverser neuer Projekte oft kommt: Es werde zu wenig Grün- und Freiraum gelassen. Schicker dazu: "Wir haben uns in Wien entschieden, große zentrale Grünbereiche einzurichten, die nicht dem einzelnen Wohnraum zuzurechnen sind". Im Klartext: Tendenziell weniger, aber größere Parks statt viele kleinere Grüninseln. Diese dichte Verbauung, meint Schicker, garantiere auch günstigere Mietpreise. "In München muss jedem Bewohner 23 Quadratmeter Grünraum in der Nähe zur Verfügung stehen - das macht Wohnen wahnsinnig teuer", so Schicker.

"Autofahrer haben sich längst an Radfahrer im Straßenverkehr gewöhnt"

Als Vorbild, für radikale Verkehrspolitik, nennt der Planungsstadtrat New York. Und wieso? Wegen der Radfahreroffensive. "New York ist da viel, viel härter beim Setzen von Maßnahmen Da wird von sieben Fahrstreifen einfach einer zum Radweg gemacht." Von denen hätte Schicker nämlich gerne mehr in der Stadt. In Wien sei das aber wegen der dichten Verbauung und enger Straßen nicht so einfach. Gerade in Gründerzeitvierteln mit den engen Straßen ist ein gedeihliches Miteinander von Auto und Rad unabdingbar, so Schicker. Angst vor der Autofahrer-Lobby, Herr Stadtrat? "Aber nein, Autofahrer haben sich längst an Radfahrer im Straßenverkehr gewöhnt", winkt Schicker ab. "Natürlich schimpfen sie, aber sie haben sich arrangiert".

Wer Fahrradfahren fördert, müsste doch stringenterweise Autofahren zurückschrauben wollen - wann kommt also der komplett autofreie Erste Bezirk? "Bereits in den letzten Jahren ging der Autoverkehr kontinuierlich zurück. Der 1. Bezirk wird meiner Ansicht nach aber nie komplett autofrei werden", so Schicker. "Wenn wir wollen, dass der Erste weiterhin Wohn- und Arbeitsbezirk ist, dann ist eben auch ein Bedarf an Autoverkehr und privatem Autobesitz". Allerdings wünscht er sich mehr autofreie Plätze, etwa am Josefsplatz und Heldenplatz oder am Neuen Markt und Hohen Markt. "So schöne Plätze, komplett zugestellt - wie schön wäre das, wenn wir da die Autos weghätten", philosophiert Schicker.

Nun denn, einfach umwidmen, könnte man meinen - Aber da nützt den Wiener Roten nicht einmal ihre Absolute: Viele Innenstadt-Plätze sind Bundesgrund. Und da hat dann auch der Koalitionspartner mitzureden. (Anita Zielina, derStandard.at, 24.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 399
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ama2deus
01
10.10.2010, 14:47
mehr vorgaben und mehr rückgrat bei der bestehenden stadtplanung!

die derzeitigen bauordnungen sind viel zu schwammig formuliert - immer wieder tauchen floskeln wie "den erfordernissen entsprechend", "den umständen entsprechend" auf.

baufirmen wie wienerberger und porr können ihre einstigen werks- bzw. lagergelände versilbern, in dem die billigen flächen aufgrund von zahlreich erteilten ausnahmegenehmigungen einfach zu bauland umgewidmet werden.
nach der bebauung durch namhafte immobiliengesellschaften darf die öffentliche hand dann das gebiet erschließen und öff. verkehrsmittel, schulen, kindergärten und parks errichten - auf kosten der allgemeinheit.

konträr verlaufende planungen werden der für stadtplanungen zuständigen MA werden von der für bauordnung zuständigen MA ignoriert.

Skyrunner
01
8.10.2010, 10:30

Zumindest ist er ja vom Fach, das ist schon mal ein Anfang...

http://de.wikipedia.org/wiki/Rudo... f_Schicker

Jetzt noch eine kleine Zusatzportion Mut und der Silberstreif glitzert am Horizont!!!

MoltoBene
00
9.10.2010, 12:02

Unglaublich! Wenn man sich unsere Regierungsriege anschaut...

dilino
12
24.9.2010, 11:41

"Wenn wir wollen, dass der Erste weiterhin Wohn- und Arbeitsbezirk ist, ...": Ähhh, ich hab noch niemanden kennengelernt, der zum Wohnen ein Auto braucht. Und zum Arbeiten brauchen's im 1. Bezirk auch nur die allerwenigsten, wie ich meine. Außer natürlich, um die eigene Eitelkeit und Überheblichkeit spazieren zu führen.
Andererseits verstehe ich die armen Mobil-Blechkäfig-Bewohner ja: Wie soll man denn bitte wirklich die mörderische Steigung von der Oper zum Rathaus sonst packen als mit einem 265-PS-SUV mit Allradantrieb!
Und eine letzte Bitte: Könnt Ihr am Abend und in der Nacht bitte noch ein bisschen öfter hupen? Ich schlaf nämlich teilweise schon fast eine Stunde durch!

graviton
03
17.9.2010, 02:09

Kaum jemand steht für mich so sehr für das politische Wien, das ich verachte, das ich als Sozialdemokrat mit ganzem Herzen verachten MUSS, wie der Herr Schicker.

David-Lauritz
11
Prag, Siena, Avignon als Stadtbau-Vorbild

Hier zählt der Denkmalschutz, den Wien mit Füßen tritt. Wie lange wird Wien noch verschandelt und zerstört?

Wil Sei
00
1.10.2010, 01:05
Keine Veschandelung mehr

Ja, da kann man nur beipflichten. Die Kulturdenkmäler gehören geschützt. Nehmt den Punks die Sprays weg, Radfahren nur auf Radwegen, nicht in der Fuzßgängerzone. Nicht mehr mit dreckigen Jeans die denkmalgeschützen Sitze in Oper und Burg verunreinigen

afri cola
00

Hat sich Schicker schon die Gegend um die U2-Verlängerung nach Aspern angesehen? Ich bin letztens dort vorbeigekommen, die U-Bahn-Trasse führt zwischen zwei Felder hindurch. Da wäre ich über Einfamilienhäuser glücklich, dann gäbe es wenigstens ein paar Anrainer.

Protagoras v. Abdera
01
Na viel Spaß für alle Reisenden, die mit schwerem Gepäck 350m "chillen" dürfen, bis sie im Bahnhof sind.

New Yorks dichte Bebauungsweise dürfte auch die Stadtplanung infiziert haben: Die Anlage stereotyper und steriler Downtown-Flächen wie im "viertelzwei" lässt das konfuzialische ordnungspolitische Herz aufgehen: Lauter nette und adrett gekleidete Menschen. Die Wohnungsknappheit würde die Stadt weniger betreffen, wenn sie nicht dem Trend zur Single-Wohnung hinterherlaufen würde, sondern alternative Wohnkonzepte fördert. Die Alternativen werden aber lieber von den städtischen Grundstücksflächen vertrieben. Und so wird sich Schicker bald in vielen neuen glasumfassten Stadtteilen spiegeln können, mit vielen braven, sterbsamen BürgerInnen. Sozialdemokrat müsste man sein, im 21. Jahrhundert

Der Tourist
03
28.8.2010, 19:09
Schiecker lügt

Schiecker lügt, wenn er behauptet, daß in München der Wohnraum wegen der vorgeschriebenen Grünflächen so teuer ist. In München herrscht wegen vieler Zuzüge schlicht Wohnungsnot. Daher werden auch inzwischen Wohnanlagen "nachverdichtet", also die bisherigen großzügigen Grünflächen zwischen den Häusern bebaut.

Nach seiner Logik dürften die Wohnungen in der Innenstadt (da ohne Grünflächen) nicht teurer werden. Leider ist dem nicht so.

Er mußte anscheinend Beweise für seine Politik aus dem Ausland erfinden, um sein Handeln rechtfertigen zu können.

Walter Bimini
11
28.8.2010, 13:02
paßt zu wien. der mann hat einen morbiden geschmack.

amber103
03
26.8.2010, 23:52
Fahrradhauptstadt NY??!

Of all people who commute to work in New York City, 32% use the subway,
25% drive alone,
14% take the bus,
8% travel by commuter rail,
8% walk to work,
6% carpool,
1% use a taxi,
0.4% ride their bicycle to work,
0.4% travel by ferry.

54% of households in New York City do not own a car, and rely on public transportation

Auch in New York dienen Radwege vor allem um das Rad weg von der Fahrbahn zu bekommen, um den Autos freie Fahrt zu ermöglichen.

Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören auf die Fahrbahn! Dort sind sie auch am sichersten unterwegs.

shepherd
02
26.8.2010, 17:40
aha

"Die, die bereits wo eingezogen sind, beschweren sich - und vergessen dass auch andere Wohn- und Lebensraum brauchen"

bin schon gespannt, wer denn dann in den BÜROhochhaustürmen WOHNEN wird

krawutische
06
26.8.2010, 17:11
alleine wegen schicker ist die spö unwählbar!

Walter Bimini
00
28.8.2010, 13:04
da kenne ich noch eine menge andere gründe

shepherd
00
26.8.2010, 17:00
aha ...

"Die, die bereits wo eingezogen sind, beschweren sich - und vergessen dass auch andere Wohn- und Lebensraum brauchen"

bin schon gespannt, wer denn dann in den BÜROhochhaustürmen WOHNEN wird

...btw. wurde eigentlich auch überprüft, ob die "rot blinkenden antennen" auf den bürohochhäusern dann nicht doch vom schloß belvedere zu sehen sein werden ?

Monte Laa
 
02
27.8.2010, 08:28
wohnen...

Wird in diesen Bürohochhäusern wohl niemand, auch die Auslastung wird nicht so sein wie es gewünscht ist, es wird eines von vielen leerstehenden Bürogebäuden in Wien sein, das wichtigste ist doch man sieht diese grandiosen Türme.....Ich frage mich nur wie lange das die derzeit bestimmente Partei in Wien noch so machen wird, es gibt so viele aktive Bürgerproteste in Wien - zu vielen (Bau)Projekten über die die derzeit regierende SPÖ einfach hinweg Entscheidet, sowas ist doch nicht mal ansatzweise Demokratie....

Monte Laa

----------------------
www.montelaa.biz --> zum Turmbau einfach durchklicken

shepherd
02
26.8.2010, 16:26
feuchte rote

träume, die nur die zerstörung von grünflächen, sport- und spielflächen zum ziel haben und hoffentlich nie wahrheit werden

http://petition2.sos-eisring-sued.at

dreyfusard
07
25.8.2010, 13:24

werter herr schicker!
wien ist aber nicht new york und dank des schlechten geschmacks vieler parteibrüderbauherren wird es auch nie n.y. werden.

wie wärs wien zu erhalten und nicht weiter zu verschandeln.

kauf nix
00
25.8.2010, 11:59
radfahren in NYC - einmal ausprobiert...

...kein vergleich - kenn mich jetzt nicht sensationell gut ind NYC aus, aber sicher radln geht im park und auf baulich abgetrennten streifen, ansonsten wirds zum überlebensk(r)ampf.

FinalDestinati0n
11
25.8.2010, 12:47

Mhm.

Wenn Sie in einer Stadt, wo 8 Millionen Menschen leben und noch viel mehr arbeiten und praktisch den ganzen Tag Rush Hour ist, Radfahren wollen, ist Ihnen aber auch nicht mehr zu helfen...

kauf nix
00
25.8.2010, 14:12
gewisse erfahrung möchte man einfach machen...

...oder bildet man sich ein. manche andere eigentlich eher nicht (mehr) - frei nach dem motto: nachher is ma gscheiter.

Erzsébet Lucas
01
25.8.2010, 13:08

Es geht aber darum, dass Schicker NY quasi als 'Radfahrerstadt' anpreist und offenbar ist dem nicht so.

Datenmeer
13
25.8.2010, 11:56
U5

Bevor die Stadt weiterhin U-Bahnen in nicht besiedelte Gebiete baut (Rothneusidel - sich!) wär eine U5 nach Hernals schon längst überfällig. Der 43er ist immer übervoll und das Gebiet dort ist dichtest besiedelt.

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