Stifter wollen gemeinnütziger agieren

23. August 2010, 14:55
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Sechs Stiftungen tun sich zusammen, um gezielt Projekte zu initiieren und zu fördern

Alpbach - Während rund um die Budget- und Steuerdebatte die Stiftungsbesteuerung immer wieder in Diskussion steht, haben nun Vertreter von bekannten Privatstiftungen eine Initiative für mehr Gemeinnützigkeit vorgestellt. Sechs Stiftungen haben sich zusammengetan, um gezielt Projekte zu initiieren und zu fördern und zwar abseits der öffentlichen Hand oder von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), wie der Unternehmer Martin Essl bei der Vorstellung der Initiative beim Europäischen Forum Alpbach erläuterte.

Die sechs Privatstiftungen - Erste Stiftung, Essl Foundation, Rudolf Humer Privatstiftung, Schweighofer Privatstiftung, Katharina Turnauer Privatstiftung und Unruhe Privatstiftung - hätten sich schon bisher für verschiedene soziale und gesellschaftliche Belange engagiert. Nun wollen sie ihre Kräfte bündeln und laden auch alle im Verband Österreichischer Privatstiftungen vertretenen Mitglieder zum Mitmachen ein, erläuterte Essl.

Die beiden heute vorgestellten Projekte, ein Festival zur Armutsbekämpfung "Tu was, dann tut sich was" im Salzburger Lungau im Jahr 2011 und eine Initiative der Erste Bank für Kleinkredite an arbeitslose Gründer, die mit Widmungskapital für einen Garantiefonds in Höhe von 140.000 Euro von den sechs Stiftungen unterstützt wird, seien dabei nur die ersten Schritte.

Besteuerungsdebatte

Hintergrund der Bemühungen der Stiftungen, gemeinnütziger zu agieren, könnte die aktuelle Besteuerungsdebatte sein, mutmaßen Stiftungsexperten - auch wenn die Stiftungsvertreter heute bei der Pressekonferenz auf die Frage der Besteuerung mit keinem Wort eingehen wollten. Im Abtausch gegen den Fall von Steuervorteilen der Stiftungen wollen die Privatstiftungen gemeinnützige Projekte steuerlich absetzbar machen, so Experten.

Österreichs Privatstiftungen verfügen über Vermögen von 80 bis 100 Mrd. Euro, erläuterte Universitätsprofessor Michael Meyer. Von den rund 3.300 Stiftungen seien nur etwa 650 gemeinnützig, es gebe also noch großes Potenzial.

Wenig bis gar nichts kann Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel mit der Initiative der Stiftungsvertreter anfangen: "Ich will, dass die Steuerlast möglichst gleich auf alle gesellschaftlichen Gruppen aufgeteilt wird. Und Spenden sind und bleiben freiwillige Spenden. Karitatives Engagement in Ehren, aber das kann nie ein gerechtes Steuersystem ersetzen", so Tumpel in einer Aussendung. Durch Privilegien entgingen Steuereinnahmen, die für wichtige Projekte fehlen könnten. Die AK bleibt daher bei ihrer Forderung nach einer Beschränkung der Privilegien bei den Privatstiftungen. (APA)

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