Mehrarbeit

Gewerkschaft warnt Faymann vor Lehrerarbeit-Debatte

23. August 2010, 11:57
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    foto: apn / lilli strauss

    Fremdverschuldetes Déjà-vu für Unterrichtsministerin Claudia Schmied: Ihr Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann denkt laut über eine höhere Lehrverpflichtung für Lehrer nach.

Lehrer könnten ja vielleicht ein paar Stunden länger Lehrer sein, meint Kanzler Werner Faymann - Am besten ignorieren, lautet die Devise der schwarzen Gewerkschafter, "das lassen wir uns nicht gefallen", die des roten Lehrervereins

Wien - Der schärfste Gegenwind kam just von den eigenen Parteifreunden: Der Sozialdemokratische LehrerInnenverein Österreichs (SLÖ) will sich keinesfalls "gefallen lassen", was "seinem" Parteichef Werner Faymann, seines Zeichens Bundeskanzler, vorschwebt. Der sinnierte nämlich in der Kronen Zeitung darüber, dass man im Zuge der anstehenden Sparrunden darüber nachdenken müsse, "ob Lehrer nicht ein paar Stunden mehr arbeiten könnten".

"Ich kann mir das nicht erklären, warum er das tut", sagte der regelrecht entgeisterte SLÖ-Bundesvorsitzende Reinhard Dumser im Gespräch mit dem STANDARD: "Das ist kontraproduktiv. Das können und werden sich die Lehrer nicht gefallen lassen. Wenn der Bundeskanzler da einen Alleingang macht, dann erwarten wir uns von der Gewerkschaft zuerst Gespräche, wenn nötig aber auch gewerkschaftliche Maßnahmen." Denn die geforderte Mehrarbeit für Lehrer käme einer "Lohnkürzung durch die Hintertür" gleich.

Als Vertreter der mit 20.000 Mitgliedern "weltweit größten sozialdemokratischen Lehrerorganisation" spreche er aber vor allem als jemand, dem es um Bildung gehe, sagt Dumser, und da bedeute Faymanns Vorstoß nun mal "nicht in Bildung zu investieren, sondern zu sparen. Es kann aber nicht so sein, dass der akute Lehrermangel durch unbezahlte Mehrarbeit geschlossen werden soll." Dumser setzt ganz auf die laufenden Gespräche für ein neues Lehrerdienst- und Besoldungsrecht, jegliche Änderungen sei in diesem Rahmen zu diskutieren, "natürlich sollte man da auch über die Lebensverdienstsumme und die Lebensarbeitszeit reden".

Bald neues Dienstrecht

Die ÖVP-nahen Lehrergewerkschafter reagierten "verwundert" auf Faymann. AHS-Lehrergewerkschaftschefin Eva Scholik kommentierte den Vorschlag mit der Frage, ob der Kanzler die Turbulenzen vom Vorjahr vergessen habe. Damals wollte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) den Lehrern zwei Stunden mehr Lehrverpflichtung abringen.

Jürgen Rainer, Gewerkschaftschef der BMHS-Lehrer, bezeichnete die Idee von Faymann gerade eben als "Wortspende und Befreiungsschlag für die in Hilfsnot geratene Ministerin". Er würde das im Moment "nicht sehr ernst nehmen", sagte er zum Standard, da ohnehin in einigen Wochen das neue Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer verhandelt würde. Bisher sei man in den Gesprächen mit der Ministerin über Annäherungen nicht hinausgekommen. Bei anderen Themen wie etwa dem Bestellungsverfahren gäbe es gar keine Gespräche, sagte Rainer. Wenn es um die reine Erhöhung der Anwesenheitszeit der Lehrer an den Schulen gehe, sei man gesprächsbereit. Allerdings müsse dann auch die Infrastruktur entsprechend aufgepeppt werden: Derzeit sei nur ein halber Quadratmeter Arbeitsfläche pro Lehrer vorgesehen.

Finanzministerium: "Vorstoß mit populistischen Zügen"

Im Unterrichtsministerium verwies man am Montag erneut auf die Gespräche zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht, dabei werde auch über Arbeitszeitmodelle geredet. Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ließ ausrichten, dass der Vorschlag "auf jeden Fall zumutbar" sei.

Der Sprecher von Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) qualifizierte Faymanns Mehrarbeitsidee für Lehrer im STANDARD-Gespräch als Vorstoß "mit populistischen Zügen", noch dazu, wo Unterrichtsministerin Schmied im Frühjahr 2009 bei ihrem gescheiterten Versuch, die Lehrverpflichtung zu erhöhen, um ihre Budgetnöte zu lindern, letztlich so viel Geld lukrieren konnte (z. B. durch gekürzte Taxen, Pensionsmodelle etc.), dass sie nicht einmal die angebotene Stundung der Schulmieten in Anspruch nehmen habe müssen. (Julia Herrnböck, Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 24.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1399
Tschuri Cazzino
 
00
24.8.2010, 16:31
Den Blödsinn von der Klientellolitik ertrag ich schon nicht mehr.

Zur Klientel sowohl der SPÖ als auch der ÖVP zählen die wesentlich zahlreicheren Kritiker der Vollzeitgehälter für Lehrer bei Teilzeitjob ebenso wie die Lehrer selbst.
Die Parteien machen eben gerade NICHT Politik für ihre Klientel sondern für bestimmte Lobbies. Und Lehrer haben eben mehr Zeit und auch Geld um sich zu organisieren und IHRE Interessen durchzusetzen als die meisten anderen Berufsgruppen.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Ich gebs zu
04
24.8.2010, 16:36
Die Geschehnisse deuten eher darauf hin, dass die sozialdemokratischen Lehrervertreter

gerade draufkommen mussten, dass sie keine Unterstützung in ihrer Partei haben.

Tschuri Cazzino
 
30
24.8.2010, 19:01
Sie deuten darauf hin, dass Sie ausserhalb der Kollegenschaft,

schon seit vielen Jahren keine Unterstützung haben.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Ich gebs zu
02
24.8.2010, 16:10
Das hat doch mit einer vernünftigen Regelung der Lehrerdienstzeit alles nichts zu tun.

Faymann hat offensichtlich der "Krone" einen Knochen hinwerfen wollen, und da sind ihm halt die Lehrer eingefallen. Sein Kommentar war populistisch, sachlich nicht gerechtfertigt und in der Sache kontraproduktiv (Dienstrechtliche Verschlechterungen sollte man tunlichst nicht mit abwertenden Bemerkungen über die Betroffenen verkaufen, dass hat inzwischen vielleicht sogar schon BM Schmied kapiert).

Die verantwortlichen Gewerkschafter haben ihn denn auch nicht erst genommen.

Rabiat hingegen wurden die darniederliegenden SP-Gewerkschafter, die nach einem Debakel bei den letzten PV-Wahlen sich auch noch vom eigenen Parteichef bloßgestellt sehen.

jane doe2
10
24.8.2010, 19:56

Warum ist es sachlich nicht gerechtfertigt, von den Lehrern mehr Arbeiten/Stunden zu verlangen?

Ich gebs zu
02
25.8.2010, 07:45
Wenn der Bundeskanzler (der ja für das Ressort gar nicht zuständig ist)

Veränderungen im Lehrerdienstrecht angestrebt hätte, wäre der einzig gangbare Weg gewesen, konkrete Gründe für eine konkrete Form der "Mehrarbeit" anzuführen.

Das konnte er offenbar nicht. Vermutlich war auch nichts dergleichen geplant, weil es nur um eine Retourkutsche an die Adresse "schwarzer" Klientel ging.

Dass er dabei seine Parteigenoss/inn/en dabei ins Mark treffen würde, hat er übersehen -- meiner Ansicht nach ein typischer Fehler für eine politische Fehlbesetzung.

Im Übrigen kann Ihnen niemand erklären, warum etwas nicht sachlich gerechtfertigt ist, w e n n es nicht sachlich gerechtfertigt worden ist.

patmos
14
24.8.2010, 21:15
Versuch einer Antwort

Wenn ich Ihr Chef wäre, würde ich
a) Sie mehr arbeiten lassen
b) Ihnen dafür nichts zahlen
c) Ihnen viele viele Kunden vor die Nase schieben, denen Sie dann etwas verkaufen müssen (!), was die meisten von ihnen aber gar nicht wollen...und schon gar nicht von Ihnen
d) Ihnen zu diesem Zweck ein 60x60 cm großes leeres Büro zur Verfügung stellen
e) sämtliche Kronenzeitung-Leser gegen Sie aufhetzen, falls Sie sich gegen diesen Traum-Job beschweren.

mamilu
01
24.8.2010, 21:12

Warum ist es sachlich nicht gerechtfertigt, dass Handelsangestellte auch Sonntags arbeiten und vor allem Tourismuszentren wie etwa Salzburg und Wien davon profitieren würden? Noch dazu würden die Angestellten einen doppelten Zuschlag für ihre Dienste am Sonntag bekommen. Der Bekannte eines Freundes Freund kennt jemanden die würde das sofort machen - Ironie aus!!!

Rotzbub
04
24.8.2010, 15:06
Nachdem hier soviel unwissende posten ein Vorschlag:

Tage der offenen Tür mit
...der Möglichkeit der Teilnahme am Unterreicht
...Diskussionen mit LehrerInnen und
...Gespräche mit Eltern der Kinder und deren Erfahrungen
etc.

Viele die hier posten waren offenichtlich schon lange nicht mehr in einer Schule...

sam duke
07
24.8.2010, 14:51
ich nehme exemplarisch die turnlehrer her

von den bildungs-experten hier wird diese aufgabe als besonders leicht angesehen.

wenn das alles so einfach wäre, dann stellt sich doch die frage, warum trainer bei fußballvereinen so hohe gagen bekommen.

Tschuri Cazzino
 
00
24.8.2010, 16:25
Ein Ratschlag für's Leben.

Am besten macht man immer das, was einem am leichtesten fällt und meistens verdient man aus diesem Grund auch das meiste Geld dafür.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

vikto1313
05
24.8.2010, 15:48

Die meisten "Bildungs-experten" hier würden nicht einmal 10% von den Anforderungen der Aufnahmsprüfung für das Studium bewältigen.

Obwohl, in absehbarer Zeit, wenn es zu wenig Turnlehrer gibt, wird das Niveau bei der Aufnahmeprüfung sinken müssen, sonst gibt es bald keine Turnlehrer mehr. Das Niveau wird von Jahr zu Jahr schlechter. Und warum? Turnstunden wurden vor 10 Jahren gekürzt.

Sogar der Verteidigungsminister mokiert sich schon über den schlechten Zustand der Präsenzdiener. War wohl wieder einmal sehr kurzsichtig (Schüssel, Gehrer) beim Kürzen. Das sich das negativ auswirken wird, hat jeder Dummkopf gewusst. Nur unsere Herren in der Regierung nicht.

marie berg
20
24.8.2010, 20:31
ministerin gehrer

war aber eine der ihren, herr lehrer! soweit ich mich erinnern kann, wurde da nie mit streik gedroht!

vikto1313
00
24.8.2010, 20:43
Sie irren sich! Es wurde gestreikt und boykotiert.

2000/01 wurden Schulskikurse und Sportwochen (googeln) von den meisten Schulen boykotiert um aufzuzeigen, dass man mit den Stundekürzungen in diesem Bereich nicht einverstanden ist. Es gab auch Streikversammlungen. Den Turnlehrern wurde vorgeworfen, alles auf dem Rücken der Kinder auszutragen. Gehrer und Schüssel haben dem Ansehen der Lehrer massiv geschadet.

Einer der ihren - wieder ein Irrtum. Gehrer hatte von der Schule keine Ahnung, sie machte nur was man ihr auftrug. Viele waren mit ihr überhaupt nicht einverstanden.

Sie haben aber auch recht, den viele Lehrer die ihrer Partei angehört haben, trugen den ganzen Blödsinn (Stundnkürzungen LÜ, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der VS-Lehrer 2001 mit)

marie berg
00
25.8.2010, 11:30
tut leid,

dass da wirklich gestreikt wurde hab ich nicht mitbekommen, mir ist nur aufgefallen, dass es zu stundenkürzungen kam. mit "eine von ihnen" meinte ich lehrerin - gehrer ist doch eigentlich eine lehrerin, oder?

Sche
00
26.8.2010, 10:17
Ich würde jemanden...

...der gerade mal ein Jahr (oder waren es gar zwei?) unterrichtet hat, noch nicht als eine "von uns" bezeichnen.

Und alles andere, was bisher gesagt wurde, stimmt - Gehrer hatte absolut von gar nichts eine Ahnung, auch schon, als sie noch Landesrätin in Vlbg. war.

marie berg
00
31.8.2010, 08:09
hm

also lehrer ist man nicht aufgrund der ausbildung und auch nicht wenn man nur ein oder zwei jahre unterrichtet. gibt es da einen offizielle regelung, ab wann sich jemand als lehrer bezeichnen darf :-)???

Ich gebs zu
01
25.8.2010, 13:08
Das werden Sie vermutlich auch kaum mitbekommen.

Auch die Lehrer streiken nur sehr ungern und haben sich bei den wüsten Auseinandersetzungen letztes Jahr auch auf einen eintätigen Warnstreik beschränkt.

Der Sportwochen-Boykott war schon eine ziemliche Ausnahme. Die von Gehrer damals durchgepeitschte Regelung war auch eine unglaubliche Schw**nerei.

marie berg
10
25.8.2010, 16:01
meine

sie mit der wüsten auseinandersetzung, die verlangte umschichtung von 2 wochenarbeitsstunden? die ist ja nicht gekommen, also warum hätten die lehrer streiken sollen? oder wollen sie allen ernstes behaupten, die göd hat eine konstruktive rolle gespielt? leider hat gerade die standesvertretung der lehrer in diesem konflikt keine sehr schöne figur gemacht und das image der "lehrer" nachhaltig beschädigt.

m rams
01
25.8.2010, 18:54
Nein,

das mit dem Streik war wegen der Lohnkürzung. "2 Stunden Mehrarbeit" bzw. "Umschichtung" ist nur das Schönsprech der Ministerin. Es wäre pro Stunde einfach 10 % weniger bezahlt worden, weshalb man ca. 2 Stunden länger arbeiten hätte müssen um auf das selbe Gehalt zu kommen (bzw. um als Vollzeitlehrer zu gelten).

marie berg
10
25.8.2010, 20:03
2 stunden von c in a

topf ist umschichtung und keine mehrarbeit.

Ich gebs zu
01
25.8.2010, 20:22
Ich glaub, dass Sie das Topf-System nicht ganz verstanden haben.

Damit bei gleichbleibender Arbeitsbelastung mehr Unterricht möglich gewesen wäre, hätte man andere Aufgaben streichen müssen.

War aber nicht geplant.

Außerdem war das Ganze sowieso ein Schmäh. Es wurden einfach die Lehrverpflichtungen hinaufgesetzt, und zwar primär für AHS/BHS-Lehrer mit Schularbeitsfächern.

marie berg
10
25.8.2010, 21:04
ich bezweifle

dass alle lehrer die vorbereitungszeit auch für vorbereitung verwenden. natürlich gibt es fächer, u.a. die von ihnen angeführten schularbeitsfächer, die wirklich vor- und nachbereitungs intensiv sind. da wäre eine zusätzliche lehrverpflichtung ein schuss ins knie. aber bie lehrern, die seit jahren geographie, turnen, chemie, physik und dergleichen unterrichten, ist eine erhöhung der lehrverpflichtung nur eine logische konsequenz.

weiters hat mich überrascht, dass landeslehrer unterm schuljahr eigentlich eine 50 stunden woche haben. da sagt mir meine unmittelbare erfahrung was anderes.

Ich gebs zu
01
25.8.2010, 23:49
Ich denke, wenn irgendjemand einmal eine Expertin für Lehrerarbeitszeit braucht,

hätten Sie ein Betätigungsfeld.

marie berg
10
26.8.2010, 07:47
kein

bedarf im moment, ich hab einen guten job. aber da keine gegenargumente mehr kommen, scheinen sie prinzipiell scheinen meiner meinung zu sein. ein wunder!

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Posting 1 bis 25 von 1399

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