Todesstrafe für Wirtschaftsverbrechen soll fallen

23. August 2010, 11:28
  • Amnesty-Bericht über die Todesstrafe.

Katalog der mit Todesstrafe bedrohten Delikte soll durch Strafrechtsreform von 68 auf 55 sinken

Die chinesische Führung denkt laut über die Abschaffung der Todesstrafe für Wirtschaftsverbrechen nach: Es gebe den Vorschlag, 13 "wirtschftsbezogene, nicht-gewalttätige" Verbrechen von der Liste der insgesamt 68 Straftaten zu streichen, bei denen die Todesstrafe verhängt werden könne, berichtete am Montag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Zeitplan für die Reform wurde nicht genannt.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist auch jenes mit den meisten Hinrichtungen. Seit Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 wendet China die Todesstrafe in extensivem Ausmaß an. Jedes Jahr werden in China mehr Menschen hingerichtet als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. Nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) sind im vergangenen Jahr in China etwa 70 Prozent aller Todesurteile weltweit vollstreckt worden. Für das Jahr 2009 zählt AI 1.718 Exekutionen, die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. China selbst schweigt zur Todesstrafe, Zahlen dazu werden wie Staatsgeheimnisse behandelt.

Giftspritze und Kopfschuss

Erschießen und tödliche Injektion sind die gängisten Hinrichtungsformen, wobei die Giftspritze den Kopfschuss weitgehend ersetzt hat. Bei Jugendlichen und Schwangeren gibt es Einschränkungen. Todesurteile ergehen sowohl wegen Drogendelikten und Gewaltverbrechen als bisher auch wegen Straftaten ohne Gewalteinwirkung wie Steuerhinterziehung und Zuhälterei. Nach langjährigen internationalen Protesten prüft die Pekinger Regierung auch eine obere Altersgrenze für die Todesstrafe: Über 70-Jährige sollen nicht mehr zum Tod verurteilt werde können, meldete die englischsprachige Tageszeitung "China Daily" Ende Juli.

Auch Ausländer entgehen der Todesstrafe nicht: Erst im vergangenen Dezember wurde ein psychisch kranker Brite trotz internationaler Proteste und Appelle wegen Drogenhandels per Giftspritze exekutiert.

2009: 714 Hinrichtungen in 18 Ländern

In ihrem Jahrebericht von 2009 hat AI mindestens 714 Hinrichtungen in 18 Ländern festgestellt, wobei die Zahlen zur Volksrepublik fehlen. Aus Protest gegen die Informationspolitik führt Amnesty China erstmals nicht in seiner jährlich vorgelegten Todesstrafenstatistik auf. Im vergangenen Jahr hatte Amnesty dem Land vorgeworfen, für mindestens über 70 Prozent der weltweit dokumentierten 2.390 Hinrichtungen verantwortlich zu sein. Amnesty geht davon aus, dass auch im Jahre 2009 tausende Menschen in China hingerichtet wurden. Die Zahl der Staaten, die die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben, stieg 2009 mit Burundi auf 139.

Mehr als zwei Drittel aller Länder der Erde haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Obwohl im Jahr 2009 noch 58 Staaten an der Todesstrafe festhielten, verzichteten die meisten von ihnen auf ihre Anwendung. Mindestens 2000 Menschen wurden im vergangenen Jahr in 58 Staaten zum Tode verurteilt. Der Großteil der Hinrichtungen weltweit geht laut AI auf das Konto einer Handvoll Staaten: Neben China vollstreckten den Angaben nach im Jahr 2009 Iran mit 388, Irak mit 120, Saudi-Arabien mit 69 und die USA mit 52 die meisten Todesurteile. Iran und Saudi-Arabien richteten als einzige Länder auch minderjährige Straftäter hin. In Europa wendet nur noch Weißrussland die Todesstrafe an.

Zu den 2009 angewendeten Hinrichtungsmethoden gehörten Erhängen (Ägypten, Bangladesch, Botsuana, Irak, Iran, Japan, Malaysia, Nordkorea, Singapur, Sudan, Syrien), Erschießen (China, Jemen, Libyen, Syrien, Vietnam), Enthaupten (Saudi-Arabien), Steinigung (Iran), Elektrischer Stuhl (USA) sowie Giftinjektion (China, Thailand und USA). Im Nahen Osten und der Region Nordafrika wurden die höchsten Hinrichtungsraten der Welt verzeichnet. Irak vermeldete die höchste Zahl an Vollstreckungen bezogen auf die Zahl der Gesamtbevölkerung, gefolgt von Iran, Saudi-Arabien und Jemen. Im Jahr 2009 wurde nichts bekannt über Hinrichtungen in Afghanistan, Bahrain, Indonesien, der Mongolei, Pakistan, St. Kitts und Nevis, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Weißrussland, obschon alle diese Länder 2008 Exekutionen durchführten. Thailand wiederum richtete zum ersten Mal seit 2003 im August 2009 zwei Verurteilte hin. (red, derStandard.at, 23.8.2010)

Kommentar posten
24 Postings
johann potakowskyj
 
00
23.8.2010, 16:56
Macht sich doch gut im RestKommunismus

... den Kapitalisten die Rübe abschlagen ... wenigstens diesen oder jenen.

Im Prinzip ist das ja ein rein politische Entscheidung, ob ein Unternehmer geduldet wird oder als Wirtschaftskrimineller stirbt. Jeder Unternehmer ist doch ein Krimineller relativ zu dieser Ideologie.

sociovation
00
23.8.2010, 16:44
Richtige Maßnahme

Allerdings falsche Reihenfolge.
Allein die Ansicht, Wirtschaftsdelikte wären nicht gewalttätig, ist einfach absurd.

isidor vom billa
00
23.8.2010, 14:56
... a drop of 19.1 percent!

"The draft amendment eliminates capital punishment for 13 economy-related non-violent offences, a drop of 19.1 percent."
Na, bumm!

monoton
04
23.8.2010, 14:47

wahrscheinlich haben sie erkannt, das sie ansonst 90% ihrer beamten exekutieren müßten

Agor
11
23.8.2010, 13:57

Jede Art von Todesstrafe ist zu verurteilen aber steinigen, daß schlägt ja dem Faß den Boden aus....

Jasper Perky
13
23.8.2010, 15:07

Kommt auf das Fass an, das sie steinigen.

andreas lamers
 
02
23.8.2010, 15:33
mir gefaellt ihr humor

hotzenplotz1001
10
23.8.2010, 12:29
Klar, man will Leute wie Kulterer, Grasser und so nicht weiter abschrecken.

Die haben schließlich echt was drauf in Wirtschaftsfragen. Da können die Chinesen noch was lernen.

trollvottel
00
23.8.2010, 16:34

Das Problem ist halt - Abschreckung funktioniert nicht. Todesstrafe gibt es eher dort, wo viele Morde vorkommen, wo ein Leben nicht viel wert ist.

Und: Bis zu 20% Fehlentscheidungen bei Gerichten, selbst im reichen Westen...

short cut
08
23.8.2010, 12:17
Wenigstens ein Anfang.

Ich lebe schon jahrelang in einem Land mit Todesstrafe. Es konnte mir keiner schluessig erklaeren, wozu sie gut sein soll.
Ich bemerke nur eine Verrohung der Gesellschaft.

johngillis
00
23.8.2010, 16:55

dafür wurde ich schon gefragt, was dann die leute in ö davon abhält, verbrechen zu begehen. sie haben ja quasi nichts zu befürchten.
andere länder, andere...

Der Lord
 
65
23.8.2010, 12:11
Fehler!

GERADE für schwere Wirtschaftsdelikte gehört sie eingeführt, weltweit!!! Am besten so wie früher im alten Rom, .... laßt die Löwen rein! Jawohl!

sanginius
01
23.8.2010, 14:02

für Korruption sollte die Todesstrafe einfgeührt werden - weltweit-

Bürger Europas
01
23.8.2010, 12:41

Inklusive Schwarzarbeiter und Mehrwertsteuerbetrüger! Alle hängen!

:-)

ad vocem
00
23.8.2010, 15:37
Der Schaden durch Mehrwertsteuerbetrug ...

... wird in der EU auf ca. 250 Mrd EUR geschätzt. Wollen sie das allen Ernstes kleinreden?

graf wachibald
00
23.8.2010, 16:02

Und noch was: Wenn Berichte darüber erscheinen dass hierzulande ein Wirtschaftskrimineller eine hohe Strafe ausfasst, während ein Vergewaltiger, Schläger oder gar Mörder vergleichsweise billig davonkommt, dann passt es den Lesern meistens nicht weil die Relation nicht stimmt.

Jetzt, wo in China die Relation korrigiert wird, passt es auch wieder nicht :/

graf wachibald
00
23.8.2010, 15:57

Es will niemand kleinreden, aber ist es ein todeswürdiges Verbrechen?

Btw: 250 Mrd Euro in Summe! Ein einzelner Mensch ist durchschnittlich wahrscheinlich für ein paar tausend Euro verantwortlich (wodurch die Antwort auf meine erste Frage noch eindeutiger wird). Nicht dass das ein Kavaliersdelikt wäre. Aber ich kann nicht einen Kleinkriminellen für die Summe der Schäden verantwortlich machen. Wenn du jemanden tötest, musst du dich ja auch "nur" wegen Mord verantworten, nicht wegen Massenmord.

Bürger Europas
00
24.8.2010, 08:04

Wenn ein Handwerker schwarzarbeitet, betrügt er seine Mitmenschen um 20% Mehrwertsteuer + (je nach persönlichem Steuersatz) nochmal ca. 40% oder mehr Einkommenssteuer (vom verbleibenden Rest!). Grob gesagt kassiert er mehr als die Hälfte seines Einkommens auf Deine und meine Kosten.
DAS IST EIN SCHWERES VERBRECHEN!

Andreas Pieper
00
23.8.2010, 14:42

am besten einfach alle aufhängen die mehr besitzen bzw. verdienen als der lord.das alleine ist ja schon ein verbrechen

Der Lord
 
00
23.8.2010, 12:54

nein, die natürlich nicht ... nur schwere Verbrechen! sonst würden die Giftspritzenerzeuger ja gar nicht mehr nachkommen ;-)

Ich denke da zum Beispiel an Waffenhändler, Atomlobby, Banker, Analysten, Hedgefonds .... so ein Gsindl halt

schnaps01
01
23.8.2010, 13:11

Ökonomen!!

Hängt sie höher ;)

hotzenplotz1001
01
23.8.2010, 12:26
Der Lord = Fanatiker des Todes

Markus1975
11
23.8.2010, 12:43
wohl eher ein fan der kriminalitätsprevention

könnte man doch auch so sehen ....

andreas lamers
 
00
23.8.2010, 15:35
naja

also jeden toeten der eine straftat BEGEHEN KOENNTE. andererseits, das loest das problem mit der ueberbevoelkerung schlagartig.

dazu die frage, soll ich mich fuer die exekution wo melden oder werde ich abgeholt?

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