Polizei gesteht eindeutige Fehler bei Geiseldrama ein

23. August 2010, 19:17
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Acht Touristen starben - Polizeichef sieht "klare Mängel" - Live-Übertragung half Geiselnehmer

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas in Manila hat die Polizei bei ihrem Einsatz Fehler eingeräumt. Acht Insassen eines Touristenbusses aus Hongkong sind in der Hauptstadt Manila getötet und sechs weitere verletzt worden, nachdem ein ehemaliger Polizist das Fahrzeug in seine Gewalt gebracht hatte. Nach mehr als zehnstündigem Nervenkrieg erschossen Einsatzkräfte den Mann.

Nun gesteht der philippinische Polizeichef ein, dass man zwar die richtigen Einsatzleitlinien verfolgt habe, dennoch seien "klare Mängel hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und der verwendeten Taktik zu erkennen gewesen." Dies müsse nun weiter überprüft werden. Inzwischen sind auch Sicherheitsexperten aus Hongkong in Manila eingetroffen, um die Untersuchungen zu beobachten.

Live-TV half Geiselnehmer

Als die Polizei nach chaotischen Szenen schließlich Kontrolle über den Bus erlangt und ein Scharfschütze dem Geiselnehmer in den Kopf geschossen hatte, waren bereits acht der Geiseln tot.

Sicherheitsexperten warfen der Polizei vor, schwere Fehler begangen zu haben. Die Live-Berichterstattung über das Geiseldrama im Fernsehen sei eine wesentliche Verfehlung gewesen, sagte John Harrison von der Nanyang Universität in Singapur der Nachrichtenagentur AFP. Über ein Fernsehgerät an Bord des Busses habe der Geiselnehmer das Geschehen um ihn herum genau beobachten können - inklusive der im philippinischen Fernsehen ausgestrahlten Spekulationen von pensionierten Polizeioffizieren über das wahrscheinliche Vorgehen der Einsatzkräfte.

Entführer wollte wieder eingestellt werden

Das Geiseldrama hatte Montag in der Früh begonnen, als der mit einem M16-Sturmgewehr bewaffnete Kidnapper die 25 Menschen in dem Bus in seine Gewalt brachte - vier Philippiner sowie 20 Touristen und einen Reiseleiter aus China. Nach Angaben eines Polizeisprechers war der Mann im Jänner wegen schweren Fehlverhaltens aus dem Polizeidienst entlassen worden. Er habe nichts falsch gemacht und wolle wieder eingestellt werden, die Verantwortlichen sollten seinen Fall prüfen, forderte der Geiselnehmer nun bei den Verhandlungen. Während der Gespräche ließ er neun Menschen frei, darunter mehrere Kinder.

Spezialkräfte versuchten mit Äxten in den Bus zu kommen

Nachdem stundenlange Verhandlungen ergebnislos geblieben waren, spitzte sich die Lage zu. Der Mann gab schließlich an, aus Wut zwei der Touristen erschossen zu haben. Daraufhin versuchten die Spezialkräfte, in den Bus zu gelangen - unter anderem, indem sie mit Hämmern und Äxten auf die Tür einhieben.

Der Fahrer des Reisebusses konnte vor dem Eingreifen der Polizei flüchten. Nachdem der Kidnapper am Abend von Beamten erschossen worden war, zeigten die Fernsehbilder, wie bei strömendem Regen Menschen aus dem Bus stiegen oder getragen wurden, etliche Rettungswagen fuhren heran. Zuvor hatte es mehrere Schusssalven gegeben, die Aufnahmen zeigten zudem Rauchschwaden im Bus - möglicherweise von einer Gaspatrone.

Die Behörden in Hongkong kündigte an, ein Flugzeug nach Manila zu schicken - an Bord Verwandte der toten und verletzten Touristen. Auch Vertreter der Regierung und Ärzte sollten mit auf die Philippinen fliegen. (APA)

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    Beim Sturm auf den Touristenbus hat die philippinische Polizei Fehler gemacht, so schlug etwa ein Versuch mit Äxten und Hämmern fehl.

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