Muslimischer Peacemaker, der sein Land spaltet

22. August 2010, 19:57
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US-Imam Feisal Abdul Rauf will eine Moschee bei Ground Zero

Er nennt sich "Peacemaker". Doch über das Herzensanliegen von Imam Feisal Abdul Rauf - die Errichtung eines islamischen Kulturzentrums samt Moschee nahe dem Ground Zero - ist in den USA ein heftiger Streit entbrannt. Die Republikaner wettern gegen das Gebäude, das zwei Blocks vom 9/11-Schauplatz errichtet werden soll. Das sogenannte Cordoba House spaltet selbst die Demokraten. Schlussendlich relativierte auch US-Präsident Barack Obama seine zunächst geäußerte Unterstützung.

Nach einer Umfrage lehnen 68 Prozent der US-Amerikaner denBau ab, gegen den sich Opferverbände besonders vehement wehren. Dabei will Abdul Rauf mit dessen Verwirklichung vor allem eines: Eine Annäherung zwischen Christen und Muslimen erreichen. Diesem Vorhaben widmete sich schon sein Vater, Muhammad Abdul Rauf. Der Ägypter zog 1965 mit seiner Familie nach New York City und errichtete dort kurz später ein Kulturzentrum - damals ohne jegliche Kontroversen.

Zunächst studierte sein 1948 in Kuwait geborener Sohn Physik.Ein Studienkollege beschreibt Feisal als "aufrichtig offenen" Menschen mit großem Interesse am Judentum. In den 70ern probierte dieser sich als Lehrer und in der Immobilienbranche, heiratete und wurde dreifacher Vater. Er studiere den Islam und übernahm die Leitung einer Sufi-Moschee, zwölf Blocks vom World Trade Center entfernt. Sie war eine der wenigen, in der eine Frau Gebete leitete. Nach seiner Scheidung heiratete Abdul Rauf seine heutige Frau Khan.

In den 90er-Jahren widmete sich das Paar interreligiösen Fragen. Abdul Rauf gründete das ShariaIndex Projekt - Kritiker sehen es als die Scharia unterstützend, wie sie die Taliban verfolgen. Abdul Rauf erklärt, es zeige, welche Staaten islamische Rechte, wie jene auf Leben und Bildung, am besten verfolgten. In seinem Buch "What‘s Right With Islam Is what‘s Right With America" zeigt er die Übereinstimmungen zwischen US-Demokratie und dem Islam auf.

Mancher Experte meint wiederum, bei seinen Bemühungen um die Annäherung von Christen und Muslimen verliere er den Kontakt zu den "wahren Anliegen der Muslime" . Außerdem stoße er mit seiner sufistischen Auslegung des Islam orthodoxen Muslimen vor den Kopf. Andere wiederum bezeichnen ihn als Extremisten - was für einen jahrzehntelangen Kenner derFamilie "einfach nur verrückt" ist. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 23.8.2010)

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