Contra

"Ich brauche keine Tiere zum Essen"

22. August 2010, 18:35
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    foto: apa/helmut fohringer

Karin Bauer - CONTRA

Hirn mit Ei - das war für uns Kinder vorgesehen, wenn Schlachttag war. Die Oma hat es für uns abgerührt und geröstet, wir haben zugeschaut. Später dann im Speisenkeller haben wir auch zugeschaut, wie die Tante Berta (wir sind nicht verwandt, "Tante" war eine Art Expertinnenstatus) mit eigens mitgebrachtem Holzlöffel die Blunzensuppe im Kupferkessel abgeschmeckt hat. Mit dem Opa haben wir derweil die Gedärme ausgewaschen - allesamt Vorbereitungen für Festtagsessen: Blutwurst. Ich erzähle das nicht, damit es einen ordentlich abgruselt. Es gruselte mich damals nicht, nicht einmal in der Erinnerung an das Schweindlkreischen beim Abstechen. Und all diese Erinnerungen gruseln mich auch heute nicht, obwohl ich seit zwei Jahrzehnten keine Tiere esse. Kein Fleisch und auch keine Fische. Ich habe kein Fleisch-Trauma von damals.

Diese Erinnerungen sind in einer anderen Schublade - weil unser eigenes Schwein zu schlachten und alle Teile essbar zu machen war ein Luxus. Ein Ritual. Ich will gar nicht zu viel Dankbarkeit hineintun ex post, aber zumindest Respekt vor dem Vieh und dem, was es uns war. Wir haben damals auch unseren Paradeisern, den Weingartenpfirsichen und unseren Weintrauben mit Respekt beim Reifen zugesehen. Opa hat es gehasst, wenn bei der Weinlese Beeren auf dem Boden liegengeblieben sind. Er ist durch die Reihen gegangen und hat sie hinter uns Kindern aufgeklaubt.

Fleisch essen war Luxus. Dann konnte ich mir den Luxus leisten, keines zu essen. Jetzt ist es für mich eine Verpflichtung.

Es ist erstens die ständig beobachtete Unachtsamkeit gegenüber als essbar etikettierten Lebewesen, die mich dazu gebracht hat, keine Tiere mehr zu essen. Die Unerträglichkeit des Anblicks von respektlosem Fleischkonsum in rauen Mengen, von Weggeworfenem, von Tiertransporten. Dann erst haben mir die Tiere leidgetan. Dann habe ich noch genauer hingeschaut. Und es hat wehgetan zu sehen, wie Retrievern püriertes Kalbfleisch gefüttert wird, sie danach mit Lachsleckerlies im Bett schlafen, während draußen die Steaks bruzzeln und die Schillerlocken angerichtet werden. Ich wurde missionarisch und hörte immer: "Ich brauche Fleisch." Das stimmt für unser Leben, unseren Zugriff auf Lebensmittelvielfalt nicht.

Ich habe es ausprobiert. Ich brauche keine Tiere zum Essen. Ich pflege keine tabellarische Ersatz-Ernährung mit Soja oder anderen hippen Produkten. Ich esse, was mir gut schmeckt, inklusive Schokolade. Man hat mich gewarnt. Vor allem vor und während der Zwillingsschwangerschaft. Ich war als mangelernährtes Wesen eingestuft. Beruhigt und tierlos im Essen gehalten hat mich die Überzeugung, dass hier, in dieser Überangebotsgesellschaft, alles da und essbar ist, was frau und werdende Mutter für ihre Kinder und sich braucht.

So war es auch. Erstaunte Ärzte wegen des wunderbaren Blutbildes, Kinder bei bester Gesundheit und auf angstrengendstem Energieniveau. Ob ich meine Kinder vegetarisch ernährte, werde ich oft gefragt. Vermutlich möchte man eigentlich wissen, ob ich zwänglerisch fundamentalistisch sei. Nein.

Ich thematisiere sehr oft meine Haltung gegen Fleischkonsum - auf weltanschaulicher Basis. Auf dieser Ebene sind die Argumente ja zählbar, messbar, wägbar, vom Landverbrauch bis zu den Methanemissionen und den Klimafolgen bis zur volkswirtschaftlichen Komponente - aktuelles Beispiel Argentinien. Ich versuche, eine Reflexion über Fleischgewohnheiten in Gang zu bringen. Das tue ich auch bei den Kindern - bis jetzt nicht mit radikalem Erfolg.

Ich koche noch immer Fleisch. Weil ich mir nicht ganz sicher bin, dass mein Selbstversuch des rein Vegetarischen bei Menschen, die gerade wachsen, genauso gesund ist. Ich glaube es, weiß es aber nicht. Aber ich hoffe, dass meine Kinder irgendwann von sich aus Nein sagen. Weil sie dann wissen, dass sie es nicht mehr brauchen. Und weil sie erkennen, dass "schmeckt gut" für Menschen, die im Lebensmittelüberfluss leben, keine Legitimation ist, Tiere zu töten und sich zwischen die Zähne zu schieben. Immerhin haben sie das Glück, an einem Ort der Erde, in einer Familie aufzuwachsen, die es sich leisten kann, über solche Fragen nachzudenken - und es daher muss. (DER STANDARD Printausgabe, 23.8.2010)

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D.S.1
60
24.1.2011, 19:11
Eine ehrliche Frage and alle

Zuerst möchte ich betonen, dass ich es persönlich wichtig finde, dass Nutztiere artgerecht und würdig gehalten werden, bzw. wenn es soweit ist, möglichst schmerzarm geschlachtet werden. Industrielle Massentierhaltung lehne ich ab.
Nun zu meiner Frage: Wenn ab heute alle Veganer werden würden, wer hätte dann noch das Geld und die Zeit, all die vielen Nutztiere, die nicht in freier Wildbahn überleben können, bis ans Lebensende durchzufüttern? Würde das nicht dazuführen, dass alle elendiglich zugrunde gingen oder massenhaft notgeschlachtet werden müßten?

Rofl Mao
00
21.2.2011, 19:23
eine ehrliche antwort

kriegst du nicht, denn das steht nie und nimmer zur diskussion. es sei denn du willst mit militanten veganern diskutieren, aber wenn du den artikel gelesen hast, weißt du wohl, dass es darum hier nicht geht.

sie sagt ja, sie issts, denn sie findets nicht nötig. für sich. es is ideologie dahinter. auch. und auch nicht jeder veganer is militant und kritisiert jeden tierkonsum.

ach ja, doch eine antwort: nehmen wir an die tiere würden zugrunde gehen. aber auf die nächsten tausend jahre berechnet, wo tiere nurmehr für den eigenen nutzen leben, und auch im kreislauf des lebens brutal getötet werden, is es von der handlung des menschen aus gesehen immer noch weniger schaden, oder?

mandamanda
01
14.9.2010, 13:22
vor jahren habe ich meine hühner getötet....

... und dieses erlebnis hat mich dazu bewogen, keine tiere mehr zu essen - die leben genauso (gerne) wie ich, hatten angst zu sterben.
das war meine entscheidungsbasis.
meine kinder habe ich diesbez. in ruhe gelassen - sie sollten selber heraus finden, was sie mögen / brauchen.

greenling
11
25.8.2010, 15:22
http://de.wikipedia.org/wiki/Vegetarismus

für diejenigen, die behaupten, eine vegetarische hätte keine gesundheitl. Vorteile:

ich zitiere:
"Studien ergaben, dass Vegetarier seltener an Erkrankungen wie Übergewicht, Arteriosklerose, Altersdiabetes, Bluthochdruck und Krebs leiden. In einigen Untersuchungen wurde diese Erkenntnis durch Kontrollgruppen bestätigt."
"Der Durchschnittsdeutsche liegt zurzeit über der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Eiweißzufuhr, während der Durchschnittsvegetarier der Empfehlung entspricht. Sogar Veganer haben bei richtiger Auswahl und Kombination der Lebensmittel kein Problem mit ihrer Eiweißversorgung."

etc.

aber wahrscheinlich wurde ja wikipedia von der veggie-lobby bestochen sowas zu schreiben...kann doch gar nicht sein!

Poldi Fesch
20
25.8.2010, 22:28
nicht bestochen,

das hat die vegilobby einfach hineingeschrieben

dr. satanas
22
25.8.2010, 11:19

natürlich gibt es leckere fleischlose speisen (z.b. krautfleckerl, kaiserschmarrn, ...), aber öfter als 2-3 mal im monat brauch ich es nicht.

roterbruder1
01
25.8.2010, 10:10

eine der wenigen vegetarierinnen, die bei diesem thema nicht in geradezu religiösen wahn verfallen oder aus hippen gründen irgendwelchen pseudostars nachäffen.
enfach logisch erklärt, mit rationellen überlegungen an das thema herangegangen, kann man ihr eigentlich nur zustimmen.

wenn nur das schnitzel nicht so gut wäre...

A ndreas Bogeschdorfer
01
25.8.2010, 21:42
Also meine Erfahrung mit Vegetariern ist anderer Natur.

Kennen Sie Vegetarier, oder tragen Sie ein Vorurteil mit sich rum?

Ich kenne eine ganze Menge Vegetarier und nicht eine einzige dieser Personen hat jemals versucht mich zu bekehren.

Wenn schon, dann sind es Veganer, die fundamentalistisch argumentieren und in deren Weltbild auch so manches widersprüchlich ist. (z. B. der Verzicht auf Leder und dessen Ersatz durch synthetisches Material, das bei weitem mehr Schaden anrichtet)

Rofl Mao
00
21.2.2011, 19:26
ich war lange

veganer, dachte nie dass es irgendwen interessiert, und wäre nicht auf die idee gekommen anderen zu sagen, wie sie zu leben hätten, aber dafür wollten sie das mir antun.

bei jeder party. wird einem nur mist vorgeworfen. auch wenn man oft zugibt man sei kein ideologischer held. was interessiert es andere so sehr, was irgendwer isst oder nicht isst?

Poldi Fesch
01
25.8.2010, 22:29
nicht, dasz ich

auch nur daran daechte, die auseinander zu halten

That Guy...
 
04
25.8.2010, 13:53
kenne es eher andersherum...

mir ist es herzlich egal was andere futtern, bin aber auch nach jahren als vegetarier immer und immer wieder in der situation mich anderen (fleischessern) gegenüber zu rechtfertigen, bzw zu erklären warum ich mich so entscheide.

mir anzuhören wie toll dieses steak oder wie zart der lammbraten ist; was mir nicht alles entgeht und wie ungesund es ist auf fleisch und fisch zu verzichten. besonders meine großmutter hat sich damit nicht und nicht abfinden können.

Poldi Fesch
10
25.8.2010, 22:30
es ist ja auch

enttaeuschend, wenn das Enkerl schlecht iszt

Steverino
04
24.8.2010, 23:15

Ein Freund von mir, Vegetarier, sagte mir einmal, dass er nicht deshalb kein Fleisch äße, weil er die Tiere so liebe, nein, er äße deshalb kein Fleisch, weil er die Pflanzen so hasse.

Der Biber
00
24.1.2011, 19:00
schlüssiges Argument

aber man muss die Pflanzen deswegen ja nicht essen. Man kann sie ja auch rauchen :-)

greenling
05
23.8.2010, 18:31
Frau Bauer,

sie müssen sich nur noch mehr informieren, es ist schon medizinisch bestätigt, dass ein vegetarischer Lebensstil in jedem Alter gesund ist, solange die Ernährung ausgewogen ist!

James131
40
25.8.2010, 13:34

Der beweis ist bis heute NICHT erbracht.
Aber dafuer, dass bei verzicht auf tierisches eiweiss die hirnentwicklung verzoegert wird, dass die muskelbildung verlangsamt wird, dass die koerperliche leistungsfaehigkeit herabgesetzt wird, dass es zu mangelerscheinungen kommt ..... sicher, alles medizinisch seit den alten Griechen bewiesen und davor war es den voelkern bekannt

mandamanda
01
14.9.2010, 13:15
ein kompletter humbug ...

.... den sie hier schreiben - informieren sie sich doch einmal wirklich und reden sie nicht nach, was sie nicht überprüft haben!

greenling
10
25.8.2010, 14:31
so ein unsinn!

gerade unter den griechischen philosphen gab es viele vegetarier!

Fisch^^Fisch
00
24.8.2010, 19:29

Ist bei Kindern die einmal in der Schule, dann bei Freunden, dann daheim, dann bei der Oma, usw. essen sehr schwer umzusetzen.

1 Wolfgang 1
08
23.8.2010, 18:05

Das ist wohl einer der besten Artikel, die ich zu diesem Thema gelesen habe. Auch für nicht Vegetarier nachvollziehbar, wie sie zu ihrer Entscheidung kam . Finde auch sympathisch, dass sie ihren Kindern das nicht aufzwingt, sondern sie selbst entscheiden lässt und ihnen bis dahin auch Fleisch gibt.

ja aber
71
23.8.2010, 16:30
dank der globalisierung gehts den vegetariern heute gut

schliesslich werden das ganze jahr die lebensmittel rund um den globus herangekarrt.

mandamanda
00
14.9.2010, 13:17
oje ...

... schon wieder einer der globalisierungskritiker ;-)
im ernst: hier gibts praktisch alles, was ein vegetarisch lebender mensch braucht

greenling
02
23.8.2010, 17:24
übrigens,

es gibt soja aus österreich zu kaufen!

zeitungsente süß sauer
03
23.8.2010, 17:23
und fleisch nicht oder wie?

als vegetarier kann man sehr gut auch nur von heimischen speisen leben - das postig ist vollkommener nonses.

und grundsätzlich geht's doch ohnehin in erster linie darum, möglichst viel einheimisches zu essen. und so wenig fleisch, sodass artgerechte tierhaltung auch ermöglich wird.

ja aber
11
23.8.2010, 17:35

na, dann ernaehren sie sich mal von jaenner bis maerz aussschliesslich von einheimischen vegetarischen lebensmitteln.

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