Hallo?!

22. August 2010, 18:40
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... als geschriebene Gruß­formel, in eine Mail ge­setzt von Menschen, die man nicht kennt, das derpacken wir halt nicht

"Weil kein Mädchen Ey du heißt": Die Werbung, mit der Axe offenbar die Knaben ein wenig zivilisieren will, rührt in mir eine Saite an. Wobei ich höchstens als Ey Oma infrage komme - nicht nur des Alters wegen, sondern weil ich mich hier als unwiederbringlich out oute, wenn ich sage, dass ich auch nicht Hallo heiße. Zumindest im Schriftverkehr nicht.

Denn wir sind die Generation, die es mittlerweile tadellos draufhat, von Bekannten mündlich anhallot zu werden und selbst Bekannte anzuhalloen. Aber das Hallo als geschriebene Grußformel, in eine Mail gesetzt von Menschen, die man nicht kennt (und deshalb eigentlich auch nicht mehr kennenlernen will), das derpacken wir halt nicht mehr.

Wobei drei Hallo-Arten auftreten: Das solistische simpel- rüpelhaft daherkommende Hallo!, das Hallo Frau N. (das indifferenteste der drei) und das besonders unangenehme, weil irgendwie aufdringlich-vertrauliche Hallo N. N.

Übrigens berichten Freunde von der Universität, dass sich bei ihnen das Hallo Prof! häuft (neben der Mailvariante ohne jede Anrede). Leicht ironische Antworten werden meist nicht verstanden - oder als Mangel an Demokratieverständnis aufgefasst. Möglich wäre auch ein Rückgriff auf die alte Volksweisheit: "Der Hallo is scho gstorbn" ("... und liegt glei neman Heast am Friedhof"). Um nicht gleich schreiben zu müssen: "Wir haben ja nicht zusammen Schweine gehütet."(guha, DER STANDARD Printausgabe 23.8.2010)

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