Schulden wachsen rasant

ÖBB in Finanznot: SPÖ drängt auf Millionenhilfe

Andreas Schnauder, 22. August 2010, 17:30
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    Die SPÖ durchkreuzt mit ihrer Forderung nach Hilfen für die Bahn die Pläne der ÖVP zur Stärkung des Verbunds. Der will sich von den Eigentümern eine Milliarde Euro für den Ausbau der Wasserkraft holen, von der die Republik etwas mehr als die Hälfte aufbringen soll. Doch Investoren und die SPÖ befürchten, dass die Mittel erneut in ausländische Projekte fließen könnten.

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Schulden um mehr als ein Drittel explodiert - Verbund-Kapitalerhöhung als Faustpfand

Angesichts einer in nur zwei Jahren um mehr als ein Drittel auf knapp 18 Milliarden Euro gestiegenen Verschuldung und eines ebenso stark gesunkenen Eigenkapitals pocht die SPÖ auf Hilfen für die Bahn. Als Druckmittel dient die von der ÖVP angestrebte Verbund-Kapitalerhöhung, für die der Bund 510 Millionen Euro lockermachen soll. Verkehrsministerin Doris Bures (SP) sieht nicht ein, dass der Stromkonzern staatliche Hilfe erhält, während das ÖBB-Eigenkapital erodiert, ist aus ihrem Umfeld zu hören.

Konkret verlangen ihre Bahnmanager einen Verzicht auf Rückforderungen des Staates für illegale Gratisfahrten und überhöhte Pflegegeldbezüge. Dabei rechnet die ÖBBmit Nachzahlungen von gut 300 Millionen Euro, im schlimmsten Fall könnten es aber auch 1,2 Milliarden werden. Die ÖVP weist das Anliegen zurück: Man könne laufende Verfahren nicht politisch abstellen. Zudem soll die Bahn wie berichtet 400 Millionen Euro einsparen, heißt es aus der Volkspartei.

***

Wien - Zuschüsse an und angebliche Privilegien der ÖBBsind derzeit eine beliebte politische Spielwiese. Überschattet wird davon die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung der Bahn, die mit Volldampf in Richtung finanzieller Schieflage manövriert. Innerhalb von zwei Jahren ist das Fremdkapital um gut 40 Prozent auf nun 17,9 Mrd. Euro explodiert. Das Eigenkapital schrumpfte in diesem Zeitraum um ein Drittel auf 1,82 Mrd. Euro und liegt nun unter dem Nennwert des Grundkapitals (1,9 Mrd.).

Macht unter dem Strich eine Eigenkapitalquote von neun Prozent. Dabei profitierte der Konzern von der Einigung mit der Deutschen Bank über die Auflösung von Spekulationsgeschäften, die 307 Mio. Euro Buchgewinn brachte. Angesichts der von der Politik vorgegebenen hohen Investitionsvolumina ist der weitere Anstieg der Schulden vorprogrammiert.

Während die Volkspartei regelmäßig verbale Salven auf die Bahn abfeuert, versuchen die Sozialdemokraten die Lage des Unternehmens mit staatlicher Unterstützung zu verbessern. Dabei bedient man sich der Verhandlungsmaterie Kapitalerhöhung beim Verbundkonzern, um im Gegenzug Zugeständnisse für die ÖBBherauszuholen. Insgesamt wünscht sich Österreichs größter Stromkonzern eine Stärkung um eine Mrd. Euro, von der der 51-Prozent-Eigentümer Republik 510 Mio. Euro stemmen soll.

Rückzahlung strittig

Das Vorhaben musste wegen Widerständen der Sozialdemokraten im Juli vertagt werden. Nun steht das Dossier auf der Tagesordnung des Ministerrats am kommenden Dienstag. Und Verkehrsministerin Doris Bures (SP) versucht, im Gegenzug eine Hilfe für die Bahn herauszuschlagen. Am einfachsten wäre es, auf die von den öffentlichen Kassen gestellten Rückzahlungsansprüche zu verzichten. Die Bahn hat über Jahre keine Selbstbehalte für Pflegegeld geleistet und Mitarbeitern außerhalb des Bereichs Personenverkehr Gratisfahrten gewährt - dafür fordern Finanzamt und Sozialversicherung Beiträge und Lohnsteuer zurück. Die Bahn hat nun in ihrer veröffentlichten Bilanz berechnet, dass die Nachzahlungen im schlimmsten Fall knapp 1,2 Mrd. Euro ausmachen würden.

Rückgestellt wurden nur etwas mehr als 300 Mio. Euro. Diese Summe gilt als Richtschnur in den Verhandlungen. Angesichts der Eigenkapitalerosion würde ein Verzicht auf die Nachzahlung helfen. "Die Forderungen müssen auf null gestellt werden" , heißt es aus hohen Bahnkreisen zum Standard. Das Finanzministerium kontert:Die Politik könne nicht einfach abgabenrechtliche Verfahren vom Tisch wischen. Jedenfalls wird der Koalitionsstreit um die Bahn immer turbulenter. Die SPsieht eine regelrechte Kampagne der VP und vermutet eine knallharte Strategie dahinter. Je schlechter es der ÖBBgehe, desto größer werde der Druck zu Privatisierungsschritten. Zuerst könnte die Bahn gezwungen sein, ihre Kraftwerke zu verkaufen, auf die wie berichtet der Verbund ein Auge geworfen hat. In weiterer Folge würde die Diskussion über die Hereinnahme eines internationalen Partners für die Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria wiederbelebt werden.

Derzeit lässt sich schwer abschätzen, wie unter diesen Umständen der Poker um die Verbund-Kapitalerhöhung ausgehen wird. Zumal neben der Verquickung des Dossiers mit der Bahn andere Bedenken bestehen. So sieht Bures nicht ein, warum es bei allen anderen Ausgabenbereichen keine Festlegungen vor der Budgeterstellung gibt, der Verbund aber Geld erhält. Auf Eis liegt beispielsweise die groß angekündigte neue Forschungsstrategie. Auch für andere von Wirtschaftsforschern urgierte Maßnahmen wie eine Neuauflage der thermischen Sanierung fehlen jedwede Mittel.

Suche nach Geld-Mascherl

Zudem ist die Kapitalerhöhung des Verbunds auch per se nicht unumstritten. Bei einer Gewinnmarge von 30 Prozent fragen sich Beobachter, warum der Konzern die Staatshilfe notwendig habe. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger vermutet, dass verfehlte Auslandsinvestitionen der Vergangenheit mit der Stärkung "zugedeckt werden sollen" . Dadurch hat sich der Verschuldungsgrad innerhalb von zwei Jahren auf 140 Prozent verdoppelt.

Zudem fordert die SPÖ Garantien, dass die Mittel - wie von der ÖVP versprochen - nur in österreichische Wasserkraft- und Leitungsnetz-Projekte investiert werden. Geld hat freilich kein Mascherl, weshalb eine Abgrenzung in in- und ausländische Unterfangen schwierig erscheint.

Diese Bedenken werden übrigens auch von den Mitaktionären Wiener Stadtwerke, EVN und Tiroler Tiwag geteilt. Darüber hinaus fehlen ihnen noch eine exakte Projektliste und dazugehörige Rentabilitätsdaten. Sollten die Landesversorger nicht überzeugt werden, wäre die Verbund-Initiative ohnehin hinfällig, weil sie über eine Sperrminorität verfügen und ein Veto gegen die Kapitalerhöhung einlegen können. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8.2010)

Kommentar posten
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Beobachter76
00
DNA von SPÖ ist unverändert

Das Verhalten von SPÖ zeigt, dass alles gleich geblieben. Die SteuerzahlerIn zahlt und SPÖ verteilt.

Nur jetzt ist die Frage, was können wir dagegen tun?

Kozibba
02
27.8.2010, 09:41
Verkehrspolitik findet in Österreich nicht statt

Es gibt in Österreich leider keine vernünftige Verkehrspolitik sondern nur politisches Hick Hack. Für ÖVP ist nur eines wichtig = Zerstörung der ÖBB (=SPÖ-Wähler). Haider wünscht sich den sinnlosen Koralmtunnel, der wird gebaut. Pröll verhindert den wichtigen Semmeringtunnel usw.
Die schwarz-blaue Regierung hat ja durch die Zerteilung der ÖBB, den richtigen Schritt gesetzt, so miserabel wie derzeit war die Bahn noch nie !

Wolfi Krawattl
01
24.8.2010, 09:56
ÖBBler sind Schuld!

Ja die ÖBBler sind Schuld das sie ÖBBler sind!
Nur komisch das die ÖBBler vor 20 Jahren doppelt soviele aktive Mitarbeiter hatten und seit der Schüssel ÖBB Strukturreform die Verwaltung explodierte und die fähigen Manager Superprovisionen bekommen haben weil sie der Privatwirtschaft in die Hände arbeiteten, dann auch noch der Haiderische Koralmtunnel und ein paar Prestigeprojekte wie der Wiener Zentralbahnhof um die Wirtschaft zu beleben das alles sollte halt in Zukunft von den ÖBBlern bezahlt werden und nicht von den Verursachern weil die sind ja oder waren ja nie bei der ÖBB!

José Atento
12
23.8.2010, 20:39
Wie wär's mit sparen?

Macht endlich Schluss mit der endlosen Verschwendung von Steuergeldern.
Solche Privilegien kann sich Ö leider nicht mehr leisten.

Dilbert
01
23.8.2010, 22:24

Welche Privilegien meinen sie?

. g.bac
00
24.8.2010, 00:53

welches sparen meinen sie? oder nehmen wir die milliarden zur kenntnis und machen weiter wie bisher?

Dilbert
00
24.8.2010, 10:19

Braucht Österreich eine funktionierende Infrastruktur oder nicht?

. g.bac
00
24.8.2010, 10:37
etwas künstlich am sterben zu hindern "funktioniert" nicht

was österreich braucht sind systeme die sich selbst tragen, zukunftsorientiert und flexibel sind.. oder eben billig sind. (wie im amyland, dort ist schienenverkehr ein privates lukratives geschäft)

fässer ohne böden, für ein paar nostalgiker, weil die auf ganz grosse züge wie zu kaisers zeiten stehen, stehen wirklich nicht mehr auf der "unbedingt nötig" liste.

Bill Sheppard
00
26.8.2010, 15:34
Amtrak ist doch ein Staatsbetrieb

In Grossbritanien, wo British Rail schon seit langem aufgebrochen in verschiedenen Privatunternehmern worden ist, sind die Preise hochgestiegen aber trotzdem kriegen die Gesellschaften sogar mehr Subventionen als BR während sie Rekordprofite abkassieren.
Das wäre schon genug, aber die privatersierte Bahnanlagegesellschaft 'Railtrack' hat so viel bei Sicherheit gespart um Gewinne zu erhöhern, hat es zu tödlichen Unfällen geführt.

Was ÖBB braucht ist keine Privatisierung, sondern echte demokratische Strukturen für Kunden und Angestellten um das Geld am Besten einzusetzen.

Dilbert
00
24.8.2010, 12:39
systeme die sich selbst tragen

da hätten wir weder Straßen noch Schienen in Österreich

rundinho
04
23.8.2010, 17:55
An alle ÖVP-Kampf-Gwerkschafts-basher

Ich vermisse euch beim Artikel über die Lehrerarbeit.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben ...
15
23.8.2010, 17:52

Unglaublich: über Jahre hat die ÖVP gezielt versucht der Bahn zu schaden, diese regelrecht zu zersetzen und betriebswirtschaftlich zu einem lost case zu machen.

und jetzt, während die roten die eisen aus dem feuer holen wollen, schießen die schwarzen scharf.

und des geht durch ...
ps: 2000 unter draxler war die bahn bereits saniert, draxler ist damals abgeschossen worden

. g.bac
00
24.8.2010, 09:08
womit genau wollen die roten die öbb-karren aus den dreck ziehen?

mit einer milliarde zuschuss.. und... was dann?

dann ist es einfach eine milliarde mehr die man anderorts schulden machen kann?

wieder wird nur das wasser für kurze zeit aus dem rumpf geschöpft, statt das leck zu dichten und in 5 jahren stehen sie wieder da, die roten rufen nach milliarden und sie werden sich wieder auf 6 jahre blauschwarz berufen. ganz als ob die öbb bis 2002 ein profitabler musterbetrieb gewesen wäre.

blauschwarz haben 2005 der öbb 6,4milliarden "geschenkt" (bzw. auf schulden verzichtet, die natürlich jetzt nicht mehr in den 20milliarden aufscheinen), aber irgendwann muss schluss sein mit dem geldverbrennen.

Nestor1979
01
23.8.2010, 23:04
Falsch. Die ÖVP hat gezielt versucht, durch kleinere Unternehmenseinheiten die Macht der Gewerkschaft zu brechen - und hat dabei Schiffbruch erlitten.

der_kleine_pariser
 
12
23.8.2010, 20:29

was heisst versucht?

es ist ihr in jeder hinsicht gelungen!

erst in der schwarz-blauen koalition mit einer unäglichen reform und jetzt durch definitive arbeitsverweigerung.

und jetzt schiebt sie den schwarzen Peter auch noch den Roten hinüber.

Prolozei
00
23.8.2010, 17:40
50cent fürs Klo versus 500.000EUR für Vorstand

Vor gar nicht allzu langer Zeit war über den SPÖ nahen ÖBB Generaldirektor Kern zu lesen dass dieser etwa 100.000 Euro mehr Gehalt bekommen soll als sein Vorgänger Klugar, der in etwa 400.000 Euro verdiente.

Ein witziger Zufall ist, dass Kern ausgerechnet vom auch um Millionen bettelnden Verbund kam.

Eine Alternative für die ÖBB wäre es, die Klogebühr auf allen Bahnhöfen von 50cent (bitte ganz genau einwerfen) auf zB 10EUR zu erhöhen! Auf dem Flughafen kann man noch gratis gehen, der ist aber auch schon pleite und muss gestützt werden.

nao...?
00
23.8.2010, 21:06

wieso am Bahnhof? Im Zug hat man keine Alternative...

living reef
04
23.8.2010, 16:58
sofort das unnörige prestigetunnelprojekt richtung kärnten stoppen

dann bleibt wieder einiges an geld über.

fredi 1990
00
28.8.2010, 20:38
leider gibts dann auch tausende arbeitslose mehr!

Dilbert
00
23.8.2010, 20:32

Das liegt nicht im Ermessen der ÖBB.

dave66
11
23.8.2010, 17:44
Im Gegenteil, Ausbau und Modernisierung

sind gefordert, um ein leistungsfähiges Unternehmen zu schaffen, das sich am Markt behaupten kann. 50 Jahre keine nennenswerte Investitionen (außer Westbahn) zu tätigen, gehört ohnehin in die Kategorie "Staatsverbrechen".

Gespart gehört an andere Stelle. Vor allem bei den Führungskräften. Diese sollen zum einen nicht nach Partei besetzt werden, zum anderen leistungsorientiert bezahlt werden und natürlich für verursachte Schäden haftbar gemacht werden.

Witzig, dass man hier kein Wort von Schüsselfreund Huber hört, der neben den Spekulationen auch für den Verkauf von Immobilien die Verantwortung trägt. Meiner Meinung nach war Traxler der letzte Manager mit halbwegs einen Sachverstand.

Edguy
00
23.8.2010, 16:54
Stellen bewerbung

Bewerbe mich als Öbb manager ! Würd sagen für naja - fünf jahre mit tollem Gehält und natürlich provisionen ! Dann noch eine fette abfertigung und naja ein tolles leben ! Freunde den mist den diese herren bauen - dazu brauchts weder einen titel noch berufs erfahrung ! Diese fünf jahre bekomm ich als quer einsteiger locker auch so hin !!! Wenn nicht besser denn ich hab gewissen !!! Mfg

natoll
00
23.8.2010, 17:22

leider fehlt dir aber das wichtigste: beziehungen.

Nachtsonne
01
23.8.2010, 16:52
Der Gang zum Konkursrichter

und die Einlösung der Haftung der Geschäftsführer,

Nestor1979
34
23.8.2010, 16:51
Mich wundert immer wieder...

... daß sich Millionen SPÖ-Wähler und 100.000e SPÖ-Mitglieder den kostspieligen Privilegienstadl der ÖBB gefallen lassen.

Das ist doch auch deren sauer verdientes Steuergeld, das dort verbraten wird!

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