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Angehörige der Mapuche bei einer Kundgebung in Puerto Dominguez
Antiterrorgesetze werden zu 90 Prozent gegen die Indigenas angewendet, denen Verbindungen zur Farc-Guerilla vorgeworfen werden.
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Porto Alegre/Santiago de Chile - Wenige Wochen vor den 200-Jahr-Feiern, mit denen in Chile der Unabhängigkeitskriege gegen Spanien gedacht wird, zeigt sich, dass das koloniale Erbe noch lange nicht überwunden ist: Der Hungerstreik von 32 Mapuche-Aktivisten im Süden des Landes geht in die siebente Woche, und die Regierung macht keine Anstalten, einzulenken.
Im Gegenteil: Vor wenigen Tagen wärmte der konservative Präsident Sebastián Piñera zwei Jahre alte Anschuldigungen auf, es gebe eine Zusammenarbeit militanter Mapuche mit der Farc-Guerilla. Mit der kolumbianischen Regierung habe er sich geeinigt, die Bande zwischen "terroristischen Gruppen" in beiden Ländern zu kappen, sagte Piñera. International anerkannte Forderungen der Mapuche würden kriminalisiert, sagte der katholische Priester Fernando Díaz der Zeitung La Tercera. Damit wiederhole Piñera Fehler seiner Vorgänger.
Die meisten der Hungerstreikenden sind unter Anwendung eines Antiterrorgesetzes der Pinochet-Diktatur von 1984 in U-Haft. Ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich, sagte Díaz, der als Mapuche-Seelsorger arbeitet. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, Bildung einer kriminellen Vereinigung, Gewalt gegen die Polizei, Brandstiftung, Beteiligung an Landbesetzungen und Holzdiebstahl vorgeworfen. Der Hungerstreik richtet sich gegen das Antiterrorgesetz, das eine U-Haft von bis zu zwei Jahren erlaubt. Den Anwälten wird der Zugang zu Ermittlungsakten verwehrt, vor Gericht sagen häufig anonyme Zeugen aus.
Die Aktion zeige "die Verzweiflung der Mapuche, die sehen, dass es keinerlei Bereitschaft gibt, zu reden" , sagt einer ihrer Anwälte. 106 Indigene sind verurteilt, im Gefängnis oder stehen vor Gericht, fast doppelt so viele wie vor einem Jahr.
Der prominente Mapuche-Chef Juan Catrillanca fürchtet, Piñera wolle "die Abkommen mit vielen Gemeinschaften" , die unter der bis 2010 amtierenden Präsidentin Michelle Bachelet erreicht worden seien, ignorieren. Den Mapuche - mit gut einer Million Angehörigen knapp sieben Prozent der chilenischen Bevölkerung - streiten für Selbstbestimmung und um Land. Seit der Pinochet-Ära werden sie durch große Plantagen von Zellstoffkonzernen zurückgedrängt, von denen rund zwei Drittel auf ehemaligem Mapuche-Territorium liegen. Nahe des Lleu-Lleu-Sees gibt es zudem große Bergbau- und Erdgasprojekte.
Die Justiz misst mit zweierlei Maß: Während die Terrorgesetze zu 90 Prozent gegen die Indigenen eingesetzt werden und ihnen bis zu 103 Jahre Haft drohen, wurde ein Polizist, der 2008 einen Mapuche erschossen hatte, vergangenen Donnerstag zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
Doch der Widerstand wächst: "Die Mapuche haben heute ein viel größeres Rechtsbewusstsein" , sagt Díaz. Die Unabhängigkeitsfeiern über ein multikulturelles Chile betrachten sie mit Argwohn. "Sobald es um politische Themen geht, kommt die Regierung mit Repression" , sagt ihr Sprecher Enrique Antileo. "Das ist der neue Kolonialismus". (Gerhard Dilger/DER STANDARD, Printausgabe, 23.8.2010)
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ich vermisse im artikel hinweise, dass die mapuche in den letzten paar jahren schon sehr oft lastwagen und bauernhoefe von unbeteiligten in brand stecken ... sogar auf der Ruta 5 (transamerican highway)
also wenn aus politischen gruenden eigentum von unbeteiligten 3. abgefackelt wird, darf IMNSHO schon das wort terrorist verwendet werden.
und ob das gesetz aus 1984 (und damit aus der pinochetaera ) stammt oder nicht ist doch sowas von wurscht weil es ja auch in den 20+ jahren demokratie nachher nicht abgeschafft wurde, somit gleichsam demokratisch legitimiert wird. der hinweis dient nur der meinungsmache.
Die Mapuche werden, gleich zu Beginn der neuen Präsidentschaft, auf die übliche, billige, rufschädigende Art der die Indigenen hassenden Mittel- und Oberschicht Lateinamerikas als Kriminelle und Terroristen diffamiert, indem man sie mit den kolumbianischen FARC in Verbindung bringt! Wäre ich der Milliardär und Politiker (sic!) Piñera, ich würde auch Nordkorea, Kuba, Somalia, Jemen, Iran, Palästina etc. als Sympathisanten der Mapuche heranziehen. Chile mag wirtschaftlich Vorreiter sein in Lateinamerika, aber das geschichtliche und ethnische Erbe des Kolonialismus hat es bis jetzt am wenigsten aufgearbeitet oder gar akzeptiert - von Guatemala einmal abgesehen.
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